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Ehrenamtliche Einsatzkräfte:120 000 Liter sauberes Trinkwasser

Navis-Team

Freuen sich auf ein Frühstück und eine warme Dusche: Navis-Vorsitzender Wolfgang Wagner empfängt Team vier bei der Rückkehr aus Mosambik.

(Foto: Lukas Barth)

Der Helfereinsatz des Navis-Teams in Mosambik nach Zyklon Idai geht zu Ende. Am Sonntag werden die letzten Kräfte zurückerwartet

Der Navis-Einsatz in Mosambik geht zu Ende. Team vier ist am Mittwoch nach zwei Wochen im Katastrophengebiet zurückgekehrt. Da ein Container zum Verladen des Materials zu spät geliefert wurde, musste jedoch noch ein letztes Drei-Mann-Team nach Afrika aufbrechen, um den Rücktransport zu organisieren. Es wird am Sonntag zurückerwartet.

Mehr als 3500 Patienten haben die ehrenamtlichen Einsatzkräfte nach Zyklon Idai in den vergangenen acht Wochen behandelt, außerdem mit Trinkwasseraufbereitungsanlagen mindestens 120 000 Liter sauberes Wasser geliefert. Ihn freue besonders, dass so vielen Kindern geholfen werden konnte, bilanzierte Vereinsvorsitzender Wolfgang Wagner. Etwa die Hälfte der Patienten war nicht älter als zehn Jahre.

Einsatzleiter von Team vier war Mark Hübner, 40, aus Hallbergmoos. Er war bereits vier Mal mit Navis im Ausland. In der Krisenregion sei "sehr, sehr viel kaputt", schilderte er. Da sich der Verein auf Soforthilfe im Katastrophenfall spezialisiert hat, begann Team vier nach etwa einer Woche mit dem Abbau des Feldhospitals. Auch Trinkwasser steht den Menschen wieder zur Verfügung, ein Brunnen konnte instand gesetzt werden. Schlaflose Nächte und viele Telefonate habe ihn der nicht gelieferte Container gekostet, erzählte Hübner. Selbst mit Druck oder dem Ausloben "persönlicher Boni" habe er nichts erreichen können. Im Team sorgte er unterdessen für Heimatgefühle. An seinem Geburtstag servierte er Weißwürste aus der Dose. "Die waren gar nicht so schlecht."

Georg Wust aus Buch am Buchrain (Landkreis Erding) war sogar zwei Mal mit Navis in Mosambik. "Das ist der beste Verein, den ich kenne", schwärmte der 29-jährige Berufsfeuerwehrmann. Das Besondere sei, dass man als ehrenamtlicher Helfer ins Ausland komme, Menschen und Traditionen kennenlerne und zugleich helfen könne. Ein solcher Einsatz sei zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Andererseits seien die Menschen, denen geholfen wird, sehr dankbar. Zum ersten Mal dabei war Dominik Plötz aus Teisnach (Landkreis Regen). Wenn es die Zeit zulässt, werde er sofort wieder mitfahren, sagte der 20-Jährige, der als Industriemechaniker und Rettungssanitäter vielseitig einsetzbar ist.

Schwierigkeiten hatte Navis diesmal, in der Kürze der Zeit genügend Ärzte für die Hilfsaktion zu gewinnen. Man wolle an dem Prinzip, Techniker immer gemeinsam mit medizinischem Personal in Katastrophengebiete zu schicken, unbedingt festhalten, sagte Wagner. Er hofft, das Interesse weiterer Ärzte wecken zu können, 43 sind bereits Mitglied in dem Moosburger Verein. Gut funktioniert hat laut Wagner die Zusammenarbeit mit Apotheker ohne Grenzen.

Gerhard Schlenk, niedergelassener Arzt aus Hofkirchen im Landkreis Passau, hatte für Team vier spontan zugesagt und für seine Praxis und die Notdienste Vertretungen gesucht. Der 53-Jährige engagiert sich seit 2010, seit dem Erdbeben in Haiti, bei Navis, und war schon fünf Mal mit dem Verein unterwegs. In Mosambik herrsche ohnehin unvorstellbare Armut, schilderte er. Durch den Zyklon habe sich die Lage weiter verschlechtert. Als Folge der Überschwemmungen litten viele Menschen an Malaria. Es gebe Atemwegs- und Hauterkrankungen, chirurgische Komplikationen oder Abszesse. Die Leute seien tagelang Nässe ausgesetzt gewesen und durch Schlamm gewatet und hätten sich Krankheitserreger und Parasiten eingefangen.

Der Verein überlegt, ein Langzeit-Hilfsprojekt in einem Hospital in Mosambik auf die Beine zu stellen. "Mit Geld, Material und Manpower", wie Schlenk sagte. Dort gebe es keinen richtigen Mediziner. Zeitweise Unterstützung durch Augenärzte, Gynäkologen oder Kinderärzte wäre wünschenswert. Solche Einsätze seien für die Helfer zudem besser planbar, sagte Mark Hübner.