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Fahrradklima in Neufahrn:Strenges Urteil der Radler

Beim ADFC-Test kritisieren die Bürgerinnen und Bürger unter anderem Ampelschaltungen und zu schmale Wege

Der "grüne" Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) ist ganz unbestritten oft mit dem Radl unterwegs. Er selbst würde seiner Gemeinde in Sachen Fahrradklima die Note 2-3 geben. "Weil wir ein großes Angebot an schönen Fahrradwegen in der Gemeinde haben, aber manches auch noch im Argen liegt", wie er sagt.

Die radelnden Bürgerinnen und Bürger in Neufahrn urteilen jedoch strenger: Beim ADFC-Fahrradklima-Test gab es von ihnen nur die Durchschnittsnote 3,9. Damit hat sich gegenüber der Beurteilung aus dem Jahr 2018 nichts geändert. Die anderen teilnehmenden Kommunen im Landkreis Freising wurden bekanntlich ganz ähnlich bewertet: Eching mit 3,7, Hallbergmoos mit 3,8, Moosburg mit 4,0 und Freising mit 4,1.

In Neufahrn hatten 87 Radler an der Befragung teilgenommen. Bemängelt wurden dabei zum Beispiel die Ampelschaltungen, die Breite der Radwege und die Verkehrsführung an Baustellen. Nachholbedarf besteht laut ADFC-Auswertung auch bei den Falschparker-Kontrollen auf Radwegen und beim Angebot von öffentlichen Leihfahrrädern. Besonders schlechte Noten gab es zudem für die Punkte "Fahren im Mischverkehr mit Kfz" und "Fahrradmitnahmen in den öffentlichen Verkehrsmitteln." Bei allen Fragen zu diesen Themen wurde die Bewertung "mangelhaft" (4,5 bis 5,3) vergeben.

Die Mehrzahl der Befragten sagte nach Angaben des ADFC, "dass in jüngster Zeit kaum etwas für den Radverkehr getan worden sei (Note 4,4). Das sieht man freilich im Rathaus anders. Dass kein nennenswerter Fortschritt sichtbar ist, ist für Bürgermeister Heilmeier zwar von der Außenwahrnehmung her nachvollziehbar, stimme aber nicht: Strukturelle Maßnahmen wie der Bau neuer Fahrradwege würden von der Planung bis zur Fertigstellung eben leider mehr Zeit in Anspruch nehmen, als man es sich wünschen würde.

Der Mobilitätsbeauftragte Simon Weichwald verweist auch auf geplante Maßnahmen wie etwa die Aktualisierung der Radwegebeschilderung, die Rot-Asphaltierung von Radwegefurten, die Erneuerung von Fahrradabstellanlagen und die Einrichtung von Fahrradstraßen. Noch dieses Jahr solle das Radverkehrskonzept fertig werden. Dabei wirkt auch der ADFC mit, wie die Ortsgruppe anmerkt. Positiv findet sie auch den Beitritt der Gemeinde zur Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern.

Als "Lichtblick" in der Befragung bezeichnet man beim ADFC die Antworten zum Thema "Erreichbarkeit des Ortszentrums" (Note 2,8) und anderer Ziele. Die Ortsgruppe verweist aber auch darauf, dass sich nur 68 Prozent der Befragten beim Radfahren sicher fühlten. Die Vorstandsmitglieder Sepp Lettner und Fritz Hammel erklären sich das vor allem mit dem "ungenügenden Radwegenetz". Mehr als 50 Prozent der inner- und außerörtlichen Radverbindungen seien kritisiert worden. Beim Netz gebe es "definitiv noch Spielraum für Verbesserungen", heißt es auch im Rathaus. Aber man arbeite daran und sei auch insgesamt "zuversichtlich, bei der nächsten Bewertung ein besseres Ergebnis zu erzielen".

© SZ vom 29.04.2021 / bg
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