Cooles HobbyVor der Uni noch schnell in die eisige Isar

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Ein gewisses Maß an Überwindung gehört schon dazu: Die Freisinger Studierenden Fabian Grönefeld, Laura Schindler, Lisa Heidl, Maximilian Samhuber, Johanna Schock und Henriette Wahner (von links) stürzen sich in die eiskalte Isar.
Ein gewisses Maß an Überwindung gehört schon dazu: Die Freisinger Studierenden Fabian Grönefeld, Laura Schindler, Lisa Heidl, Maximilian Samhuber, Johanna Schock und Henriette Wahner (von links) stürzen sich in die eiskalte Isar. Marco Einfeldt
  • Eine Gruppe Freisinger Studierender trifft sich jeden Dienstagmorgen zum Eisschwimmen in der kalten Isar.
  • Die „Wikinger-Eisschwimmer“ entstanden vor einem Jahr aus einer Idee zweier Studentinnen, nun wollen sie eine offizielle Hochschulgruppe gründen.
  • Die Wasserwacht steht dem Eisbaden positiv gegenüber, betont aber wichtige Sicherheitsregeln wie langsame Gewöhnung und Schwimmen in Gruppen.
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Eine Gruppe Freisinger Studierender hat das Eisbaden für sich entdeckt. Sie trifft sich jeden Dienstagmorgen zum Abkühlen am Fluss, bevor es ins Seminar oder zur Vorlesung geht.

Von Francesca Polistina, Freising

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Es ist ein Dienstagvormittag im Dezember, der Himmel ist mit dicken Wolken bedeckt, das Thermometer zeigt zwei Grad plus. Auf der Korbiniansbrücke in Freising herrscht der übliche Trubel: Stadtbusse, Radfahrer, Fußgänger, die in Mützen und Schals eingehüllt sind. Immer wieder schaut jemand nach unten in Richtung Isar, bleibt kurz stehen, fragt sich, was die Leute auf der Kiesbank bloß vorhaben – so früh und bei einer solchen Kälte.

Studentinnen und Studenten haben sich für 7.30 Uhr unter der Brücke verabredet, in ihren Taschen und Rucksäcken haben sie das eingepackt, was sie für den Tag brauchen: Bücher, Hefte, Laptops für die Uni. Dazu Handtücher und Badelatschen. An diesem Tag sind sie zu sechst, alle zwischen 20 und 24 Jahre alt. Sie warten noch ein paar Minuten, falls jemand von ihrer Chat-Gruppe dazukommen möchte. Dann beginnen sie in aller Ruhe, sich auszuziehen. Die ersten warten auf die letzten, dann geht es langsam los: in die eiskalte Isar. Und wer sich jetzt fragt, was man dabei spürt: Ja, es tut erst mal weh.

Johanna Schock, die zu der Freisinger Studierendengruppe gehört, erzählt, dass sie sich kaum mehr erkältet, seit sie regelmäßig zum Eisbaden gehe. Wer Winterschwimmen betreiben möchte, sollte aber nicht leichtfertig sein, warnen Experten. Wer Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System hat oder allgemein nicht gesund ist, sollte lieber die Finger davon lassen oder vorher mit einem Arzt sprechen. Denn für den Körper bedeutet das Eintauchen ins eiskalte Wasser vor allem eins: großen Stress.

Der Anstoß zum Winterschwimmen kam vor einem Jahr von Lisa Heidl und Laura Schindler. Beide studieren am Campus Weihenstephan der Technischen Universität München, die erste Forstwissenschaft, die zweite Molekulare Biotechnologie. Sie kennen sich seit der Schulzeit und sind beide sehr sportlich, Heidl ist Gewichtheberin, Schindler Schwimmerin. Schon vor vier Jahren haben sie das Eisschwimmen für sich entdeckt – und wollten es auch an der Uni keineswegs missen.

