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Erfolg ist machbar:Nur der eiserne Wille zählt

Der mehrfache Kickbox-Weltmeister Florian Pavic erklärt Jugendlichen der Neustifter Mittelschule, wie sie im Leben voran kommen können. Arrangiert hat das Treffen der Freisinger Verein SV Zukunft

Kickbox-Weltmeister Florian Pavic (links) war auf Einladung des SV Zukunft in der Neustifter Mittelschule zu Gast. In dieser Szene boxt er mit Alex Riedl. Pavic erklärte den Schülern, wie sie trotz mancher Schwierigkeiten im Leben Erfolg haben können.

(Foto: Marco Einfeldt)

Vorne auf dem Pult war der schwarze Weltmeistergürtel zu sehen, mit den silbernen Ehrenzeichen und Applikationen ein beeindruckendes Ding. Umso beieindruckender, als der bubenhaft wirkende Mann, der hinter dem Gürtel saß, diesen zehnmal erkämpft hat. Tatsächlich war am Dienstagmorgen in Florian Pavic ein mehrfacher Kickbox-Weltmeister zu Gast in der Mittelschule Neustift. Möglich gemacht vom Verein SV Zukunft, der mit prominenten Sportlern Selbstfindungsprojekte für Schüler anbietet.

Auch für den SV Zukunft war der Einsatz an der Neustifter Volksschule eine Premiere. Denn der Verein wurde vor fünf Jahren zwar in Freising gegründet, im Einsatz war er aber dort noch nie. "Es hat sich hier keine Schule bei uns beworben", erzählt Nicola Edler-Golla, die das Projekt in Neustift organisierte. Die Idee, den SV Zukunft zu holen, hatte Philipp Hofmeister, Klassenlehrer der achten Klasse. "Diese Motivationskurse passen gut zu unserem Stoff. Es geht viel um Berufsorientierung und im weiteren Sinn auch um Charakterbildung, da sind die Profisportler als Vorbilder natürlich super."

Da wiederum ist Kickbox-Weltmeister Florian Pavic ein Super-Super-Vorbild, gerade für Mittelschüler. Wie ein großer Teil von ihnen hat auch Pavic einen Migrationshintergrund. Auch er war auf der Mittelschule, die damals noch Hauptschule hieß, besuchte später Real- und Fachoberschule und hat inzwischen ein Studium der Physik abgeschlossen. Das alles, während er elf Jahre lang aktiver Boxer und Kickboxer war. Pavics Botschaft ist deshalb so einfach wie glaubhaft: "Auch wenn du nicht so viel Talent hast, mit einem festen Willen ist viel zu schaffen."

Nach Herzenslust durften die 21 Achtklässler Florian Pavic ausfragen. Wie er alles unter einen Hut gebracht hat, wer ihn unterstützt, ob er, der auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Karriere im vergangenen September dem Profisport den Rücken kehrte, das noch einmal rückgängig machen würde. Nein, gab er freimütig zu, die Schinderei würde er nur noch auf sich nehmen, wenn ein außerordentlicher Verdienst herausspränge, was aber im Kickboxen nicht der Fall sei. Der 27-Jährige versuchte, die Schüler zu motivieren, erstens sich einen, noch besser, zwei oder drei Zukunftspläne zu machen, die auch ehrgeizig sein dürften. Dann käme es nur noch darauf an, dabei zu bleiben und sich reinzuknien. Seine eigenen Tage hätten in der Hochphase zwischen Studium und Profisport um 4.30 Uhr mit Training begonnen, bis um acht Uhr die Universität begann. Nach deren Ende am Spätnachmittag habe er wieder trainiert, bis in den späten Abend.

Aus der Karriere als Physiker ist übrigens auch bei Pavic nichts geworden. "Den ganzen Tag am PC sitzen, das war nicht meins", erzählte er freimütig. Jetzt arbeitet er bei einem Freund im Persönlichkeitstraining mittels Mental-Boxing. Vor allem bei Führungskräften ist das beliebt. Es geht aber beileibe nicht ums Zuschlagen, sondern um Beweglichkeit und die Fähigkeit, auch einmal einen Schritt zurück zu gehen. "Das fällt Managern sehr schwer, die sind immer nur auf vorwärts geeicht", erzählte Pavic den Schülern, die auch nach zwei Stunden noch gebannt und mucksmäuschenstill an seinen Lippen hingen.

© SZ vom 03.07.2013
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