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Fastenaktion "Mal Ehrlich":Sich selbst näher kommen

Auch die evangelische Pfarrerin Anne Lüters lässt sich von bundesweiten Fastenaktionen inspirieren. In diesem Jahr will sie sieben Wochen lang Klimafasten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche nennt sich in diesem Jahr "Mal Ehrlich: Sieben Wochen ohne Lügen". Ein interessante Aktion, findet Pfarrerin Anne Lüters, die sich aber selbst heuer aufs Klimafasten verlegt.

Sieben Wochen ohne Lügen, ohne Schwindeln, ohne Gefälligkeits- und Notlügen. Stattdessen sieben Wochen Ehrlichkeit, Redlichkeit und Offenherzigkeit. Genau diesem Konzept widmet sich die diesjährige Fastenaktion der evangelischen Kirche und zwar unter dem Motto "Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen". In der Zeit vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag sollten sich Teilnehmer gut überlegen, wie oft sie im Alltag zu Lügen greifen und versuchen, darauf zu verzichten.

Ein besonderes Augenmerk auf die Wahrheit legen

"Die Aktion finde ich ganz spannend", sagt dazu die evangelische Pfarrerin Anne Lüters, zuständig für die Hochschulgemeinde in Freising. Es sei wichtig, ein besonderes Augenmerk auf den alltäglichen Umgang mit der Wahrheit zu legen. Von der kleinen Gefälligkeitslüge, um den Mitmenschen nicht zu kränken, über die Notlügen und das Schwindeln bis hin zu den Halbwahrheiten, wodurch man sich selber besser darstellen könne. Alles falle unter den Begriff "Lügen", meinte die Hochschulpfarrerin. "Das Thema der Aktion ist unglaublich breit gefächert. Es geht nicht nur ums Lügen, sondern auch darum, wahrhaftig zu leben und für die Wahrheit einzustehen", erklärt sie weiter.

Durch die Fastenzeit sowie die Ostertage begleitet die Fastenden ein Kalender mit Texten und Bildern, die den Verzicht auf Lügen bestärken soll. Jede Woche wird dabei ein anderer Aspekt des Lügens behandelt, wie zum Beispiel die Suche nach der Wahrheit und ihre Erkennung sowie die Ehrlichkeit zueinander und zu sich selbst. In der Fastenzeit habe man die Möglichkeit, sich der eigenen Abhängigkeiten bewusst zu werden und dadurch nicht nur Gott näher zu kommen, sondern auch sich selber, so die evangelische Pfarrerin. "Wir leben in einer Zeit des großen Zuviels. Wir haben alles überall vorrätig" erklärte sie. Deswegen solle man zunächst zurücktreten und hinschauen, was man brauche und was nicht und dafür schließlich dankbar sein.

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Mit etwas Neuem anfangen und sich Gruppen anschließen

Vielen jedoch fehle der Antrieb, eine Veränderung im Leben vorzunehmen, so die Pfarrerin weiter. Die Fastenzeit sei eben die richtige Zeit, mit etwas Neuem anzufangen, denn es gebe hilfreiche Programme und Strukturen. Ökumenische Alltagsexerzitien würden beispielsweise den Teilnehmern mehrmals in der Woche im evangelischen Paul-Gerhardt-Haus in Freising sowie im katholischen Pfarrheim St. Georg Haus angeboten. Dabei kann man sich Gruppen zur gegenseitigen Unterstützung und Erfahrungsaustausch anschließen und leichter motivieren lassen. Viel könne man daraus lernen und somit auch etwas für sich selbst entdecken, so Anne Lüters. Wenn das Fasten gut laufe, könne man auch sein weiteres Leben auf Basis dieser Erfahrung verändern.

Jeder entscheide für sich selbst, ob er mitmachen möchte oder nicht. Bundesweit seien jedoch die jährlichen Fastenaktionen auf fruchtbaren Boden gefallen und ganz viele Menschen ließen sich darauf ein, sagte Anne Lüters. "Ich lasse mich jedenfalls davon gerne anregen", sagt Pfarrerin Anne Lüters. "Ich möchte aber diesmal anders fasten", erläutert sie. Intensiver befassen möchte sie sich mit dem sogenannten "Klimafasten" - eine weitere kirchliche Initiative. Von einem online gestellten Heft lasse man sich durch die Fastenzeit begleiten und lerne dabei "Schrittchen für Schrittchen" nachhaltiger und umweltbewusster zu leben, so Anne Lüters. Die wöchentlich gesetzten Schwerpunkte erstreckten sich vom Energiehaushalt, über fairen Konsum und achtsames Kochen bis hin zu Mobilität.