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Entscheidung in Eching:Thaler verkürzt seine Amtszeit freiwillig

Im März 2020 gibt es in Eching wieder gemeinsame Wahlen von Bürgermeister und Gemeinderat. Das hat Bürgermeister Sebastian Thaler jetzt bekannt gegeben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Bürgermeister macht den Weg für eine gemeinsame Wahl mit dem Gemeinderat im März 2020 frei und gibt seine erneute Kandidatur bekannt.

2020 wird es in Eching wieder gemeinsame Wahlen von Gemeinderat und Bürgermeister geben. Nach 28 Jahren zeitversetzter Wahltermine will der 2016 letztmals außertourig gewählte Bürgermeister Sebastian Thaler freiwillig seine bis 2022 laufende Amtszeit verkürzen lassen, am Dienstag legt er dem Gemeinderat dazu einen Antrag vor. Thaler erklärte am Donnerstag zudem, er werde wieder antreten, als "überparteilicher Bürgermeister", nominiert von SPD, Grünen, "Bürgern für Eching" und "Echinger Mitte".

Allerdings hat Thaler noch einen außergewöhnlichen Vorbehalt eingebracht: Er wolle eine eventuelle Wiederwahl am Wahlabend nur annehmen, wenn der parallel gewählte Gemeinderat "eine deutlich andere Zusammensetzung aufweist". In den ersten dreieinhalb Jahren seiner Amtszeit hatte eine Front aus CSU/FW immer wieder seine Vorhaben blockiert, von Kleinigkeiten wie einer Satzung für die Gestaltung von Gartenmauern bis hin zum Rathausneubau oder der Wohnbaufläche in Neubaugebieten - und zuletzt der spektakulären Kündigung des Architekten für das Günzenhausener Feuerwehrhaus. Er wolle "die nächsten sechs Jahre viel bewegen", betonte Thaler, "das geht nur, wenn der Gemeinderat aufgeschlossen ist". "Wunschsituation" wäre daher, wenn die vier ihn stützenden Gruppierungen eine Mehrheit erreichen würden. Auch mit anderen Gruppen sei er "zu guter Zusammenarbeit bereit", dazu müsse aber abgewartet werden, "wie sich CSU und FW positionieren". Nach dem Wahlabend hat Thaler eine Woche Zeit, die Wahl anzunehmen - oder nicht.

2016 war Thaler, der zuvor in Eching nur Tennis gespielt hatte, von der SPD völlig überraschend als Kandidat präsentiert worden. Grüne, "Bürger für Eching" und "Echinger Mitte" erklärten anschließend ihre Unterstützung. Für 2020 ist nun eine gemeinsame Nominierungsveranstaltung geplant. Thaler sagte, man sei sich in der bisherigen Arbeit auch nicht immer einig gewesen, "aber man konnte sich vernünftig abstimmen und inhaltlich gut zusammenarbeiten". Um den überparteilichen Status zu unterstreichen, wird Thaler auch nicht parallel auf der Gemeinderatsliste der SPD antreten. Mit diesem "Kniff" sammeln allerorten populäre Bürgermeister Wählerstimmen für ihre Gruppierung, die dadurch mehr Gemeinderatssitze erhält.

Seit dem Rücktritt von Bürgermeister Joachim Enßlin 1992 wurde in Eching der Bürgermeister zeitversetzt gewählt. Thaler sagte, jede diese separaten Wahlen koste die Gemeinde etwa 80 000 Euro. Sein Vorgänger Josef Riemensberger hatte es dreimal abgelehnt, seine Amtszeit zu verkürzen, um die Wahlen zu synchronisieren. Thaler hatte zuletzt gezögert, weil eventuelle Nachteile für seine Versorgungsansprüche durch die Amtszeitverkürzung noch unklar seien. Definitiv sei das immer noch nicht geklärt, sagte er, er habe jedoch Signale, dass der Schritt unschädlich sei. Auf jeden Fall gebe er die Rückkehrzusage zu seinem vorigen Arbeitgeber auf.

Mit der Zusammenführung der Wahltermine sollen "Bürgermeister und Gemeinderat gemeinsam in eine Wahlperiode starten können", sagte Thaler, "und gemeinsam Ziele für sechs Jahre definieren und sich nicht alle drei Jahre im Wahlkampfmodus befinden". Er trete wieder an, um die bisher angestoßenen Projekte und Entwicklungen fortzuführen. Seit Amtsantritt im September 2016 habe er "viele wegweisende Projekte umgesetzt oder zumindest initiiert", bilanzierte er, darunter ein Wohnbaumodell, die Verbesserung der Kinderbetreuung, die Reorganisation der Gemeindeverwaltung und die Abwicklung mehrerer Neubaugebiete.