Süddeutsche Zeitung

Europawahl 2019:Gelungener Abend

Teilnehmer und Zuschauer nehmen Stellung zum Verlauf der Fishbowl-Diskussion.

Egal ob jung und sozial, jung und liberal, jung und grün, die Junge Union oder parteilich völlig ungebunden. Die Freisinger Jugend hatte ganz unterschiedliche Motive, zu der Fishbowl-Diskussion des Kreisjugendrings zu gehen. In einem Punkt waren sie sich jedoch einig: Die Zukunft der Europäischen Union mitgestalten zu wollen. "Es ist unsere Chance, was zu verändern. Ich hoffe, möglichst viele Leute heute Abend für das wichtige, aber doch unbekannte Thema Europa zu begeistern", erklärte Philomena Böhme, Auszubildende aus Freising. Student Tobias Kuch war bereits im vergangenen Jahr von der damaligen Fishbowl-Diskussion überzeugt und findet den politischen Diskurs enorm wichtig.

Lea Sedlmayr, Referentin für europäische Jugendpolitik in Brüssel für den Bayrischen Jugendring, verdeutlichte, wie wichtig junge politische Veranstaltungen sind: "Der Politik gegenüber ist das ein wichtiges Zeichen. Man begegnet oft Politikern, die gar nicht wissen, wie viele schlaue Fragen und Ideen in jungen Leuten stecken. Wenn man anfängt, zu verstehen, warum Politik spannend ist, dann ist der Weg zum aktiven Engagement geebnet." Auch Diskussionsteilnehmer Helmer Krane von der FDP stimmt dieser Meinung zu: "Veranstaltungen, wie die Fish Bowl Diskussion, sind wichtig, weil man raus aus der Parteiblase kommt. Das Ziel ist es, Menschen außerhalb zu erreichen", so der Spitzenkandidat für die EU-Wahl. Dementsprechen hoch waren die Erwartungen der Zuschauer vor der Veranstaltung an die Debatte. Michael Firlus, Informatik-Student und Mitglied der Jusos, interessierten vor allem die Ideen der Politiker, die EU nachhaltig attraktiv zu gestalten. Vor allem die unterschiedlichen Ansätze der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik beschäftigen Student Maximilan Reichenbacher.

Sowohl im Vorfeld, als auch während der Diskussion kristallisierte sich ein Thema heraus, das der Freisinger Jugend besonders am Herzen liegt: der Klimaschutz; Podiumsteilnehmer Korbinian Rüger von der SPD stellte ebenfalls fest, dass die Umwelt eine enorme Rolle spiele. "Klimaschutz ist ganz klar das Thema der Jugend und der Zukunft - völlig richtiger Weise", so der Politiker.

Studentin Joana Bayraktar findet, dass Klimaschutz keine Grenzen kenne und dafür mindestens eine europäische Lösung nötig wäre. Ein Aspekt, der die Diskussion zusätzlich anregte, war die Teilnehme des AfD-Politikers Christoph Birghan an der Podiumsrunde. Korbinian Rüger kündigte zunächst an, der Veranstaltung aufgrund der Anwesenheit des AfD-Vertreters fern zu bleiben, entschied sich jedoch kurzer Hand um: "Ich bin trotzdem gekommen, weil es um junge Leute geht und deswegen darf man da der AfD nicht das Feld überlassen", erklärt der SPD-Mann nach der Debatte. Reaktionen zum Auftritt der AfD gab es auch auf Seiten der Zuschauer. Nico Heitz, Sprecher der Grünen Jugend in Freising distanzierte sich deutlich von den Aussagen Birghans: "Ich bin bestätigt worden, welche Positionen ich vertrete und welche nicht: Ich finde die Aussagen des AfD sehr weltfremd und falsch." Theresa Rudolph kritisiert die teils unsachliche Debatte zwischen der SPD und der AfD. "Das hat die Diskussion überhaupt nicht weitergebracht. Da wäre mehr Professionalität und konkreter Inhalt wichtiger gewesen", so die Studentin.

