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Europawahl 2019:Ein trauriger Abend für die SPD

Landratsamt Freising Europawahlabend

Freising SPD-Vorsitzender Markus Grill (rechts) und der SPD-Kreisvorsitzende Andreas Mehltretter (4. von rechts) hatten auch diesmal bei der Stimmenauszählung im Landratsamt wieder keinen schönen Abend.

(Foto: Michaela Handrek-Rehle)

Bei den Europawahlen erreichen die Sozialdemokraten noch nicht einmal ein zweistelliges Ergebnis. Die AfD verliert etwas und landet dennoch auf Platz drei. Die Grünen etablieren sich als zweitstärkste Kraft im Landkreis.

Die SPD fällt im Landkreis ins Bodenlose. Bei den Europawahlen erreichen die Sozialdemokraten mit 7,42 Prozent noch nicht einmal ein zweistelliges Ergebnis. Vor fünf Jahren hatten sie es als drittstärkste Kraft noch auf 15,66 Prozent der Stimmen gebracht. Die CSU behauptet sich in allen Gemeinden, erzielt aber in Freising mit 26,16 Prozent wie üblich ein schlechtes Ergebnis. Insgesamt verbessert sie sich aber im Vergleich zu 2014 von 35,82 auf 36,36 Prozent. Die Grünen etablieren sich mit 21,65 Prozent (2014: 16,38) als zweitstärkste Kraft im Landkreis. Die AfD bleibt mit 8,30 Prozent wohl hinter den eigenen Erwartungen zurück, landet so dennoch auf Platz drei. Vor fünf Jahren erzielte sie 9,67 Prozent.

Die Ergebnisse des Landkreises Freising auf einen Blick (alle Zahlen in Prozent):

CSU: 36,36 - SPD: 7,42 - Grüne: 21,65 - Freie Wähler: 7,31 - AfD: 8,30 - FDP: 3,54 - Linke: 2,26 - ÖDP: 3,88 - Sonstige: 9,25

Landrat Josef Hauner kommentierte das Ergebnis im Hinblick auf das Abschneiden der CSU ambivalent. Enttäuschend findet er die Ergebnisse auf Bundes- und Landesebene. Insbesondere in Bayern schienen die Bürger noch nicht registriert zu haben, ob die Politik, die Ministerpräsident Markus Söder betreibe, von Dauer sein werde. Auf Landkreisebene freut sich Hauner darüber, dass es der CSU gelungen ist, in einigen Gemeinden mehr als 50 Prozent zu holen. Was die SPD anbelangt, habe sie sich ihr schlechtes Abschneiden selbst zuzuschreiben. Was die Politik im Landkreis betrifft, bezieht er dies auf das Verhalten der SPD im Zusammenhang mit der Malachitgrün-Affäre. Dass die SPD die Behörden schlecht gemacht habe, sei beim Bürger nicht gut angekommen. Das will SPD-Kreisvorsitzender Andreas Mehltretter so nicht stehen lassen. Er glaubt nicht, dass das schlechte Abschneiden der SPD im Landkreis zu verorten ist. Es sei eingetreten, was prophezeit worden sei, meinte Mehltretter. Die Angelegenheit mit den Malachit-Fischen hätte wohl eher Einfluss auf Kommunalwahlen gehabt. Als bestes Ergebnis stehen immerhin 10,56 Prozent in Eching zu Buche.

Der befürchtete Aufschwung der AfD ist im Landkreis ausgeblieben

Der befürchtete Aufschwung der AfD ist im Landkreis ausgeblieben. Sie holte zwar in einigen Gemeinden im Norden des Landkreises über zehn Prozent und ist damit drittstärkste Kraft. Doch die Freien Wähler waren ihnen mit zweistelligen Ergebnissen hart auf den Fersen. In Paunzhausen waren sie immerhin zweitstärkste Kraft. Direktkandidat Robert Weller findet die zweistelligen Werte der Freien Wähler in manchen Kommunen erfreulich. Dass für die AfD die Bäume auch nicht in den Himmel wachsen, stellte Landrat Hauner mit Genugtuung fest. "Zumindest die vernünftigen Bürger stellen fest, dass mit denen kein Staat zu machen ist", sagte er.

Europawahl im Landkreis Freising

Wunsch nach Veränderung

Das Ergebnis zeigt, dass den Wählern offenkundig der Klimaschutz wichtig ist, aber auch dass eine gewisse Euroskepsis bleibt   Kommentar von Birgit Goormann-Prugger

Grünen-Landtagsabgeordneter Johannes Becher bilanzierte zufrieden, dass die Umweltpartei sowohl im Bund als auch im Landkreis die zweitstärkste Kraft stellt. In Freising überflügelten die Grünen mit 29,96 Prozent klar die CSU. Und auch in den Gemeinden gelangen der Partei Ergebnisse um die 20 Prozent. Becher führte das gute Abschneiden der Grünen zum einen auf die aktuelle Diskussion um die Klimapolitik zurück. Zum anderen aber auch auf den humanitären Umgang mit Flüchtlingen. Die Wahlbeteiligung war für eine Europawahl überragend. 63,73 Prozent der stimmenberechtigten Bürger im Landkreis gaben ihre Stimme ab. 43,36 Prozent waren es vor fünf Jahren.