Alles, was sich vor sechs Jahren hinter Sebastian Thaler versammelt hatte, fuhr wie der Bürgermeister selber enorme Stimmengewinne ein – das war das nicht zu leugnende Fazit der Kommunalwahl 2020 in Eching. Sechs Jahre später schlug das Pendel nun radikal in die andere Richtung: Thaler wurde abgewählt, seine einstigen Unterstützer verloren im Gemeinderat durch die Bank deutlich.
CSU und FW, deren Kandidaten Michael Steigerwald und Christoph Gürtner in zwei Wochen die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters bestreiten werden, haben auch im Gemeinderat zugelegt. Die zuletzt eher bedeutungslose CSU kletterte von sechs auf sieben Sitze im 24-köpfigen Gemeinderat, die FW verbesserten sich von vier auf sechs Sitze, ihr historischer Höchststand.
SPD, Grüne, „Bürger für Eching“, „Echinger Mitte“ und ÖDP hatten vor sechs Jahren als informelle „Bunte Koalition“ hinter Thaler in Summe drei Sitze hinzugewonnen und so eine Gemeinderatsmehrheit von 13 Sitzen plus Bürgermeister erreicht. Jetzt verloren sie sechs Sitze: SPD, Grüne sowie die Liste BfE/EM/ÖDP je zwei. Im Groben folgt das Resultat der allgemeinen Großwetterlage, wonach die SPD in Bayern weiter im freien Fall ist und die Grünen sich von der Dämonisierung durch CSU/FW/AfD noch nicht erholt haben. Vorrangig aber sind das Echinger Spezifika.
Thaler hat seine Unterstützer in eine Zwickmühle manövriert. Stellten sie sich hinter die gemeinsamen Ziele, derentwegen sie zusammengefunden hatten, stellten sie sich auch hinter Thaler; von dem wollten und mussten sie sich andererseits abgrenzen.
Ziele oder Projekte waren freilich nachrangig im Wahlkampf, der dominiert war von der Wegscheide: Ja oder Nein zu Thaler. Eine Vorstrafe wegen Untreue gegen die eigene Gemeinde, ein Disziplinarverfahren und eine Verwaltungsklage durch den Gemeinderat hatte der Bürgermeister angesammelt. Dennoch erklärte er auf den allerletzten Drücker vor der Meldefrist für Bewerber seine erneute Kandidatur. Seine Verfehlungen, zu denen er zuvor eisern geschwiegen hatte, erklärte er leutselig als eine Verkettung von Missverständnissen.
Der notwendige Neustart ist auf jeden Fall gesichert
Christoph Gürtner (FW) betonte als erstes Wahlfazit, dass „der dringend notwendige Neustart in Eching mit diesem Wahlergebnis bereits gesichert ist“, unabhängig wie die Stichwahl zwischen ihm und Michael Steigerwald ausgehen wird.
Victor Weizenegger, der das beste Ergebnis aller SPD-Bürgermeisterkandidaten im Landkreis einfuhr, wertete schon den Wahlkampf als Start in bessere Zeiten. Er attestierte den Konkurrenten – Thaler ausgeklammert – „fairen, sachbezogenen Umgang auf Augenhöhe“. Er hoffe, dass dies „eine Blaupause für die Arbeit im nächsten Gemeinderat sein“ könne. Der 22-jährige Eric Jacob (Grüne) zeigte sich erfreut, dass er „trotz meines jungen Alters so viele Menschen im Wahlkampf überzeugen konnte“.
Thaler wiederum hat mit seiner neu gegründeten Bewegung „Miteinander Eching gestalten (Mega)“ aus dem Stand drei Gemeinderatssitze erreicht, einen davon für ihn; ob er ihn annimmt ist offen. In einer ersten Stellungnahme sagte er nur, er freue sich „über die gewonnene Freiheit und auf neue Herausforderungen“.
Dominantes Motiv dieser Wahl war auch im Gemeinderat der radikale Wechsel. Gerade acht Gemeinderäte wurden bestätigt, nur ein Drittel des Gremiums. Sieben hatten freiwillig aufgehört, neun schafften den Wiedereinzug nicht.
Kurios ist dabei, dass selbst die Stimmengewinner der Wahl personell gerupft wurden. Bei der CSU kehren nur zwei der Gemeinderäte dieser Wahlperiode ins Gremium zurück, vier sind neu; bei der FW wurden trotz Zugewinns zweier Sitze drei amtierende Gemeinderäte abgewählt.

