Familienpatenschaften der Caritas Freising:Eine Art Ersatzoma

Familienpatenschaften der Caritas Freising: Die Familienpaten der Caritas springen beispielsweise stundenweise bei der Kinderbetreuung ein. Sie unterstützen Familien, die kein soziales Netz haben.

Die Familienpaten der Caritas springen beispielsweise stundenweise bei der Kinderbetreuung ein. Sie unterstützen Familien, die kein soziales Netz haben.

(Foto: Uli Deck/dpa-tmn)

Das Familienpaten-Projekt der Caritas gibt es seit 2012, es war von Beginn an ein Erfolgsmodell. Ehrenamtliche unterstützen Familien bei der Kinderbetreuung. Nun werden dringend neue Patinnen und Paten gesucht.

Von Gudrun Regelein, Freising

Begonnen hat es mit dem Familienpatenprojekt der Caritas Freising vor zwölf Jahren - und es lief von Beginn an enorm gut, sagt Projektleiterin Ingrid Mosner-Fischer. "Es war und ist ein großes Erfolgsmodell." Derzeit werde deshalb wieder dringend nach neuen Patinnen und Paten gesucht. "Wir haben viele Anfragen, so viele, dass es mittlerweile eine lange Warteliste gibt", berichtet Mosner-Fischer. 35 Familien aus dem Landkreis stehen darauf. Viele von ihnen kommen aus Freising oder den südlichen Gemeinden bei München, viele aber auch aus den Zuzugsgebieten in Mauern und Wang.

Die ehrenamtlichen Familienpatinnen und -paten unterstützen Familien, die kein soziales Netz haben - und dringend eine Unterstützung brauchen. Die Patenschaften laufen bis zum sechsten Geburtstag des Kindes. Familienpaten böten eine Hilfe zur Selbsthilfe: "Eine neue Abhängigkeit von der Patin oder dem Paten soll nicht entstehen", sagt Mosner-Fischer. Das Angebot sei eine niedrigschwellige, sehr wichtige Hilfe.

Haushaltshilfe wird nicht geleistet

Gerade die erste Zeit mit einem Kind sei häufig eine schwierige. Wenn dann noch keine Verwandte oder Freunde da seien, die in Notlagen einspringen oder helfen, werde es oft problematisch. Patinnen und Paten seien dann eine Art Ersatz-Großeltern. Sie übernehmen für ein paar Stunden die Kinderbetreuung, spielen oder basteln beispielsweise mit den Kindern oder begleiten die Zwillingsmutter zu einem Kinderarzttermin. Oder die Patin hole das Kind von der Krippe ab, weil die Mutter noch in der Arbeit ist. Das biete eine Entlastung - und helfe, dass Eltern wieder in ein psychisches Gleichgewicht kommen, erklärt Mosner-Fischer. Eine Haushaltshilfe - Kochen, Putzen oder Einkaufen - aber werde nicht geleistet, betont sie.

Anfragen gebe es viele, jede Familie werde sich dann gut angeschaut. "Ich mache Hausbesuche, um mir ein Bild zu machen", sagt Mosner-Fischer. Danach überlegt sie sich, welche Patin von der notwendigen Betreuungszeit und auch menschlich am besten zu der Familie passen würde. Anschließend gibt es ein Kennenlerntreffen, um zu sehen, ob es auch wirklich gemeinsam klappt. Viele der Patinnen seien sehr lange in der Familie, würden zu einer Art Ersatzoma, sagt Mosner-Fischer.

Eine beglückende Aufgabe

Sabine Schlinkmeier ist eine der Caritas-Patinnen, vor zwei Jahren übernahm sie dieses Ehrenamt. "Ich wollte etwas Gutes tun", erzählt die 59-Jährige. Und da sie Kinder sehr möge, habe sie sich für eine Patenschaft entschieden. Zwei Jahre lang kümmerte sie sich einmal in der Woche für einige Stunden um den kleinen Sohn einer alleinerziehenden Mutter. Sie holte ihn von seiner Kita ab, ging mit ihm auf den Spielplatz oder malte mit ihm, erzählt Schlinkmeier. "Seine Mutter dagegen konnte bei mir ihre Probleme und Sorgen loswerden, ich hörte ihr zu und päppelte sie auf - falls das notwendig war." Weihnachten wurde gemeinsam gefeiert, genauso die Geburtstage. Sie habe sich zwar nicht als Familienmitglied, aber als Freundin der Familie gefühlt, sagt Schlinkmeier. Nach dem sechsten Geburtstag des Jungen endete dann die Patenschaft. "Es war eine herausfordernde, aber absolut beglückende Aufgabe. Ich bekam viel zurück, von der Mutter und von dem Kind."

Derzeit gibt es zwölf ehrenamtliche Patinnen und drei Paten, alle sind 55 Jahre oder älter. 15 Patenschaften laufen momentan. Einige der ehrenamtlichen "Großmütter" seien von Anfang an dabei gewesen, berichtet Mosner-Fischer, viele von ihnen hören zum Jahreswechsel nach fast zwölf Jahren nun aber auf. Anfang 2024 werde man wohl nur noch acht Patinnen und Paten haben, sagt die Projektleiterin. "Neue werden also dringend gesucht, sind aber wahnsinnig schwer zu finden."

Die Neuen würden nicht ins kalte Wasser geworfen, versichert sie, vor dem ersten Einsatz gebe es eine ausführliche Einführung mit vielen Informationen - über Erste Hilfe beispielsweise. Und auch danach gebe es noch eine engmaschige Betreuung, alle vier Wochen findet eine Teamsitzung statt, bei der es auch anonyme Fallbesprechungen gibt.

Ansprechpartnerin für das Projekt Familienpaten bei der Caritas Freising ist Ingrid Mosner-Fischer (E-Mail: ingrid.mosner-fischer@caritasmuenchen.org; Handy: 0160 / 526 76 11).

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