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Einbruch in Firma:Nicht viel ausgelassen

31-Jähriger wird wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt

Von Alexander Kappen, Landshut/Freising

In der Vergangenheit hat er offenbar nicht viel ausgelassen. Neben einem Dutzend Vorstrafen in Deutschland hatte der Angeklagte, 31, auch im Strafregister seines Heimatlands Rumänien, wo er schon im Gefängnis saß, zwei Einträge stehen. Dazu kamen Verurteilungen in Österreich, Frankreich und Dänemark. "Sie sind ja ganz schön rumgekommen - und das als Familienvater", entfuhr es dem Vorsitzenden Richter Ralph Reiter, als sich der 31-jährige vor der sechsten Strafkammer des Landshuter Landgerichts erneut verantworten musste - und wegen schweren Bandendiebstahls zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde.

Als Mitglied einer professionell agierenden Bande hatte der Angeklagte sich zwischen 2013 und 2015 bayernweit an einer Serie von Einbruchsdiebstählen insbesondere in Elektrofirmen und metallverarbeitenden Betrieben beteiligt. Auf ihrem Beutezug kam die Gruppe auch nach Freising. Die Mitglieder brachen teils mit brachialer Gewalt Eingangstüren und -tore auf, zerstörten Überwachungskameras und entwendeten jeweils große Mengen hochwertiger Metalle, im Wesentlichen Kupfer, aber auch andere Buntmetalle. Zum Abtransport nutzte die Bande teils zuvor gestohlene Transportfahrzeuge. Das Diebesgut wurde an diverse Abnahmefirmen verkauft. Regelmäßig auch im Ausland und hier insbesondere in den Niederlanden.

Im Fall einer Freisinger Firma, wo der Angeklagte im Februar 2015 mit zwei anderen Bandenmitgliedern einbrach, blieb es letztlich nur beim Versuch. Die Einbrecher drangen dort in die "Eisenhalle" ein und packten einen Einkaufswagen mit Kupferblechen voll, um sie zu stehlen. Sie mussten ihre Beute jedoch zurücklassen, weil sie durch den ausgelösten Alarm und die verständigte Polizei gestört wurden. Es war einer von zwei versuchten Einbruchdiebstählen, die neben elf vollendeten im Urteil schließlich noch Berücksichtigung fanden. Der Rest der ursprünglich 24 Anklagepunkte fiel weg. In diesen Fällen stellte das Gericht auf Antrag des Staatsanwalts das Verfahren ein, weil sie bei der Gesamtstrafe nicht ins Gewicht gefallen wären. Auch so war die Beute noch groß genug, das Gericht sprach von 295 000 Euro.

Der Vorsitzende Richter attestierte, genauso wie der Staatsanwalt, dem Angeklagten in den vorliegenden Fällen eine hohe kriminelle Energie und verwies auf den hohen Gesamtschaden. Der normale Bürger auf der Straße erwarte wohl, dass so jemand für ein paar Jahre ins Gefängnis muss, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. "Dass man hier zwei Jahre auf Bewährung gibt, ist sicher die ganz große Ausnahme." Diese sei in diesem Fall jedoch gut bebegründet, es gebe eine ganze Reihe von Punkten, die zu Gunsten des Angeklagten sprächen.

So war es der 31-Jährige, der bei der Aufklärung der Einbruchserie den Stein erst ins Rollen brachte. Er stellte sich 2016 der Polizei und nannte bei seiner Aussage Mittäter. In der Folge gab es viele Geständnisse anderer Bandenmitglieder und diverse Verurteilungen an Amts- und Landgerichten. Auch brachte er die Polizei auf die Spur eines Schrotthändlers in den Niederlanden, der zunächst nur als Hehler der gestohlenen Ware ins Visier geriet. Wie sich herausgestellte, "steckte dahinter aber eine riesige Geldwäsche mafiösen Ausmaßes", so der Richter. Auf dem Schrottplatz wurden Hunderte Kilo Gold im Wert von Millionen Euro gefunden, dazu diverse Luxusautos, wertvolle Uhren, Waffen und Bargeld in Höhe von mehreren 100 000 Euro. Aufgeklärt wurde das wohl auch durch den Hinweis des Angeklagten. Seit fünf Jahren ist dieser zudem straffrei, die zwischenzeitlich verbüßten Haftstrafen in Rumänien stammten von früheren Taten. Dass der Vater von vier Kindern, der einen festen Job hat, "unter erschwerten Corona-Bedingungen freiwillig zur Verhandlung aus Rumänien angereist ist, zeigt, dass er seine Altschuld bereinigen will", sagte der Richter.

© SZ vom 30.11.2020
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