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 Familiengräber weniger gefragt:Noch ausreichend Platz

Weil der Trend hin zu Urnen- und Baumgräbern geht, kann sich Neufahrn mit der Friedhofserweiterung Zeit lassen

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Auch bei Bestattungen gibt es Trends, und sie gehen in Neufahrn deutlich weg von großen Familiengräbern hin zu Urnen- oder Baumgräbern. Nicht zuletzt diese Entwicklung führt dazu, dass der Platz auf dem bestehenden Friedhof im Neufahrner Süden entgegen früheren Berechnungen noch bis zu acht Jahre ausreichen dürfte.

Der Ausschuss für Personal, Soziales und Kultur vernahm es mit Erleichterung. Denn das nimmt Druck aus den Planungen für die kostenintensive Friedhofserweiterung. Vor zehn Jahren hätten sich die Gemeinderäte bei dem Thema noch recht "gehetzt gefühlt", erinnerte sich Beate Frommhold-Buhl (SPD) in der jüngsten Sitzung. Die neuen Zahlen seien aber doch ziemlich "beruhigend".

Die Vergrößerung des Friedhofs wird seit Jahren geplant. Demnach soll das bestehende Areal um gut 6000 Quadratmeter nach Nordosten erweitert werden, so dass etwa 900 weitere Gräber Platz hätten. Die Umsetzung erwies sich aber von Anfang an als schwierig: Zuerst zogen sich die Grundstücksverhandlungen lange hin. Dann - im Herbst 2019 - wurde das Projekt aus finanziellen Gründen bis mindestens 2024 geschoben.

Trotzdem wird es wohl nicht so schnell eng werden. Aktuell sind beispielsweise 172 Familien- und 56 Reihengräber frei. Bei den Familiengräbern hat die Nachfrage so stark nachgelassen, dass sie laut Michaela Wiencke-Bimesmeier von der Rathaus-Verwaltung in den kommenden Jahren sicher nicht alle gebraucht und sie bei Bedarf auch in Reihengräber umgewandelt werden könnten.

Um auch den Kauf von Gräbern, die nach Ablauf der Ruhefrist neu belegt werden können, attraktiver zu machen, wird über finanzielle Anreize etwa in Form einer reduzierten Gebühr nachgedacht. Derzeit werden in der Praxis oft neue Grabfelder eröffnet, obwohl es in bestehenden Bereichen freie Gräber gäbe. Das sei "für das Erscheinungsbild nicht so positiv", sagt Michaela Wiencke-Bimesmeier. Gemeinderätin Christa Kürzinger (CSU) regte deshalb auch an, unbelegte Gräber eventuell übergangsweise "mit Blumen zu besäen".

Was Urnen angeht, gibt es am Neufahrner Friedhof noch gut 120 Plätze in Erdgräbern, Wänden und Stelen. Das Angebot kann auch noch erweitert werden. Bei einem weiteren Grabfeld für Urnenerdgräber müssten zum Beispiel nur noch Fundamente für die Grabsteine gesetzt werden, erklärte Wiencke-Bimesmeier. Auch gebe es noch Platz für 415 Baumgräber, nach denen die Nachfrage sehr hoch sei. Probleme bereitet allerdings, dass Hinterbliebene die entsprechenden Stellen häufig auch mit Grabschmuck versehen, obwohl das nicht so gedacht ist. Man bemühe sich, das "einfühlsam zu regeln", hieß es in der Sitzung.

Derzeit wird die Friedhofs- und Bestattungssatzung in mehreren Punkten überarbeitet. Noch offen ist, inwieweit es künftig die Möglichkeit von Bestattungen im Tuch geben wird, nachdem die Sargpflicht in Bayern seit kurzem aufgehoben ist. Das ist vor allem für muslimische Bestattungen von Bedeutung.

Man werde schauen, "inwieweit man da einsteigen will", kündigte Wiencke-Bimesmeier an. Berücksichtigen müsste man dann zum Beispiel, dass verstorbene Muslime in eine bestimmte Richtung gebettet werden und die Gräber für alle Zeit bestehen bleiben müssten.

© SZ vom 05.05.2021
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