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Ermittlungen:Diebe stehlen Grabschmuck von den Friedhöfen des Landkreises. Warum, weiß niemand

Prozess gegen 25-Jährige wegen Störung der Totenruhe

Grableuchten werden öfter von Friedhöfen gestohlen. Den Tätern geht es dabei wohl um das Material.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Mal fehlt ein Gipsengel, mal eine bronzene Leuchte, mal sind es ein paar Blumen. Immer wieder muss sich die Polizei mit Diebstählen auf dem Friedhof befassen. Viele Fälle bleiben rätselhaft.

Von Thilo Schröder, Freising

Friedhöfe sind beliebte Schauplätze in Schauergeschichten oder im Aberglaube: Vampire, die nachts im Mondlicht über die Wege huschen, schwarze Katzen, die um schief stehende Grabsteine streifen - derlei gehört in die Welt der Fantasie. Auf Friedhöfen, etwa in Moosburg, Wang und Hallbergmoos, passieren aber auch immer wieder nachweisbar Dinge, die sich die Polizei nicht erklären kann. Gräber werden geschändet, tote Tiere vergraben, geringwertiger Grabschmuck wird gestohlen. Wer stiehlt was vom Friedhof? Und warum? Ein Streifzug durchs Absurde.

Der jüngste Vorfall auf dem Moosburger Friedhof hat sich laut Polizei zwischen Ende März und Anfang April zugetragen. Ein unbekannter Täter stahl damals einen Gipsengel von einem Grab - kein besonders wertvoller Gegenstand, wie die Polizei mitteilt. Das eigentlich Kuriose daran: Zur etwa selben Jahreszeit in 2018 und 2017 wurden von eben jenem Grab bereits ähnliche Skulpturen gestohlen.

"Wir können uns das nicht erklären", sagt ein Polizeisprecher, "es gibt ja die merkwürdigsten Sammelticks." Derlei Fälle gebe es durchschnittlich einmal im Jahr. Bei Diebstählen auf dem Friedhof würden immer geringwertige Gegenstände geklaut, also im Wert von unter 50 Euro. 2016 etwa sei eine Grablaterne entwendet worden, 2017 eine Blume. "Da hatten wir eine Anzeige, in der wurde der Wert mit zehn Euro angegeben." Es stellt sich die Frage, welchen Anreiz die jeweiligen Täter haben. Der Sprecher mutmaßt: "Das kann auch Vandalismus gewesen sein."

Vermutlich ging es einem der Täter um die Bronzelegierungen

Von ähnlichen Vorfällen berichtet auch die Polizei in Neufahrn. Unter anderem eine Madonnenstatue, ein Bronzekreuz, Blumenschmuck und Grableuchten seien schon auf Friedhöfen gestohlen worden, zählt ein Sprecher auf. Und eine Diebstahlserie habe es gegeben. Insgesamt 23 Diebstähle, zumeist von Grableuchten, habe man zwischen Ende 2013 und Anfang 2014 auf dem Hallbergmooser Friedhof registriert. Ein Täter habe zwar nicht ermittelt werden können. Man vermute aber, dass es der Person um das Material ging, genauer gesagt um Bronzelegierungen.

In den vergangenen drei Jahren seien allerdings keine Anzeigen mehr zu Friedhofsdiebstählen eingegangen. Auch die Polizei Freising teilt mit: Seit 2018 habe es im Zuständigkeitsbereich ebenfalls keinen Diebstahl auf Friedhöfen gegeben.

Makaber wird es auf dem Gemeindefriedhof Wang

Makaberes hat sich dagegen zuletzt auf dem Wanger Gemeindefriedhof abgespielt. Im Februar wurde dort ein totes Kaninchen in einem Grab gefunden. Bereits kurz nach Weihnachten war auf dem Friedhof ein toter Hase in einem Grab entdeckt worden - und Anfang Januar eine tote Ente. "Eine vernünftige Erklärung habe ich dafür nicht", sagt ein Polizeisprecher über solche Vorfälle. Ob es einen Zusammenhang zwischen den drei Taten gebe, darüber könne man auch nur spekulieren. "Die Welt bringt manchmal komische Vorkommnisse hervor. Manchmal bleiben halt Rätsel."

Ermittlungen würden bei Friedhofsdelikten in der Regel erfolglos bleiben, bestätigen mehrere Polizeisprecher. Das liege auch daran, dass es an solch weniger stark besuchten Orten zumeist an Zeugen mangele. 2013 habe man aber zwei Taten in Moosburg einem Täter zuschreiben können, so der dortige Sprecher. Es habe sich herausgestellt, dass die Person auch anderorts in der Stadt durch Beschädigungen auffällig gewesen sei. Wenn Täter ermittelt werden konnten - seit 2010 sei das zwei Mal der Fall gewesen - seien diese dem Eindruck nach vermutlich psychisch krank gewesen.

© sz.de/nta
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