Aktionen zur Europawahl

Freising - "Europa und die Wahl sind enorm wichtig. Politik steckt überall drin und ist nicht nur in Brüssel", betont Luisa Huesmann, Bundesfreiwilligendienstleistende des Kreisjugendrings Freising KJR. Nach dem ersten Jugendpolitikforum vergangenen Montag und der Fish-Bowl-Diskussion am Donnerstag engagiert sich der KJR weiter für die Europawahl am 26. Mai.

Mit ihrer Fotoaktion unter dem Motto "Wo siehst du Europa?" möchte die Arbeitsgemeinschaft Jugendliche in der Umgebung dafür sensibilisieren, wo sie im Alltag europäische Beziehungen wiederfinden. Das können zum Beispiel der Münchener Flughafen sein, die Isarbrücke, oder der Bauernhof von nebenan: "Man findet Europa in allen Lebenslagen. Mit der Aktion möchten wir zeigen, wie wichtig die bevorstehende Wahl ist", verdeutlicht Luisa Huesmann. Jeder, der ein Stück EU in seiner Umgebung findet, darf diese fotografieren und mit einer kleinen Erläuterung an den KJR schicken (kjr@kjr-freising.de). Die Fotografien werden dann gesammelt und als Collage auf einer Europakarte angebracht. Diese soll ihm Rahmen des Kulturfestes im Schafhof am Sonntag, 19. Mai, ausgestellt werden. Bis jetzt hat der KJR nicht nur Bilder aus dem Landkreis erhalten, sondern aus ganz Europa. Studenten des Erasmus-Programms etwa senden europäische Erfahrungen aus den Niederlanden.

Am Sonntag, 26. Mai, dem Tag der Europawahl, wird die Karte erneut bei der 72-Stunden-Aktion des KJRs gezeigt. Vor der Grundschule St. Lantpert baut die Arbeitsgemeinschaft Bierzeltgarnituren auf und lädt bei Getränken und kleinen Speisen zum gemeinsamen Verweilen und politischen Austausch ein. In der Grundschule ist am Wahl-Sonntag ein Wahlbüro eingerichtet. "Wir möchten auch an dieser Stelle noch einmal die Wichtigkeit der Wahlbeteiligung demonstrieren", so Luisa Huesmann.

Um die Politik in Brüssel greifbarer zu machen, veranstaltet der KJR zusätzlich am 19. Mai im Schafhof ein Planspiel. Dabei sollen Jugendliche in die Rolle von Europapolitikern schlüpfen. Luisa Huesmann nimmt selbst auch Teil an der Aktion: "Ich bin dieses Jahr selber zum ersten Mal dabei und schon sehr gespannt, welche unterschiedlichen Schauspiele dort präsentiert werden." Die Aktion soll jungen Leuten die Chance geben, sich mit den scheinbar fernen und komplexen Debatten in Brüssel zu identifizieren und Politik greifbar und verständlich zu machen. Interessierte und kreative Köpfe haben noch die Möglichkeit, sich per Mail zu dem Schauspiel anzumelden. HSW

Trotzdem schätzen alle Beteiligten den Abend als sehr gelungen ein. Stefan Kuhlmann, Schüler der 11. Klasse aus Freising, sieht all seine Fragen individuell beantwortet. "Der Abend hat sich ziemlich demokratisch gestaltet und mich dazu bewegt, wahrscheinlich Mitglied der Jungen Union zu werden", gibt er zu. Helmer Krane von der FDP stellte abschließend fest, dass an keiner Stelle der Debatte über das ob der EU, sondern nur über das wie diskutiert wurde. Das unterstreiche den Handlungsbedarf innerhalb der EU und die Wichtigkeit der Wahl.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4441912
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 11.05.2019 / HSW
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.