S-Bahn-Ausbau:"Der Ringschluss ist der entscheidende Faktor"

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Der etwa 1,8 Kilometer lange Tunnel zum unterirdischen S-Bahn-Tunnel im Flughafen ist inzwischen immerhin fertiggestellt. Den hat der Airport in eigener Regie gebaut. (Foto: Renate Schmidt)

Endlich geht es weiter: Die Bahn lädt zum Spatenstich für das nächste Teilstück des Erdinger Ringschlusses. Da greift auch Bayerns Verkehrsminister gern zur Schaufel. Oberdings Bürgermeister aber hat schon noch ein paar Fragen.

Von Regina Bluhme, Flughafen

Vor fast genau einem Jahr feierte die Flughafen München GmbH (FMG) die Verlängerung des Tunnels auf ihrem Areal. Das Bauwerk wird mit dem Erdinger S-Bahn-Ringschluss den Flughafen einmal besser an die Schiene anbinden. Die Stimmung war bestens. Nur eine Frage machte damals die Runde: Wann wird die Deutsche Bahn im Anschluss loslegen? Am Montag war wieder ein Pressetermin am Airport, diesmal hatte die Bahn eingeladen - zum Spatenstich für den nächsten Abschnitt, die Strecke vom Flughafen zum künftigen Kopfbahnhof Schwaigerloh in der Gemeinde Oberding. Wenn alles glatt läuft, werden dort Ende 2025 die ersten S-1- und S-8-Züge und auch der Flughafenexpress aus Regensburg einfahren.

"Wir wollen den Flughafen besser an die Schiene anbinden - der Erdinger Ringschluss ist das zentrale Projekt dafür", sagte Berthold Huber, Vorstand der DB-Infrastruktur, am Montag. Das Vorhaben sei Bestandteil der gemeinsamen Initiative "Starke S-Bahn München - Programm 14plus" des Freistaats und der Deutschen Bahn (DB). Insgesamt seien für den rund 4,5 Kilometer langen Abschnitt Investitionen in Höhe von rund 100 Millionen Euro vorgesehen, finanziert aus Mitteln von Bund, Freistaat und DB.

Im November 2022 ist zumindest der symbolische Spatenstich für den S-Bahn-Ringschluss erfolgt. (Foto: Renate Schmidt)

Die neue zweigleisige, elektrifizierte Strecke schließt östlich am Flughafen an und führt zunächst durch den Tunnel, den die FMG für 115 Millionen Euro realisiert hat. Der Abschnitt endet in einer Abstell- und Wendeanlage, im Kopfbahnhof Schwaigerloh, Gemeinde Oberding, im Landkreis Erding. Auf der Strecke sind auch mehrere Brückenbauwerke notwendig, voraussichtlich im März 2023 sollen die Arbeiten für die erste Brücke beginnen. Aktuell wird das Baufeld eingerichtet.

Sollte alles nach Plan verlaufen, dann werden nach Fertigstellung die S-Bahnen S 1 und S 8 in Schwaigerloh einfahren und wenden, ebenso der Üfex, der Überregionale Flughafenexpress, aus Regensburg. Bis es Richtung Erding weitergeht in einem echten Ring, wird es aber noch Jahre dauern. Bis dahin ist die Haltestelle Schwaigerloh schon einmal für die etwa 3000 Beschäftigten des Gewerbegebiets Schwaig interessant. Laut DB entlasten die zusätzlichen Gleiskapazitäten das bisherige Nadelöhr, den Flughafenbahnhof, "und schaffen die Voraussetzung für mehr Züge und mehr Betriebsqualität".

Bis es sich um einen richtigen Ring handelt, werden noch einige Jahre vergehen

Um endlich einen Ring bilden zu können, ist das Anschlussstück von Schwaigerloh bis ins Stadtgebiet Erding samt zusätzlichem Tunnel zu bewältigen sowie die Walpertskirchener Spange, die einmal den Flughafen bis nach Salzburg anbinden wird. Für beide Strecken läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren.

Aus Berlin war der Parlamentarische Staatssekretär am Verkehrsministerium Michael Theurer an den Münchner Airport gereist. Er sagte: "Die Zukunft der Mobilität ist intermodal", soll heißen, die Zukunft liegt in der Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsmittel. Auch er hatte eine Zahl parat: Der Bund beteilige sich mit rund 148 Millionen Euro am Flughafen-Ring.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verwies darauf, dass der Freistaat die Planung für diesen Abschnitt aus eigener Initiative habe erstellen lassen und vor zwei Jahren an die DB übergeben habe, "um den Fortschritt zu beschleunigen", so Bernreiter. "Wir brauchen eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur", und das lasse sich Bayern auch was kosten: Mehr als 35 Millionen Euro übernehme der Freistaat für die Strecke bis Schwaigerloh.

In der Region geht beim Ausbau der Straßen kaum mehr was. Bei der Schiene umso mehr

Erdings Stellvertretender Landrat Rainer Mehringer (FW) verwies auf die Bedeutung des Ringschlusses: Er sei "der entscheidende Faktor" für Mobilität in der Region. "Beim Straßenbau stoßen wir mittlerweile an die Grenzen". Die Schiene befördere nicht nur Flughafengäste oder Touristen. Sondern auch Arbeitskräfte, die derzeit auf dem leergefegten Markt nur noch im östlichen Bayern abzuschöpfen seien.

Jost Lammers, der Vorsitzende der FMG-Geschäftsführung, betonte, für die künftige Entwicklung des Münchner Flughafens sei "eine verbesserte Anbindung an das Schienenverkehrsnetz von entscheidender Bedeutung". Sie komme "sowohl dem Passierkomfort als auch der Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere aber dem Klimaschutz zugute". Er werde sich zudem weiterhin dafür einsetzen, dass der Flughafen auch einen ICE-Anschluss erhält.

Auf Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter dürften unbequeme Fragen zukommen, zum Beispiel, warum er den Landtag nicht rechtzeitig über die Warnungen der Deutschen Bahn bezüglich der zweiten Stammstrecke informierte. (Foto: Renate Schmidt)
Sowohl Landkreis als auch die Große Kreisstadt stehen hinter dem Projekt, das betonte Rainer Mehringer, Stellvertretender Landrat aus Erding. (Foto: Renate Schmidt)

Bleibt nun diese Frage: Wird sich der Terminplan der Bahn halten lassen? Die anvisierte Inbetriebnahme 2025 von Schwaigerloh sei "durchaus zeitlich anspruchsvoll", so drückte es Bernreiter aus. Der Oberdinger Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) wurde auf Nachfrage der SZ deutlicher: "Sehr, sehr sportlich", nennt er die Terminvorgabe, "wenn nicht ein kleines Wunder geschieht, dann sehe ich realistisch eher 2027". Oberding selbst baut in Schwaigerloh ein Park-und Ride-Parkhaus mit 500 Plätzen, der Bebauungsplan soll noch heuer beschlossen werden. Im Zuge des Projekts habe sich herausgestellt, dass in den Planungen der Bahn für Schwaigerloh keine Toiletten vorgesehen sind, so Mücke. Ein Bahnhof ohne Klo, das gehe nun mal nicht. Es gebe noch einigen Gesprächsbedarf.

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