Im vergangenen Wintersemester begannen die beiden Studentinnen deshalb, ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen vom Eisbaden zu erzählen. Immer mehr Studierende der beiden Freisinger Hochschulen schlossen sich an: manche aus Neugier, andere wegen des Teamgeistes, der sportlichen Herausforderung oder um wach und energiegeladen in den Tag zu starten. Denn genau so fühlen sich die Studierenden, wenn sie vor der Uni einen Abstecher ins kalte Wasser machen: gut gelaunt, konzentriert, mental stark und für den Rest des Tages wesentlich entspannter als sonst, so erzählen sie es zumindest. Lisa Heidl fasst es so zusammen: „Eisbaden ist viel besser als Kaffee.“

Übermütig taucht Maximilian Samhuber in die kalte Isar ein. Hauptsache, der Helm wird nicht nass.
Übermütig taucht Maximilian Samhuber in die kalte Isar ein. Hauptsache, der Helm wird nicht nass. Marco Einfeldt

Inzwischen ist die Idee zu einer festen Tradition geworden. Jeden Dienstagvormittag sind die Studierenden zu viert, mal zu acht oder, vor allem am Anfang der Saison, auch zu fünfzehn Personen, denn es kommen öfter mal neue Leute dazu. Mal treffen sie sich an der Korbiniansbrücke, mal am Thalhauser Graben, der sich direkt in der Nähe der Uni befindet, was ganz praktisch ist. Auch einen Namen hat die Gruppe inzwischen: die „Wikinger-Eisschwimmer“. Im Laufe des Semesters möchten die Initiatoren eine offizielle Hochschulgruppe an der TUM gründen, auch will das Team zum ersten Mal beim Eisschwimm-Wettbewerb in Burghausen antreten. Und im Sommer planen sie, bei einem Drachenboot-Wettbewerb mitzumachen. Interessierte sind jederzeit willkommen.

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Dass Eisschwimmen immer beliebter wird, bestätigt auch die Freisinger Wasserwacht. „In der Tat wird das Eisbaden immer prominenter, auch bei uns an der Stoibermühle“, sagt deren Vorsitzender Michael Papacek. Welche Effekte das Eisschwimmen auf den Körper hat und wie gesund es wirklich ist, darüber wird in der Forschung noch diskutiert, aber laut Studien soll es das Immunsystem stärken und das Herz-Kreislauf-System trainieren.

Die Freisinger Wasserwacht stehe „prinzipiell positiv zum Eisbaden, da es gesundheitliche Vorteile bieten kann“, sagt Vorsitzender Papacek. Er betont aber auch, dass man dabei unbedingt ein paar Grundregeln beachten sollte: Dazu gehören die langsame Gewöhnung an die Kälte und an das Eisbaden selbst, das Schwimmen in Gruppen oder in Begleitung und schnelles Aufwärmen – Regeln, die auch die Studierenden befolgen.

„Wichtig ist, auf den eigenen Körper hören und bei Unwohlsein das Wasser sofort verlassen“, sagt Papacek. Auch könne es sinnvoll sein, vorab einen Gesundheitscheck beim Arzt durchzuführen, insbesondere bei Vorgeschichten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagt der Vorsitzende der Wasserwacht weiter. Unfälle, die sich in der Umgebung ereignet haben, sind Papacek nicht bekannt, „zumindest wurden wir nicht hinzugerufen“.

Laura Schindler gibt auch als Isar-Nixe eine gute Figur ab.
Laura Schindler gibt auch als Isar-Nixe eine gute Figur ab. Marco Einfeldt

An diesem Vormittag im Dezember bleiben die sechs Studierenden knapp zehn Minuten im Wasser. Die meisten sitzen ruhig in der Nähe der Kiesbank, wo die Strömung der Isar nicht so stark ist, und halten die Arme hoch, Maximilian Samhuber und Fabian Grönefeld wagen es, ein bisschen zu schwimmen. Wenn alle aus dem Wasser zurück ans Ufer kommen, ist ihre Haut wesentlich gerötet, eine normale Reaktion auf die Kälte. Dann beginnt der zweite, schwierige Teil der Aktion: sich trotz der betäubten Beine zu trocknen und wieder anzuziehen. „Das erfordert eine gewisse Koordination“, sagt Lisa Heidl lachend.

Es bleibt nur die Frage: Ist es für sie wirklich so einfach, ins eiskalte Wasser zu gehen? Eher nicht, sagen die Studierenden, denn Eisbaden kostet viel Überwindung. Henriette Wahner erzählt, dass sie dienstags aufwacht und sofort zum Treffpunkt mit den anderen Badenden fährt. „Denn ich will gar nicht darüber nachdenken, was ich bald machen werde“, sagt sie. Nun steht sie auf der Kiesbank, wärmt sich in ihrem Handtuch und ist froh, es wieder geschafft zu haben.  Kurz vor acht Uhr sind alle wieder angezogen, die Stimmung in der Gruppe ist gut und fröhlich. Dann steigt der eine auf sein Fahrrad, die andere ins Auto. Der Uni-Tag kann jetzt beginnen.

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