Rolf Lösch war von 1992 bis 1998 Bürgermeister von Eching – und trägt aus dieser Amtszeit eine Auszeichnung, die wohl kein anderer Kommunalpolitiker in Deutschland je erhalten hat: Er ist Ehren-Alcalde des peruanischen Distrikts Urubamba, gewissermaßen ein dortiger Ortsvorsteher – doch dazu später mehr. Die Partnerschaft zwischen der oberbayerischen Gemeinde und dem peruanischen Distrikt existierte über 30 Jahren hinweg jedoch fast nur auf dem Papier. Nun soll sie unter modernen Vorzeichen wiederbelebt werden: Eching und Urubamba bauen über Kontinente hinweg eine Klima-Partnerschaft auf.
Beide Orte trennen mehr als 10 000 Kilometer Luftlinie, mehrere Zeit- und Klimazonen – doch gerade darin sehen die Echinger den Reiz und die Chance dieser ungewöhnlichen Partnerschaft. Man wolle auf der Basis der Unterschiedlichkeiten und der daraus resultierenden anderen Anforderungen und Lösungsansätze „voneinander lernen“, erklärt Daniela Kirschstein, Leiterin der Echinger Volkshochschule, die das Projekt gemeinsam mit dem Rathaus betreibt.
Im Großraum München stehen Themen wie Flächenversiegelung, Konsum und Energie im Fokus. In der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Region der Anden auf knapp 3000 Metern Höhe sind hingegen Wasserverfügbarkeit, Landwirtschaft und Ökosysteme die zentralen Herausforderungen.
Der Austausch zwischen Eching und Urubamba solle „sichtbar machen, wie eng diese Herausforderungen miteinander verbunden sind und was wir voneinander lernen können“, betont Kirschstein. Ziel sei außerdem, „einen Rahmen zu schaffen, um gemeinsam an diesen Herausforderungen zu arbeiten sowie Projekte und Ansätze zur Klimafolgenanpassung zu entwickeln und umzusetzen“. Eching könne aus „lokalen Erfahrungen, traditionellem Wissen und innovativen Ansätzen aus dem Globalen Süden wertvolle Impulse für gemeinsame Lösungen gewinnen“. Zugleich solle deutlich werden, wie eng der eigene Alltag mit globalen Fragen verbunden sei, erläutern Volkshochschule und das Klimamanagement der Gemeinde.
Der Fahrplan sieht vor, dass innerhalb eines Jahres durch gegenseitige Besuche, Workshops und gemeinsame Projekte ein Aktionsplan entwickelt wird. Dieser soll anschließend in kontinuierlichen Kontakt umgesetzt werden. Als zentrale Themen des Aktionsplans erwarten die Echinger einen nachhaltigen Umgang mit Wasser, den Schutz und die Nutzung von Boden und landwirtschaftlichen Flächen, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Ergänzend sollen Umweltbildung und die Beteiligung der Bevölkerung in beiden Gemeinden eine wichtige Rolle spielen.
Die Gemeinde Eching spendete einen Lastwagen für das peruanische Hochland
Den Auftakt machte dazu eine Informationsveranstaltung auf dem Bürgerplatz während des Echinger „Klimafrühlings“. Zu den zentralen Themen Wasser und Boden wurden „Zukunftspavillons“ aufgebaut, in denen mögliche Entwicklungen zugespitzt „erlebt“ werden konnten: Gezeigt wurden unter anderem künstliche Lebensmittel, Insekten als mögliche Proteinquelle, eingeschränkte Wasserrationen oder technische Lösungen, die zunächst ungewohnt wirken, aber reale Diskussionen über Ernährung, Ressourcen und Klimaanpassung widerspiegeln. Auch positive Zukunftsaspekte wurden sichtbar gemacht: gemeinschaftliches Handeln, globale Klimagerechtigkeit, nachhaltige Landwirtschaft, ein bewusster Umgang mit Wasser und innovative Projekte, die zeigen, dass Veränderungen möglich sind.
Als nächste Etappe werden nun Gäste aus Urubamba in Eching erwartet. Die Reise wird gefördert von der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ (SKEW), einer zentralen Ansprechpartnerin für kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland, die das Projekt Eching/Urubamba begleitet. Zudem fand eine Multiplikatoren-Schulung „Klimagerechtigkeit vermitteln – Globales Lernen“ im Echinger Rathaus statt.
Probleme bei der Wasserversorgung bildeten bereits vor mehr als 30 Jahren den Ausgangspunkt der kontinentübergreifenden Partnerschaft. Der Echinger „Arbeitskreis Entwicklungshilfe“ unter Leitung von Josef Vilser engagierte sich mit technischer Unterstützung in der Region. So entstanden unter anderem fünf Wasserleitungen, eine Brücke sowie die Elektrizitätsversorgung – realisiert mithilfe des eingebrachten Know-hows.
Die so entstandene Nähe führte 1993 zu einer ebenso spektakulären Aktion: Auf Vermittlung von dem AK‑Mitglied und inzwischen verstorbenen Ehrenbürger Joachim Enßlin, Echings damaligem Bürgermeister und zu dieser Zeit Manager der Messe München, spendeten die Isar‑Amper‑Werke einen ausrangierten Lastwagen für das peruanische Hochland.
Das Fahrzeug wurde in die Stadt Ollantaytambo gebracht, die in der Nähe von Pachar liegt, wo zuvor eine große Wasserleitung errichtet worden war – beide Orte gehören zum Distrikt Urubamba. Dort liegt auch die Hochebene von Machu Picchu, eines der meistbesuchten Zeugnisse alter Inka-Kultur. Nach diesen großen Gesten wurde Eching von der Distrikthauptstadt eine Partnerschaft angeboten. Im Sommer 1994 reiste eine offizielle Delegation mit Bürgermeister Rolf Lösch und Gemeinderat Gerhard Kremer, begleitet von Organisator Josef Vilser, nach Urubamba.
Diese Reise entwickelte sich für die Echinger Gäste zu einem regelrechten Spektakel. An mehreren Orten im Distrikt wurden große Feste zu ihren Ehren ausgerichtet, Lösch wurde wie erwähnt zum „Ehren-Alcalde“ ernannt. In Yanakuara erhielt eine Schule den Namen „Centro Educativo Eching Yanakuara“, den die Gäste umgehend mit einem Gemeindewappen in Porzellan ergänzten.
Höhepunkt war die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden – in Machu Picchu. Die Feierlichkeiten wurden sogar im peruanischen Fernsehen übertragen. Nach diesem emotionalen Höhepunkt geriet die Partnerschaft allerdings in Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit wurde sie formal wiederbelebt, indem Urubamba in der Liste der Partnergemeinden von Eching geführt wird.



