Europawahl im Landkreis Ungewöhnlich viele Briefwähler

Der Anteil der Briefwähler ist erneut angestiegen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

133 246 Landkreisbürger dürfen am Sonntag zur Europawahl gehen. Das Interesse ist offenkundig sehr groß. Zumindest wurden viele Briefwahlunterlagen ausgegeben, manche Gemeinden mussten nachbestellen

Von Petra Schnirch, Freising

Im Landkreis Freising können 133 246 Bürger ihre Stimme zur Wahl des neuen Europaparlaments abgeben. Viele haben dies bereits getan. Im Landratsamt erwartet man, dass der Anteil der Briefwähler deutlich höher ist als vor fünf Jahren. Damals lag er bei 15,27 Prozent. So manches Rathaus hat der große Andrang in die Bredouille gebracht - die Verwaltungen hatten zu wenig Unterlagen vorrätig und mussten nachbestellen.

Ein Indiz dafür, dass auch die Wahlbeteiligung insgesamt steigen wird, sieht Michael Eberwein, Leiter des Freisinger Bürgerbüros, darin nicht. Der Trend zur Briefwahl zeige sich schon seit Jahren. Viele nutzten die Möglichkeit, die Stimmzettel online anzufordern. "Das ist sehr bequem." Dass diesmal so viele davon Gebrauch machen würden, hat die Wahlleiter dennoch überrascht. In der Stadt Freising forderten bis Freitagmittag 8940 der 32 141 Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen an. Mit etwa 7000 habe man gerechnet, sagte Eberwein. Vor fünf Jahren waren es 5600. Die Freisinger haben deshalb 3000 Exemplare nachbestellt. Außerdem hätten die Mitarbeiter Sonderschichten eingelegt, um alles rauszuschicken. Für die Kommunalwahl im März 2020 erwartet Eberwein nach dieser Erfahrung, dass es "richtig heftig" werden dürfte, weil viele lieber daheim am Wohnzimmertisch in Ruhe ihre Favoriten für Stadt- oder Gemeinderäte sowie den Kreistag auswählen wollen. Bei der Europawahl ist das vergleichsweise einfach - jeder hat nur eine Stimme, die er an eine der Listen vergeben kann.

In Moosburg ist die Situation ganz ähnlich: "Leider wurden wir, wie ganz viele Kommunen, vom Ansturm der Briefwähler überrascht", sagt Wahlleiter Josef Mühlberger. 2500 Briefwahlunterlagen hatten die Moosburger bestellt, 500 Sätze musste sie nachordern. 12 590 Personen sind dort wahlberechtigt. Ansonsten seien die Damen im Meldeamt "superfleißig" gewesen, sodass es keine Komplikationen gegeben habe, lobte Mühlberger. Vor fünf Jahren hatten nur etwa 1900 Moosburger per Briefwahl votiert.

40 Parteien und Gruppierungen werben bei der Europawahl um Stimmen. Geöffnet sind die Wahllokale am Sonntag von 8 bis 18 Uhr. Auch vier Kandidaten aus dem Landkreis finden sich auf den Listen. Dass einer von ihnen tatsächlich ins Europaparlament einziehen wird, ist relativ unwahrscheinlich. Reinhard von Wittken räumte sich im Vorfeld zwar gewisse Chancen ein, dafür müsste seine Partei bundesweit jedoch ein überwältigendes Ergebnis einfahren. Wittken kandidiert auf Platz 26 der Bundesliste der Grünen, derzeit stellen diese elf der 96 Abgeordneten aus Deutschland. 2014 erhielt die Partei 10,7 Prozent. Benedikt Flexeder steht auf Rang 16 der CSU-Liste - die Christsozialen haben fünf Abgeordnete in Brüssel. Bei den Freien Wählern kandidiert der Freisinger Robert Weller auf Rang 20, bei der ÖDP Reinhold Reck auf 30, beide Parteien sind bisher mit je einem Einzelkämpfer vertreten. Möglich ist das, weil es keine Fünf-Prozent-Klausel gibt.

Bei der Wahl 2014 musste die CSU im Landkreis eine Klatsche hinnehmen. Im Vergleich zu 2009 stürzte sie um zehn Prozentpunkte ab und kam auf 35,82 Prozent, die Grünen landeten mit 16,38 Prozent auf Rang zwei, die SPD erhielt 15,66 - 2009 waren es lediglich 8,92 Prozent. Die Euroskeptiker der AfD fuhren vor fünf Jahren auf Anhieb 9,69 Prozent ein. Die Wahlbeteiligung lag bei den vergangenen beiden Europawahlen im Landkreis lediglich bei etwas über 43 Prozent, obwohl in Freising 2014 parallel dazu sogar ein Bürgerentscheid zur Moosachöffnung stattfand.