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Kontroverse Diskussion:Eching will Gemeindelogo einführen

Auch der Mohr im Echinger Wappen, hier am früheren Rathauseingang, soll einer Verjüngungskur unterzogen werden, egal ob das Logo kommt oder nicht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Bürgermeister Thaler will den "Mohren" durch ein abstrakt gehaltenes "Pferd" im täglichen Geschäftsverkehr ersetzen. Das "Eho" aber gefällt nicht jedem.

Im Jahr 1966 hatte der Echinger Heimatforscher Georg Kollmannsberger im Dialog mit der Staatlichen Archivbehörde ein Wappen für die aufstrebende Gemeinde im Münchner Norden entworfen. Unter mehreren Motiven, die der geschichtssinnige Kollmannsberger vorgeschlagen hatte, entschied sich die Behörde für eine Kombination des Mohren als Wappensymbol des Hochstifts Freising, mit dem Andreaskreuz als Bezug auf die Echinger Pfarrei und zwei stilisierten Heideblüten als Verweis auf den originären Landschaftsraum.

Gemeindelogo Eching

So könnte das neue Logo der Gemeinde Eching aussehen, die Anregungen der Gemeinderäte werden erst noch eingearbeitet. Verwendung finden könnte es im alltäglichen Geschäftsverkehr, während das Wappen für offizielle Dokumente und Urkunden benutzt wird.

(Foto: Gemeinde Eching)

2019 wollte die Echinger Gemeindeverwaltung zusätzlich ein Logo einführen. Für den täglichen Geschäftsverkehr sei ein derartiges Signet moderner und praktikabler, erläuterte Bürgermeister Sebastian Thaler dem Gemeinderat. Und wenn Bescheide oder Mahnungen künftig mit diesem Logo gezeichnet seien, werde der Gebrauch des Wappens für Gratulationen, Ernennungen oder Ehrungen auch noch aufgewertet.

Das von einer Agentur entworfene Logo setzt im Gegensatz zum Wappen zentral auf das Pferd als Echinger Sinnbild, hergeleitet von der gängigen Interpretation des Ortsnamens als dem indogermanischen "Eho" für "Pferd". Zusätzlich, so die Designer, stehe ein Pferd auch für die Kraft und Dynamik, die sich das moderne Eching gerne zuschreiben würde. Ein stilisierter Pferdekopf ist also zu sehen, dessen spitze Ohren die weitere Assoziation zu den prägenden Kirchtürmen der Region erwecken sollen - Münchner Frauenkirche, Freisinger Dom, Pfarrkirche St. Andreas; die Tropfenform, in der das Pferd ausläuft, soll die zentralen Gewässer Isar und die Badeseen sowie hohes Grundwasser versinnbildlichen, eine Heideblüte ist eingefügt und schlussendlich mögen die geometrischen Applikationen in der unteren Bildecke eine Reminiszenz an das bayerische Rautenwappen bilden.

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Als Thaler das Logo zum ersten Mal sah, hat er gelacht

Bürgermeister Thaler räumte bei der Vorstellung ein, auf dem Logo seien all diese Gedanken "schwer zu erkennen, wenn man nicht die Erklärung hat". Als er den Entwurf zum ersten Mal vorgelegt bekam, "habe ich drüber gelacht", bekannte er. Mittlerweile finde er es aber durchaus gelungen. Und Auftrag eines Logos sei eher nicht eine platte Darstellung, sondern durchaus das Spiel mit Assoziationen. Im Gemeinderat waren die Reaktionen extrem geteilt. Zunächst gab es grundsätzliche Bedenken, ob es überhaupt ein Logo in Ergänzung - oder Konkurrenz - zum Wappen brauche. "Des braucht's ned", befand etwa CSU-Gemeinderat Gottfried Riedmaier, "das Wappen ist unser Logo". Parteikollege Simon Schindlmayr konnte Notwendigkeit und Nutzen einer unterschiedlichen Verwendung nicht nachvollziehen. Georg Bartl (CSU) empfahl, "bei einer einheitlichen Darstellung zu bleiben".

SPD-Gemeinderätin Sybille Schmidtchen hingegen fand das Logo in moderner Form "für Visitenkarten oder Briefverkehr viel passender". Stefanie Malenke, ebenfalls SPD, konnte dem Kontrast zwischen der gelebten Historie im Wappen und der modernen Logogestaltung viel abgewinnen: "Dieser Bogen ist sehr spannend". Nicht viel hielt dagegen Siglinde Lebich (Grüne) von dem Entwurf, "ich find's auch nicht modern". Die Gestaltung sei "zu kompliziert, wenn ich da jedes Mal eine Betriebsanleitung brauche". Bilanz: "Mir gefällt's einfach nicht." Irena Hirschmann (FDP) fand die Gestaltung "ziemlich hart". Robert Hiermansperger (CSU) monierte, es brauche "unglaublich viel Fantasie, dass man da auf Eching kommt". Beim Design des Pferdes "könnt man auch auf einen Hund kommen".

So oder so soll das Wappen geändert werden

SPD-Gemeinderätin Gertrud Wucherpfennig hielt dagegen, was denn ein unkundiger Blick auf das Gemeindewappen mit Mohr, Kreuz und Blüte "mit Eching zu tun hat"? Sie brauche für derartige Symbole "keine mordsmäßige Hineininterpretiererei". Für sie sei das Logo "näher an Eching dran als das Wappen". Ihr Urteil: "Je länger ich es sehe, desto besser gefällt's mir." Darauf setzt der Echinger Bürgermeister nun und hat die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Logo als Hausaufgabe aufgegeben.

Unwidersprochen soll aber auch das Mohrenwappen aufgehübscht werden, es wurde zuletzt 2004 überarbeitet. Unter anderem wird die definierte Goldfarbe im Hintergrund durch ein gängigeres Farbmuster ersetzt; die aktuelle Goldfarbe sei im Ausdruck "extrem teuer", so Thaler. Leon Eckert von den Grünen regte an, bei der Überarbeitung die extra aufgeblasenen Lippen des Mohren zu reduzieren. Damit werde "ein koloniales Stereotyp reproduziert", rügte er, als Gemeinde möge man "schon darauf achten, nicht in jedes Fettnäpfchen zu treten". Der Mohr im Wappen sei ohnehin weitgehend beliebig, erinnerte er, da für Eching nur marginale Beziehungen zum Hochstift hergeleitet werden könnten. Er würde "eher überlegen, ob wir das Wappen ändern statt des Logos".

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