Süddeutsche Zeitung

Ferkelparadies in Gammelsdorf:Landwirt schenkt Schweinen Spielzeug

Schweineställe bestehen meist aus kahlen Zellen. Martin Kellner aus Berghof möchte seinen Tieren jedoch einen Wohlfühlstall bauen. Der Gemeinderat findet das gut.

Der Gemeinderat hat jüngst einstimmig für die Genehmigung eines neuen "Wohlfühlschweinestalls" gestimmt. Martin Kellner aus Berghof darf nun offiziell mit dem Bau des Ferkelparadieses beginnen. Der Stall, bestehend aus 23 Buchten für je 17 Schweine, soll mit abwechslungsreichen Spielsachen ausstaffiert werden: Teils verformbar, teils beweglich und teils aus organisch zersetzbarem Material.

SZ: Herr Kellner, was ist der größte Unterschied zwischen Kinder- und Schweinespielzeug?

Martin Kellner: Die Schweine spielen, indem sie mit Mund oder Schnauze das Spielzeug bewegen. In das organische Spielzeug können sie auch hineinbeißen oder sie nagen zum Beispiel an Holzbolzen.

Wie kann man sich organisch zersetzbares Spielzeug vorstellen? Kann man das essen?

Das organische Spielzeug besteht aus Holz oder Stroh, das die Ferkel auch ohne Bedenken abnagen können. Es nutzt sich dementsprechend nach und nach ab. Deshalb muss man das organische Spielzeug in regelmäßigen Abständen ersetzen. Nachdem die Ferkel damit gespielt haben, wird es aus hygienischen Gründen verbrannt.

Schmeckt das Fleisch von spielenden Schweinen besser?

Über den Geschmack kann ich nichts aussagen, aber ich will mit meinem Wohlfühlstall dafür sorgen, dass die Schweine ein glücklicheres Leben haben. Dann kann der Verbraucher das Fleisch auch beruhigter genießen.

Woher bekommen Sie das Schweinespielzeug? Bauen Sie es selbst ?

Die Materialien für das organisch zersetzbare Spielzeug wie Holz und Stroh habe ich auf dem Hof, das baue ich dann auch selbst. Anderes Spielzeug wie das bewegliche muss ich kaufen. Für Schweinespielzeug gibt es eigene Läden.

Was hat ein Wohlfühlstall außer Spielzeug noch alles zu bieten?

Mein Wohlfühlstall hat einen Spaltenboden mit weniger Schlitzanteil, er besteht aus so genannten Ökospalten. Außerdem hat das einzelne Tier in meinem Stall 20 Prozent mehr Platz als in einen konventionellen Schweinestall.

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Quelle:
SZ vom 14.07.2015/zim
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