Süddeutsche Zeitung

Bürgermeister-Stichwahl in Fahrenzhausen:In jedem Fall historisch

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Nach der Abstimmung am Sonntag wird die Gemeinde erstmals von einer Frau geführt werden. Während Susanne Hartmann (FDP/FW) auf eine breite Unterstützer-Front und "Veränderung von außen" setzt, vertraut Alexandra Karl (Grüne) auf ihren Status als Einheimische und darauf, mit inhaltliche Themen überzeugt zu haben.

Von Klaus Bachhuber, Fahrenzhausen

Der grüne Balken war deutlich höher als der schwarze und der orange. Orange und Schwarz aber aufeinandergestellt, wäre wiederum deutlich höher als grün . . . Vor der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Fahrenzhausen am Sonntag, 9. Oktober, liefert das Ergebnis des ersten Wahlgangs reichlich Ansätze für Spekulationen.

"Schwarz", die im ersten Wahlgang mit ihrem Kandidaten Günter Fuchs gescheiterte CSU, hat sich in einer formalen Wahlempfehlung eindeutig hinter "Orange" gestellt, hinter Susanne Hartmann, die Kandidatin der FW "Einigkeit". Weil Hartmann Mitglied der FDP ist, steht die FDP ohnehin hinter ihrer Nominierung, und zuletzt haben sich auch fünf der sieben Gemeinderäte der Freien Bürgerliste für Hartmann ausgesprochen.

Die verteilt nun Flyer, die sie im Kreis des Gemeinderates zeigen, aus dem sich 16 der 20 Gemeinderäte zu ihr bekannt haben. "Ich hoffe, dass dies was bewirkt", sagt sie. Angesichts der reichlich undeutbaren Situation vor dem ersten Wahlgang habe sie da "überhaupt kein Gefühl für den Ausgang" entwickelt, berichtet sie, "jetzt habe ich für Sonntag ein gutes Gefühl".

Alexandra Karl (Grüne), die Siegerin im ersten Wahlgang, nimmt die breite Unterstützer-Front ihrer Konkurrentin gelassen. "Ich bin von Anfang an als Person gestartet, ohne eigenen Ortsverband", erinnert sie, insofern sei sie zu den Wahlaussagen jetzt "sehr entspannt". Dass die 16 Gemeinderäte hinter Hartmann stünden, heiße nicht mehr, "als dass ich diese 16 Wähler nicht überzeugen konnte".

Weiter hat sie als gewichtiges Pfund im Hintergrund, die Bewerberin aus dem eigenen Ort zu sein, hier aufgewachsen, verwurzelt und in diversen Organisationen engagiert. Susanne Hartmann lebt in Hohenkammer, sitzt für die FDP im Gemeinderat und Kreistag, hat 2020 in ihrem Wohnort als Bürgermeisterin kandidiert - was sie wiederum als ihren Vorteil an kommunalpolitischer Erfahrung und Vernetzung ansieht. Zudem glaubt sie, dass Fahrenzhausen mal Veränderung "von außen" wolle.

Hartmann, im bisherigen Wahlkampf maximal präsent, hat die Schlagzahl auch vor der Stichwahl beibehalten. "Schauen, dass man die Leute erreicht", wolle sie, zuletzt insbesondere "dort noch ein bisschen arbeiten", wo im ersten Wahlgang der ausgeschiedene Fuchs stark gewesen war. Karl sagt, sie habe auch in den finalen zwei Wochen weitergemacht, wie ihr Wahlkampf angelegt war, "mit inhaltlichen Themen und Veranstaltungen überzeugen". Sie vertraue darauf, "dass die Bürger sich schon ihren Eindruck verschafft haben".

Zwei kleinere Irrittionen am Ende eines überaus fairen Wahlkampfes

Nach einem allseits als herausragend fair gewürdigten Wahlkampf kam es in der Endphase noch zu zwei kleineren Irritationen. Da wurde der in der Vakanz derzeit amtierende Bürgermeister und Wahlleiter Andreas Karl angeschwärzt, weil er zu offensiv Wahlkampf für Hartmann mache; das dürfte er nicht, allerdings ist Karl auch Vorsitzender der FW, die Hartmann nominiert hatte, und als solcher darf er das wiederum schon.

Und die Freie Bürgerliste vermittelte den Eindruck, als würde die Gruppierung Hartmann unterstützen. Tatsächlich hatte sich der Verein weder zur Wahl noch zur Stichwahl positioniert, keinen Kandidaten aufgestellt und keinen unterstützt, lediglich fünf der sieben Gemeinderäte haben sich nun im zweiten Wahlgang hinter Hartmann gestellt, quasi als ihre Privatmeinung.

Beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen, mit dem angesichts der Konstellation mit drei komplett neuen Kandidaten definitiv ein neues Kapitel der Fahrenzhausener Kommunalpolitik aufgeschlagen würde, gingen dennoch gerade 53,7 Prozent der 4004 Stimmberechtigten zur Wahl. Alexandra Karl erhielt damals 808 Stimmen, Susanne Hartmann 671, Günter Fuchs 656. Die historische Entscheidung ist dabei schon gefallen, ungeachtet des Ausgangs an diesem Sonntag: Erstmals wird Fahrenzhausen von einer Frau im Rathaus geführt werden.

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