Umstrittene Obdachlosen-UnterkunftEchinger Gemeinderat soll sich nochmal mit Standort befassen

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Die Gemeinde Eching will auf der Erweiterungsfläche der Schrebergarten-Anlage an der Kleiststraße ein Container-Dorf für Obdachlose errichten. Viele Bürgerinnen und Bürgern wehren sich dagegen.
Die Gemeinde Eching will auf der Erweiterungsfläche der Schrebergarten-Anlage an der Kleiststraße ein Container-Dorf für Obdachlose errichten. Viele Bürgerinnen und Bürgern wehren sich dagegen. Johannes Simon

Bei einer Informationsveranstaltung bringen 450 Besucher ihren Unmut über das geplante Container-Dorf bei der Schrebergarten-Anlage an der Kleiststraße zum Ausdruck. Vor einer möglichen neuen Beschlussfassung will der Bürgermeister die Bürgerinitiative mit einbeziehen.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Wie geht es nun mit der geplanten Obdachlosenunterkunft in Eching weiter? Bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinde artikulierten rund 450 Besucher ihren Unmut über den vorgesehenen Standort der Wohncontainer an der verlängerten Kleiststraße. Bürgermeister Sebastian Thaler sagte zu, den Gemeinderat nochmal mit der Frage zu befassen und mit der Bürgerinitiative „Kein Containerdorf im Echinger Schrebergarten für Obdachlose“ im Gespräch zu bleiben.

Die setzt nun darauf, dass auch alternative Standorte offen diskutiert werden. Thaler sagte bei der Veranstaltung im Bürgerhaus, die Gemeindeverwaltung habe sieben potentielle Standorte bewertet und dann die Erweiterungsfläche der Kleingartenanlage vorgeschlagen, was vom Planungsausschuss des Gemeinderats mit einer klaren Mehrheit von 9:1 beschlossen wurde.

Alternativen waren damals zumindest öffentlich nicht genannt worden. Die bisherige Unterbringung kurzfristig in Wohnungsnot geratener Echinger im einstigen Postgebäude am „Stachus“ sei nicht mehr möglich, hieß es da, das marode Gebäude müsse grundlegend saniert werden.

Für die Aufstellung von Wohncontainern sollte nun eine Fläche von der geplanten Erweiterung der Kleingartenanlage über die Kleiststraße hinaus abgezwackt werden; übrigens ohne den Kleingartenverein vorab darüber zu informieren.

Bei der Versammlung im Bürgerhaus wurde vom Bürgermeister eine Planskizze gezeigt, die laut Angaben der Bürgerinitiative nun rund 1000 Quadratmeter Fläche für die Container plus Umgriff umfasse, was entgegen der ersten Ankündigungen durchaus einen empfindlichen Eingriff in die Kleingarten-Erweiterung darstellen würde.

Auch zu den geplanten Kosten gab es bei der Versammlung Diskrepanzen. Im Etat der Gemeinde stehen 750 000 Euro. Allerdings ist diese Summe wohl für einfache Wohncontainer kalkuliert, wie sie etwa im Nachbarort Neufahrn stehen. In seiner Präsentation hatte Thaler jedoch eine weit hochwertigere Anlage visualisiert, die wohl deutlich teurer käme.

Die Gemeinde hält den gewählten Standort für sehr geeignet, die Bürgerinitiative zweifelt das an

Der Bürgermeister hatte als Resümee der Versammlung dann angekündigt, die Standortfrage im Gemeinderat nochmal zu diskutieren, allerdings hinter verschlossenen Türen. Dagegen verwahrte sich die Versammlung, worauf Thaler zusagte, vor einer eventuell neuen Beschlussfassung die Bürgerinitiative nochmal einzubeziehen.

Die Initiative hatte, nach eigenen Angaben gestützt auf 651 Unterschriften, die Zusammenkunft erst erzwungen. Das Rathaus hatte über die Pläne weder den unmittelbar betroffenen Kleingartenverein noch die in Sichtweite benachbarte Kindertagesstätte „Regenbogen“ informiert, sondern mit dem Beschluss vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die Führungsgruppe der Bürgerinitiative (BI) bilden denn auch Mitglied des Kleingartenvereins, eine Elternvertreterin der Kita und als ihr Sprecher mit Adrian Marggraf ein Anlieger aus dem umgebenden „Dichterviertel“. Während der Gemeinderat den Standort unter anderem wegen der Nähe zum Bahnhof, zu Einkaufsmöglichkeiten und eben zur Kita als sehr geeignet empfunden hatte, zweifelt die BI eben diese Eignung an.

Obdachlose würden aus dem Herzen des Ortes, wo sie jetzt in der früheren Post leben, an den Rand abgeschoben. Man brauche aber „eine sozialverträgliche, sichere und menschenwürdige Unterbringung“, so ihre Forderung. Das sei in der Ortsrand-Lage an der verlängerten Kleiststraße nicht gegeben.

Die BI prüft auch die Einleitung eines Bürgerbegehrens

Zudem sei die geplante Kleingarten-Erweiterung als grüne Lunge für das Viertel unverzichtbar; zwischen der Paul-Käsmaier-Straße und der Autobahn A9 am Siedlungsrand sei dies die einzig verbleibende Grünfläche. Auch streng geschützte Arten sollen dort nachgewiesen werden können.

In ihrem umfassenden Fragenkatalog zu dem Projekt, den die BI an den Gemeinderat übergeben hatte, werden auch eine Wertminderung der umliegenden Grundstücke durch eine Obdachlosenunterkunft oder die Entstehung eines sozialen Brennpunkte befürchtet.

„Wir wollen einfach nur eine gute Lösung“, betonte BI-Sprecher Marggraf. Nach Angaben der Bürgerinitiative zähle sie bereits rund 30 Aktive in einem engeren Kernteam, das sich auch einbringe. Parallel zu dem vereinbarten weiteren Kontakt mit dem Rathaus wolle man alternative Schritte prüfen, sagte Marggraf auf Anfrage, etwa die Einleitung eines Bürgerbegehrens.

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