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Energiewende im Landkreis:Ungeschminkte Wahrheit

Albrecht Gradmann, Helmut Petz, Andreas Henze, Raimund Becher, Hans Stangmair und Moritz Strey (von links) stellen die neuen Energiebroschüre vor.

(Foto: Marco Einfeldt)

Vor 13 Jahren hat der Kreistag die Energiewende bis zum Jahr 2035 beschlossen. Nicht alles, was man sich vorgenommen hat, wurde erreicht

Von Peter Becker, Freising

"Klimaschutz ist eine Schicksalsfrage der Menschheit", stellte Landrat Helmut Petz (FW) an diesem Mittwoch während einer Pressekonferenz fest. In deren Mittelpunkt stand die Vorstellung der neuen Energiebroschüre des Landkreises Freising. 13 Jahre ist es jetzt her, dass der Kreistag die Energiewende im Landkreis Freising bis zum Jahr 2035 beschlossen hat. "Die Ziele waren hehr", erinnerte Petz. "Doch die Anstrengungen haben nicht das gebracht, was erhofft wurde." Er für seinen Teil, versicherte der Landrat, stehe voll und ganz hinter dem gefassten Beschluss.

Die Energiebroschüre mit dem Titel "Strom aus Erneuerbaren Energien 2020" biete "die ungeschminkte Wahrheit in Zahlen", sagte Petz. Zusammengefasst sind dort die Werte zu den einzelnen Kommunen von 2008 bis 2018. Neue Kapitel befassen sich mit dem Kohlekraftwerk in Zolling und dem Flughafen im Erdinger Moos. Hans Stanglmaier von den Moosburger Solarfreunden erinnerte an Meilensteine der Solarregion Freising, welche die Energiebroschüre 2011 zum ersten Mal herausgebracht hat.

Andreas Henze von Sonnenkraft Freising machte Hoffnung, dass die Energiewende doch noch gelingen könnte. Im Hinblick auf die Sektorkopplung, also was die Produktion Erneuerbarer Energien nicht nur für Strom, sondern auch zur Wärmeerzeugung und Elektromobilität anbelangt, müssten aber bis zu 250 Prozent des heutigen Bedarfs mehr erzeugt werden. Laut Henzes Berechnungen wären das bis zu 1,5 Milliarden Kilowatt zusätzlichen Stroms aus Erneuerbaren Energien. Dazu bedürfe es etwa vier zehn Hektar große Solarparks oder drei Windräder pro Gemeinde. Am wahrscheinlichsten ist ein Mix aus diesen Varianten und dem Zubau auf weiteren Hausdächern. Technisch und platzmäßig sei das machbar, versicherte Henze. "Daher sollten jetzt im Landkreis gezielt politische, planerische und unternehmerische Impulse gesetzt werden.

Neu in der Broschüre sind der Flughafen und das Kohlekraftwerk in Zolling. Henze lobte zwar den Beschluss der Flughafen München GmbH, bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein zu wollen. Doch er kritisiert, dass die FMG nur die Verhältnisse am Boden betrachte, aber nicht den Kohlendioxidausstoß beim Starten und Landen sowie in der Luft. Das Zollinger Kraftwerk stehe vor einer ungewissen Zukunft, sagte Henze. Nach dem Kohleausstiegsgesetz müsste es 2038 schließen, was aber im Widerspruch zum Energiewendebeschluss des Landkreises stehe. Eine Herausforderung für den Landkreis bestehe aus dem vorzeitigen Ausstieg des Landkreises aus der Kohleverstromung.

Raimund Becher von den Moosburger Solarfreunden sagte, dass die Menschheit nur noch ein bestimmtes Budget an Treibhausgasen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ausstoßen dürfe, um den Klimawandel noch beherrschbar zu machen. Petz verwies auf die Bauleitplanung, die ein wichtiges Instrument der Energieeinsparung sei. Beim Sparen könnten auch die Tipps der beiden Energieberater des Landkreises helfen.

© SZ vom 24.09.2020

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