Die Ausrufung eines „neuen Abschnitts für unsere Gemeinde“ zum Start einer neuen Mandatsperiode, wie es Echings neuer Bürgermeister Michael Steigerwald (CSU) bei der konstituierenden Sitzung nannte, gehört nicht zu den originellsten Formulierungen. Selten aber war diese Binse so substanziell unterlegt wie am Dienstag in Eching. Nach fünf Jahren zermürbendem Kampf war der alte Bürgermeister abgewählt – und in den Gemeinderat zogen nicht weniger als 16 neue Mitglieder ein, zwei Drittel des Gremiums.
Steigerwald sagte zum Einstieg in die Sitzung, er verstehe das Amt als „große Ehre und große Verantwortung“. Seine Aufgabe als Bürgermeister sehe er darin, „Orientierung zu geben, zuzuhören, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen und Verantwortung zu übernehmen“.
Er erhoffe sich in dem neuen Gremium „eine Zusammenarbeit, geprägt von Sachlichkeit, Respekt und gegenseitigem Zuhören“. Den Echingern versprach er, „ehrlich zu kommunizieren und transparent zu handeln“. Schlussendlich säßen „alle im selben Boot“, schloss er, „und das ist Eching.“ Vom ältesten Gemeinderat Wolfgang Müller wurde Steigerwald anschließend vereidigt.
Erwartungsgemäß wurde Christoph Gürtner (FW) fraktionsübergreifend zum Zweiten Bürgermeister gewählt. Der in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt unterlegene Gürtner erhielt 17 der 23 abgegebenen Stimmen. Damit stimmten auch Gemeinderäte jenseits der CSU und FW für Gürtner.

Für die Wahl zum Dritten Bürgermeister wurde eine Stichwahl nötig, die Marco Stuckenberger (CSU) mit 13:9 Stimmen gegen Eric Jacob (Grüne) gewann. Stuckenberger hatte im ersten Wahlgang elf Stimmen erhalten und damit nicht die vollständige Zustimmung aus der CSU und FW. Da er selbst in der Sitzung fehlte, konnte er weder mitstimmen noch als neuer Gemeinderat und Dritter Bürgermeister vereidigt werden.
Manche Personalien waren vorher abgestimmt
Kurioserweise wurden beide Wahlen ohne vorherige Wahlvorschläge ausgeführt. Die Gemeinderäte gaben ihre Stimmen in geheimer Wahl in eigens organisierten Wahlkabinen ab – auf Grundlage einer Liste mit allen 24 Namen. Die Kandidaturen von Gürtner und Stuckenberger waren freilich vorher intern abgestimmt.
Zwischen CSU und FW hat sich seit Jahren eine große Nähe entwickelt, die in der Auseinandersetzung mit dem vormaligen Bürgermeister Sebastian Thaler eher noch enger wurde. Nach Zugewinnen bei der Wahl verfügen sie mit zusammen 14 Stimmen inklusive des Bürgermeisters über eine komfortable Mehrheit im 24-köpfigen Gemeinderat.
Dennoch schienen Geschäftsordnung und Personalien für den neuen Gemeinderat fraktionsübergreifend vorab abgestimmt. Alle Arbeitsgrundlagen für die kommende Mandatsperiode wurden einstimmig verabschiedet, lediglich bei untergeordneten Posten gab es winzigen Abstimmungsbedarf.
Auf guten Umgang miteinander wird viel Wert gelegt
Die beiden zentralen Gemeinderatsausschüsse, Haupt- und Finanzausschuss sowie Bau-, Planungs- und Umweltausschuss, in denen in der bisherigen Echinger Lokalpolitik die Hauptarbeit erledigt worden war, wurden jeweils von zehn auf elf Sitze vergrößert. Dieses Format bildet nach einhelliger Ansicht des Gremiums die neue Zusammensetzung am besten ab.
In den beiden Ausschüssen ist Bürgermeister Michael Steigerwald gesetztes Mitglied, hinzu kommen jeweils drei Sitze für CSU und FW, zwei für die Fraktionsgemeinschaft Grüne/Bürger für Eching sowie jeweils einer für Mega (Miteinander Eching gestalten) und die SPD. FDP-Gemeinderat Andreas Erb ist in beiden Ausschüssen nicht vertreten. Bei der Entsendung von Gemeinderäten in Beiräte und Zweckverbände scheint man sich überwiegend auf Konsenslösungen ohne strikten Parteienproporz verständigt zu haben.
Zum Ausklang der konstituierenden Sitzung bat der neue Bürgermeister gleich zum Umtrunk. In Symbolen und Gesten wird in Eching derzeit viel Wert auf guten Umgang und gedeihliches Miteinander gelegt. Am 9. Juni startet mit der ersten Ausschusssitzung der neuen Besetzung die Gemeinderatsarbeit – oder, wie es der neue Rathauschef ausdrückt: ein neuer Abschnitt für die Gemeinde.

