Gemeinde Eching:Eine Vorlage für das Zukunftspuzzle

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Im Echinger Rathaus wünscht man sich klare Vorgaben für die Entwicklung der Gemeinde. (Foto: Marco Einfeldt)

Zur Fortschreibung des Gemeindeentwicklungsprogramms sollen die Bürgerinnen und Bürger helfen, Ziele und Maßnahmen für die Jahre bis 2035 und darüber hinaus zu entwerfen. Das Interesse daran ist überraschend groß.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Um ein Puzzle zusammenzusetzen, ist es ziemlich hilfreich, eine Vorgabe zu haben, wie das Bild mal aussehen soll. Die Bausteinchen täglicher Verwaltungsarbeit, regelmäßiger Gemeinderatsentscheidungen und äußerer Einflüsse werden in Eching seit fast genau 50 Jahren nach dem Leitbild eines Gemeindeentwicklungsprogramms (GEP) ausgerichtet – allerdings ist diese Zielvorstellung mittlerweile ziemlich vergilbt.

So hat sich das Rathaus nun aufgemacht, rechtzeitig zum Jubiläum der seinerzeitigen Pioniertat eine erneute Fortschreibung auf die Beine zu stellen. Damit soll Echings Entwicklung bis 2035 und darüber hinaus wieder etwas klarer konturiert werden. Und auf das Startsignal von „oben“ hat auch die Basis Interesse entwickelt: Gut 150 Besucher verfolgten die Auftaktveranstaltung, 95 wollen sich weiter beteiligen.

„Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind oberste Prämisse“ heißt der neue erste Punkt des GEP. „Das Bestreben um einen möglichst barrierefreien annähernd geschlossenen Lebenskreis für die Bürger auf kommunaler Ebene soll fortgesetzt werden“ ist Satz zwei, der an die zentrale Leistung der früheren GEPs anschließt.

Gegliedert sind diese Entwicklungsziele dann in die Themenfelder Bevölkerung und Wohnraum, Wirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, Klimaschutz, Mobilität, Freizeit, Sport, Erholung, Ver- und Entsorgung, Finanzen, Bildung und Kultur, Generationen und Soziales und allgemeine Ziele. Darunter subsumieren sich etwa die Sicherstellung der Wohnraumversorgung für heutige und künftige Generationen, die Unterstützung und Förderung der Integration für Neubürger jeglicher Identität und Herkunft, die Stärkung des demokratischen Gemeinwesens oder eine Fortführung der Interkommunalen Zusammenarbeit.

Acht Arbeitskreise sollen aktiv werden

Weil ein erster Aufruf zum Mitmachen beim Klimafrühling vor wenigen Wochen noch weitgehend ohne Resonanz verhallt war, hatte das Rathaus die Themen schon mal in sechs Arbeitskreise zusammengefasst, in der Hoffnung, wenigstens die akzeptabel bestücken zu können. Der unverhofft große Run auf die Versammlung im Bürgerhaus lässt nun doch wieder differenziertes Arbeiten zu. Dem theoretischen Idealfall, zu zwölf Themenfeldern je zehn Interessenten zu gewinnen, kommen 95 Interessenten ja doch sehr nahe. Acht Arbeitskreise sollen nun gebildet werden. Mit 24 Unterschriften interessierten sich weitaus die meisten Mitmacher für Bildung und Kultur.

Sie sei „restlos begeistert“ über diese Resonanz, schwärmte anschließend Martina Britz, Sachgebietsleiterin für Umwelt und Planung im Rathaus. In den acht Arbeitskreisen sollen nun jeweils Leiter gefunden werden, die dann die ersten Treffen organisieren; im Idealfall sollen das Gemeinderäte sein, auch Mitarbeiter der Rathausverwaltung werden jedem AK zur Seite stehen. „Wir werden alles tun, damit keiner enttäuscht wird“, betont Britz, das große Engagement solle unbedingt Effekt zeigen. Dabei ist der Umfang der GEP-Planung bereits klar definiert: Dreimal wird sich jeder Arbeitskreis treffen, eine Bestandsaufnahme, eine Ideensammlung und eine abschließende Zusammenführung, dann ist Schluss.

Als Diskussionsgrundlage für die Themenfelder hat der Gemeinderat die groben Zielsetzungen bereits aus dem bestehenden GEP fortgeführt und neu festgelegt. „Vielen Themen sind seit 1975 immer noch aktuell“, schilderte Bürgermeister Sebastian Thaler bei seiner Begrüßung am Mittwoch. Die Arbeitskreise sollen nun Vorschläge und Maßnahmen erarbeiten, wie die vorgegebenen Grundsätze und Ziele auch erreicht werden können.

Zu den großen Themen der Zukunft gehört auch in Eching die Bereitstellung von genügend Wohnraum. (Foto: Marco Einfeldt)

Der ehemalige Hallbergmooser Bürgermeister Klaus Stallmeister als Moderator des Prozesses nannte als ganz wesentlichen Aspekt der GEP-Entwicklung, „näher zusammenzurücken und gemeinsam voranzukommen“. Das Entwicklungsprogramm sei „eine Sammlung strategisch-politischer Themen“. In ihrer Außenwirkung sorge es für Transparenz, im Rathaus könne es „die Arbeit zielgerichteter und konstruktiver“ machen.

Nach der Benennung der acht AK-Leiter soll ein jeweils erstes Treffen unverzüglich erfolgen. Im Idealfall findet auch noch ein zweites Treffen vor den Sommerferien statt. Noch heuer könnte die Arbeit dann abgeschlossen und dem Gemeinderat ein fertiges GEP zur Verabschiedung vorgelegt werden.

Zuletzt war das Papier in den Schubladen vergessen worden

Die Idee, staatliche Entwicklungspläne auch auf kommunaler Ebene anzuwenden, war in den 1970er Jahren geboren worden. Eine der ersten bayerischen Kommunen, die sich an diesem Lenkungsinstrument versuchte, war ab 1975 Eching unter Bürgermeister Joachim Enßlin. Durchschlagenden Erfolg entwickelte das kommunale GEP flächendeckend damals nicht, so dass Eching nahezu das einzige gelungene Exempel blieb.

Stallmeister, der das GEP Anfang der 2000er Jahre auch in Hallbergmoos implantierte, hatte sich dort ebenfalls auf das Echinger Vorbild berufen – und bringt es nun kurioserweise als Prozessmoderator nach Eching zurück, wo es in den letzten Dekaden etwas vergessen worden war. 1985 hatte es hier noch eine plangemäße Fortschreibung gegeben, die nächste Aktualisierung 2003 hinkte dann schon etwas hinterher – und seither war es hauptsächlich ein Papier für die Schubladen gewesen.

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