Eistee kennt eigentlich jeder und jede. Das pappige, künstlich schmeckende Zuckerwasser aus Karton oder Plastikflasche. Besonders positiv ist sein Image nicht gerade. Das wollen die Freisingerin Bianca Bauer und ihre Kommilitonin Rosa Montiel-Winter jetzt ändern. Die zwei Absolventinnen des Bachelorstudiengangs der Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Freising produzieren mit ihrem Food Start-Up "Yalité" naturbelassenen Eistee.
Seit 2019 produzieren Rosa Montiel-Winter und Bianca Bauer in den Räumlichkeiten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf - mit Hilfe des sogenannten Food-Startup-Inkubators, der nachhaltige Ideen im Lebensmittelbereich fördert und die Jungunternehmer bei der Herstellung der ersten Chargen unterstützt. 2022 folgte die Gründung der GmbH von Bauer und Montiel-Winter. Mit dem naturbelassenen Eistee wollen sie die "Industrie wachrütteln" und plädieren, die "Ursprünglichkeit" von Lebensmitteln zu achten.
Dass Eistee auch anders sein kann, nämlich naturbelassen und überhaupt nicht pappig, das zeigt sich in Mexiko, der Heimat von Montiel-Winter. Dort werde Eistee aus frischen und ausschließlich pflanzlichen Zutaten hergestellt - für Chemie gebe es keinen Platz im Getränk, wie sie erklärt. Das mache ihn umso erfrischender. Und da die kühlenden Eisteesorten aus Mexiko Inspiration für "Yalité" sind, kommt auch das Produkt mit ausschließlich naturbelassenen Zutaten aus: aufgebrühte Yasmin-Teeblätter, frisch gepresster Limettensaft, Rohr- und Vollrohrzucker. "Man braucht nicht immer tausend Zusatzstoffe", findet Bauer.
Gerade letztere Zuckerarten beinhalten mehr Mineralien als herkömmlicher Haushaltszucker. Dieser sei stark raffiniert und dadurch mineralarm, erklärt Bauer. "Wir verstecken uns nicht vor dem Zucker", sagt sie. Das habe seinen Grund: In Getränken, in denen darauf verzichtet werde, könne oftmals Süßungsmittel gefunden werden, um die notwendige Note zu erzielen - für Bauer und Montiel-Winter ausgeschlossen. "Auf gar keinen Fall wollen wir diese Chemie", bekräftigen sie. Ihr Produkt soll ausgewogen sein und an einen "hausgemachten Eistee" erinnern. Deswegen verzichten die beiden Gründerinnen auf ein Teeextrakt oder Pulver und verwenden stattdessen frisch aufgebrühte Teeblätter der Sorte Yasmin.


Genau durch diese Zutaten schmeckt der Tee aus der Flasche nicht künstlich, dafür umso erfrischender. Nach dem ersten Schluck hat man plötzlich Lust, die Sonnenbrille aufzusetzen und die Sommerplaylist abspielen zu lassen- es ist beinahe so, als hätte jemand die warme Jahreszeit in Flaschen abgefüllt.
Für die notwendige Erfrischungsnote sorgt der Limettensaft, den Montiel-Winter und Bauer händisch auspressten - bis zu 120 Kilogramm an einem Tag. Das seien über fünf Stunden reine Pressarbeit gewesen, erinnern sich die Gründerinnen. "Wenn man einen Limettenpresstag überstanden hat, war man sehr glücklich", lacht Bauer und erklärt, dass solche Tage zwei bis dreimal im Jahr durchgestanden werden müssten. Der Saft werde dann fachgerecht in Tüten verpackt und eingefroren. Denn: "ganz frisch geht es nicht", wie Montiel-Winter aufklärt, ansonsten müsste die Produktion sofort stattfinden. So wird der fertig ausgepresste Saft stattdessen direkt eingefroren, um dann später portionsweise genutzt zu werden.
"Manchmal waren wir körperlich echt am Ende"
Mittlerweile ist der Eistee in der Gastronomie der Domstadt angekommen und auch Bioläden bestellen die sommerliche Erfrischung nach: "Ende April oder Mai müssen wir wieder nach produzieren", geben die Gründerinnen des Food Start-Ups an. Und das nicht ohne Stolz. Denn der Weg bis dahin war für das Zwei-Frauen-Unternehmen nicht immer leicht. Als ein "ziemliches Auf und Ab" beschreibt Montiel-Winter die Zeit von 2019 bis heute. "Die Corona-Zeit war besonders schwierig, aufgrund von Lieferengpässen", erinnert sie sich. Plötzlich habe es beispielsweise keine Limetten mehr gegeben. Auch die Kundschaft aus der Gastronomie sei durch den Lockdown weggebrochen. Hinzu kamen körperliche Anstrengungen: So erinnern sich Bauer und Montiel-Winter an die Probleme, mit Kittel und zusätzlicher Maske der Hitze und dem Dampf der Produktion ausgesetzt zu sein. "Manchmal waren wir körperlich echt am Ende."
Doch das Unternehmen überwältigte die Krise - und taumelte in die nächste: die Energiekrise. Neben wachsenden Energiekosten kamen plötzlich auch höhere Glaspreise hinzu: "Yalité" wird heiß in Glasflaschen abgefüllt, den Tee in billigeren Dosen zu verkaufen, komme für Bauer und Montiel-Winter nicht in Frage: "Das widerspricht unserer Ethik." Denn "Yalité" stehe auch für Nachhaltigkeit und setze deswegen auf Mehrwegflaschen aus Glas. Natürlich seien diese Krisen schwierig für ein junges Unternehmen, sagt Montiel-Winter, doch die Gründerinnen des Food Start-Ups sind sich einig - aufgegeben wird nicht. Stattdessen haben sie ein klares Ziel: sie wollen sich im Landkreis etablieren, Investoren und Sponsoren suchen und ihren Eistee an die Region heranbringen. Wer ihr Produkt einmal testen will, hat dazu am Samstag, 6. Mai, Gelegenheit. Das Food Start-Up ist am Greenfuture Day auf dem Campus der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf anwesend.


