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Eching:Todesfahrt mit dem Leihwagen

Ein Toter und drei Verletzte bei Unfall nahe Eching

Nur noch ein Wrack ist dieses Auto, mit dem ein 19-Jähriger einen schweren Unfall verursachte.

(Foto: Michael Schmelzer/dpa)

Vier junge Männer werden bei einer Spritztour in einen schweren Unfall verwickelt. Ein 20-Jähriger wird aus dem Auto geschleudert und stirbt. Laut Polizei gibt es dennoch in Neufahrn keine Raserszene

Von Alexandra Vettori, Eching

Das 560 PS starke Auto, in dem am Montagabend vier junge Männer aus Neufahrn auf dem Autobahnzubringer kurz vor der Autobahnauffahrt Eching-Ost verunglückt sind, haben sie sich extra für die Spritztour von einer Autovermietung geholt. Am Ende war einer von ihnen tot, die anderen verletzt, der Bolide ein Totalschaden. Laut Polizeibericht ist der Wagen, am Steuer ein 19-Jähriger, gegen 22.40 Uhr vom Echinger Industriegebiet kommend in Richtung A 92 ins Schleudern geraten.

Das Auto durchbrach die rechte Leitplanke, prallte gegen einen Baum, überschlug sich und blieb in der abschüssigen Böschung auf dem Dach liegen. Ein 20-jähriger Mitfahrer, der offenbar auf der Rückbank saß und nicht angegurtet war, wurde heraus geschleudert. Trotz sofortiger Hilfeleistung eines Zeugen und einer Streifenbesatzung der Verkehrspolizei Freising starb er noch an der Unfallstelle. Der Fahrer und die beiden weiteren Mitfahrer, beide 18 Jahre alt, wurden mit leichteren bis mittelschweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Hinweise auf eine etwaige Alkoholisierung des Unfallfahrers gab es nicht. Der Verkehrspolizei und den Ersthelfern bot sich ein Bild des Schreckens. Der heraus geschleuderte Mann lag Dutzende Meter entfernt, die Leitplanke war bis zu 150 Meter weit verstreut. Wie die Polizei berichtete, deutet alles, auch die Spuren an Büschen und Bäumen, "auf einen Hochgeschwindigkeitsunfall" hin. Ein Zeuge bestätigte, dass er von dem Unfallauto mit hoher Geschwindigkeit überholt worden sei, kurz bevor dieses ins Schleudern geriet. In Neufahrn war der 19-jährige Fahrer durch seine verkehrswidrige Fahrweise laut Polizeibericht schon am Vortag aufgefallen. Das bestätigte Gerd Hartmann, der stellvertretende Leiter der Neufahrner Polizei. Kollegen hätten den jungen Mann kontrolliert und verwarnt, nachdem dieser durch Driften in einem Kreisverkehr aufgefallen war. Nach dem Unfall ist nun ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung und der Gefährdung des Straßenverkehrs gegen ihn eingeleitet worden. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Landshut wurde außerdem ein Sachverständiger an die Unfallstelle beordert, unter anderem, um ein unfallanalytisches Gutachten zu erstellen.

Es gilt als wahrscheinlich, dass sich der Unfall in eine Kette von Raserunfällen einreiht. Auf die Zunahme solcher Unfälle, bei denen immer wieder auch Unbeteiligte verletzt oder getötet werden, hat der Gesetzgeber 2017 reagiert und "Rasen" zum Straftatbestand gemacht. Seither sind im Paragraf 315d des Strafgesetzbuches nicht nur illegale Autorennen und die Verabredung dazu unter Strafe gestellt, sondern auch "rücksichtsloses Schnellfahren". Dabei drohen Geld- oder Freiheitsstrafen genauso wie der Einzug der Fahrerlaubnis oder sogar des Fahrzeugs.

Eine Raserszene gebe es in Neufahrn aber nicht, so die Einschätzung des stellvertretenden Polizeidienststellenleiters Gerd Hartmann. Zwar fielen häufig dieselben Fahrer negativ auf, doch eine Szene könne man das nicht nennen. Frage man die Leute, wieso sie so schnell führen, komme immer die gleiche Antwort: "Ich fahre halt gern schnell."

Nicht selten seien die Fahrzeuge, wie beim Unfall am Montag, geliehen. "Die sind 18, 19, 20 Jahre alt, die können sich kein Auto für 100 000 Euro leisten", so Hartmann. Wie Josef Polz, stellvertretender Dienstgruppenleiter der Verkehrspolizeiinspektion Freising, betonte, ist ein solcher Unfall auch für die Helfer eine schwierige Situation: "Es ist schon sehr erschütternd, vor allem für die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die jungen Männer waren aus der Gegend, aus Neufahrn. Nicht auszuschließen, dass da Bekannte dabei waren."

© SZ vom 18.11.2020
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