Essen und Trinken„Feinkost Hofmair“ ist bald Geschichte

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Das Feinkostgeschäft von Peter Hofmair in Freising ist eine gute Adresse für Feinschmecker. Bald ist damit aber Schluss, denn er geht in Rente.
Das Feinkostgeschäft von Peter Hofmair in Freising ist eine gute Adresse für Feinschmecker. Bald ist damit aber Schluss, denn er geht in Rente. (Foto: Petra Schnirch)
  • Peter Hofmair schließt sein Freisinger Traditionsgeschäft „Feinkost Hofmair" Ende des Jahres nach fast 50 Jahren aus Altersgründen.
  • Der 78-Jährige hat keinen Nachfolger gefunden, da eine Übernahme wegen neuer Anforderungen einen sechsstelligen Betrag kosten würde.
  • Das Familienunternehmen besteht seit 1896, Hofmair wandelte es Mitte der Achtzigerjahre erfolgreich von einer Metzgerei zu einem Feinkostgeschäft um.
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Nach 50 Jahren ist Schluss, Peter Hofmair gibt das Freisinger Traditionsgeschäft Ende des Jahres aus Altersgründen auf, Nachfolger hat er keinen gefunden. Der Abschied fällt ihm nicht ganz leicht. Aber mit 78 ist es Zeit für die Rente.

Von Petra Schnirch, Freising

Für Gourmets in Freising ist es ein herber Schlag. Ende des Jahres schließt das Traditionsgeschäft „Feinkost Hofmair“. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Eröffnung geht Inhaber Peter Hofmair in Rente, mit dann 78 Jahren – die man ihm nicht ansieht. Ganz leicht fällt ihm der Schritt nicht. „Das ist nicht so einfach, wie man glaubt, ich habe viele echte Fans“, sagt er. Deshalb bleibt der Laden bis Ende Dezember auf. Für Weihnachten können die Freisinger noch einmal Enten, Puten oder Gänse bei ihm bestellen.

Nachfolger hat Hofmair keinen gefunden. Bei einer Übernahme des eingeführten Feinkost-Geschäfts müsste man wegen neuer Anforderungen an Kühlung und Technik einen sechsstelligen Betrag ausgeben, schildert er. Derzeit wolle aber niemand investieren. Hätte seine Tochter Interesse gezeigt, wäre er dazu bereit gewesen. Die aber hat beruflich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Somit zieht er nach 50 Jahren einen Schlussstrich. Wie geht es ihm damit? „So und so“, meint er.

In Familienhand war der Betrieb sehr viel länger. Der Urgroßvater eröffnete in dem Gebäude an der Unteren Hauptstraße 1896 eine Metzgerei. Auch in Peter Hofmairs Anfangsjahren gab es dort fast ausschließlich Fleisch und Wurst. Mitte der Achtzigerjahre setzte er dann verstärkt auf Feinkost und Wein – und traf damit den Nerv der Zeit. Die Deutschen hätten damals „ihr Spektrum erweitert“, erzählt er. Sie interessierten sich, inspiriert von der Haute Cuisine, für hochwertige Lebensmittel und kochten aufwendiger.

Er sei hier der Erste gewesen, „der in diese Richtung gearbeitet hat“. Hofmair bot Flusskrebse an, Fleisch von Limousin- und Charolais-Rindern. Zweimal in der Woche kaufte er frische Ware vom Großmarkt Rungis in Paris ein, dem Paradies der Feinschmecker. „Das war gigantisch“, erinnert er sich. Er habe sich „fast nicht retten können“, so groß sei die Nachfrage gewesen. „Die Leute waren neugierig, sie wollten etwas Neues erleben.“

Viele Kunden wünschen sich, dass er seine Rezeptideen aufschreibt

Der Hype dieser kulinarischen Aufbruchszeit ist vorbei. 08/15-Ware aber interessiert Hofmair nach wie vor nicht. Wichtig ist ihm eine gleichbleibende Qualität. Lieber weniger Fleisch, aber dafür aus tiergerechter Haltung. Feinkostsalate stellt er teils selbst her, etwa mit Wildfanggarnelen, abgelöscht mit Pastis. Auch selbst gemachte Eintöpfe und Soßen zur Pasta hat Hofmair im Angebot, weil viele Leute nicht mehr die Zeit finden zu kochen, wie er beobachtet hat.  Er selbst steht trotz seiner langen Arbeitstage gern in der Küche und könne „ganz gut“ kochen, erzählt Hofmair, was ein ziemliches Understatement ist. Die Kundinnen und Kunden schätzen seine Rezepte, aufschreiben aber will er sie nicht, obwohl er immer wieder dazu aufgefordert wurde.

Die Frage, ob er einmal in den Familienbetrieb einsteigen wolle, stellte sich für Hofmair nie. Das wurde vorausgesetzt, schon als Kind musste er mithelfen, in der Metzgerei, in der kleinen Landwirtschaft, die sein Vater nebenbei aufgebaut hatte, weil er eigentlich lieber Gartenbau studiert hätte. 1975, drei Tage vor Weihnachten, eröffnete Peter Hofmair nach zweijähriger Umbauphase – auch in dieser Zeit musste er um kurz nach vier aufstehen und seinem Vater helfen – das eigene Geschäft. Die Ausbildung zum Metzgermeister absolvierte er im Schnelldurchlauf. Der Vater hatte entschieden, die Metzgerei in Landshut weiterzuführen, die er aufgebaut hatte, weil der Großvater den Betrieb in Freising zunächst nicht übergeben wollte.

Essengehen ist der „neue Fetisch“

Was würde er, der immer neugierig und experimentierfreudig war, heute ändern, wenn er 20 oder 30 Jahre jünger wäre? Einen Gastro-Bereich mit Bestuhlung draußen vor dem großen Schaufenster würde er wohl einrichten. Die Zeiten hätten sich geändert, sagt er. „Neuer Fetisch ist das Essengehen“, dort seien die Leute bereit, viel Geld auszugeben.

Vor wenigen Tagen, am ersten Novemberwochenende mit dem Feiertag, bekam Hofmair schon einmal ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlt, zwei Tage – und künftig mehr – am Stück freizuhaben. In seinem ganzen Leben habe es vielleicht 100 Samstage gegeben, an denen er nicht in der Schule war oder gearbeitet habe, erzählt er. Er freut sich auf die neue Freiheit, will mal wieder auf die Kanaren fliegen. Euphorisch aber ist er nicht. Er habe immer gern gearbeitet, er sei so erzogen worden. Wie viele andere aber hatte  Hofmair in den vergangenen Jahren mit dem Problem zu kämpfen, Personal zu finden. Sogar putzen muss er teils selbst.

Das schwere Holztor neben dem Schaufenster bleibt im neuen Jahr erst einmal geschlossen. Was mit dem Laden geschehen wird, ist unklar.

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