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Freisinger Fahrlehrer klagen:Fahrschulen im Leerlauf

Dirk Dlugosch, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Freising, sitzt trotz Schließung jeden Tag im Büro. Er bereitet die Zeit danach vor.

(Foto: Marco Einfeldt)

Während des Lockdowns sind in Bayern weder praktische Stunden noch Theorie-Unterricht zulässig. Die Inhaber fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, weil die Hygiene-Konzepte gut funktioniert haben, wie Dirk Dlugosch betont.

Von Gabriel Wonn, Freising

Den Betreibern der Freisinger Fahrschulen macht der Lockdown schwer zu schaffen. In Bayern gelten, anders als in anderen Bundesländern, keine Bestimmungen, die zumindest einen eingeschränkten Betrieb ermöglichen würden. Es können derzeit also weder praktische noch theoretische Stunden stattfinden. Geprüft würden aktuell ohnehin nur Berufsfahrer, sagt Dirk Dlugosch, Inhaber der Fahrschule Dlugosch.

Er fühlt sich von der Politik im Stich gelassen und von der Öffentlichkeit vergessen: "Wir haben schon vor dem ersten Lockdown Hygienevorschriften eingehalten. Und dann über acht Monate lang unter erschwerten Bedingungen gearbeitet. Man hat gesehen: Es funktioniert." Gerade aufgrund der besonderen Situation in einem Fahrzeug habe man sich besonders angestrengt: "Wir arbeiten ja auf engstem Raum. Vor jeder Fahrt wurde das Auto desinfiziert, das haben die Schüler auch gerne und gewissenhaft mitgemacht. Wir hatten Masken auf. Und wir sind ohne jeden Vorfall durchgekommen. Das ist schon eine Leistung."

In manchen Bundesländern dürfen Fahrschulen arbeiten

Dlugosch verweist auf Bundesländer wie Baden-Württemberg oder Niedersachsen: "Da wurde sich dafür eingesetzt, dass Fahrschulen weiter arbeiten dürfen und nicht pleite gehen. In Bayern ist das eher mau."

Hinzu komme, dass die Öffentlichkeit kaum etwas von der Situation der Fahrschulen mitbekomme: "Man berichtet über Tattoostudios und Friseurläden, aber nicht über uns. Wir existieren quasi nicht." Ein streng kontrolliertes Arbeitszeitgesetz verhindere, dass in der Corona-Zeit entstandene Verluste im Anschluss ausgeglichen werden könnten. Und Staatliche Hilfen seien bei ihm auch noch nicht angekommen, sagt Dlugosch. Da bisherige Maßnahmen möglicherweise nicht "EU-konform" seien, habe er bislang nichts beantragt, da er befürchte, es ohnehin zurückzahlen zu müssen.

Die Einbußen sind gewaltig

Über solche Details bezüglich staatlicher Unterstützungszahlungen kann Günther Pletschacher, Inhaber der Fahrschule Pletschacher, keine Auskünfte geben: "Das muss aktuell ja ohnehin über den Steuerberater gemacht werden." Die schwierige Lage der Fahrschulen bestätigt er aber: "Wenn es nach Januar weiter gehen sollte, wird es eng. Ich habe laufende Kosten und die Einbußen sind gewaltig. Dann lässt es sich kaum noch tragen."

Ähnlich wie Dirk Dlugosch sieht auch Pletschacher die Einschränkungen für seinen Berufsstand kritisch: "Bei Prüfungen versteh ich es ja noch, da sitzen mehr als zwei Haushalte im Auto. Aber in der Ausbildung sind das immer zwei Personen. Ich muss mich daran halten, aber ich verstehe es nicht mehr. Wir haben Desinfektion, Maske im Unterricht und so weiter. Man sitzt nah beieinander, klar." Aber in Bussen sei dies ebenso der Fall. "Und dann fahren die Leute nach Hause und sind da eng beieinander. Anderswo darf man das und wir dürfen es nicht."

2021 gibt es viele Neuerungen

Hinzu kommen die Neuerungen, die das Jahr 2021 für den Straßenverkehr mit sich bringt. Deutsche Führerscheine müssen endgültig in europäische umgetauscht werden, es gibt einen sogenannten CO₂-Preis auf Brennkraftstoffe, neue Versicherungsklassen - einiges hat sich verändert. Und auch beim Erwerb des Führerscheins gibt es Neues. Und das betrifft die Fahrschulen direkt. Will man für die Klasse B beispielsweise seine praktische Prüfung in einem Fahrzeug mit Automatikgetriebe absolvieren, ist dies ab sofort möglich. Es müssen aber zumindest zehn Prüfungsstunden in einem Auto mit Schaltgetriebe nachgewiesen werden. Dirk Dlugosch warnt diesbezüglich vor Komplikationen für die Klasse BE, also das Fahren mit größeren Anhängern. Mache man dafür seine praktische Prüfung mit Schaltgetriebe, gelte der Führerschein auch für Automatik-Fahrzeuge.

Dies sei aber umgekehrt nicht der Fall, so der Fahrschulleiter: "Das findet der Laie nicht so einfach in den Gesetzestexten. Es ist aber für uns Fahrschulen und auch für Gewerbetreibende wichtig." Über eine Regelung für die Klasse B 96, also Anhänger wie Wohnwagen oder Pferdeboxen betreffend, habe er noch gar keine Informationen enthalten.

Die Prüfungen werden teurer

Des Weiteren hat sich die Prüfungszeit für eine praktische Führerscheinprüfung um zehn Minuten verlängert. Dadurch sei das Ganze für Fahrschülerinnen und Fahrschüler teurer geworden, kritisiert Günther Pletschacher. Statt einer handschriftlichen Prüfdokumentation wird zudem ein elektronisches Protokoll angefertigt. Im Klartext: Prüferinnen oder Prüfer sitzen jeweils mit Laptop oder Tablet auf der Hinterbank. Dadurch soll die Entscheidung über ein Bestehen der Prüfung nicht mehr nur vom Prüfenden allein abhängen, sondern mit Hilfe von Technik unterstützt werden.

Außerdem ist nun ein fünfminütiges Feedbackgespräch danach vorgeschrieben. Das habe es ohnehin schon vorher gegeben, sagt allerdings Dirk Dlugosch: "Das wird jetzt alles durchzertifiziert und in Minutentakte eingeteilt. Es wird eigentlich nur komplizierter." Und dann solle jetzt noch die Bedienung der Assistenzsysteme getestet werden. Die wichtigen wie Bremsassistenz könne man aber doch nicht aktiv testen. Und für Dinge wie Scheibenwischer hätte man sich den Gesetzestext auch sparen können.

Manche beklagen eine Überreglementierung

Eine Überreglementierung konstatiert auch Günther Pletschacher: "Es ist ein bisschen überzogen, finde ich. Wir leben in einem Land, wo es eine 33-seitige Abhandlung darüber geben könnte, wie man eine Kartoffel richtig schält. Das braucht kein Mensch. Aber ich muss es natürlich akzeptieren."

Betrachtet man die aktuelle Lage, sind die neuen Regelungen für die bayerischen Fahrschulen aber wohl das geringste Problem: Das Regelwerk für das Jahr 2021 ist da, nur praktisch umsetzbar ist es im Lockdown derzeit noch nicht. Dlugosch und Pletschacher hoffen inständig auf ein baldiges Ende ihres beruflichen Leerlaufs.

© SZ vom 18.01.2021/av
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