Zum letzten Mal schallt Blasmusik über das Freizeitgelände am Echinger See. Tausende Besucherinnen und Besucher tanzen zu poppiger Blasmusik, stoßen mit Plastikbechern – gefüllt mit Bier und Weinschorle – an und feiern, als würde sich nichts ändern. Doch zwischen Trompetenklängen und ausgelassener Stimmung liegt an diesem Wochenende ein Gefühl, das viele nicht loslässt: Wehmut und Melancholie. Nach zwölf Jahren verabschiedet sich die Brass Wiesn aus Eching. Mit dem Umzug nach Maxlrain endet für viele weit mehr als nur ein Festival. „Es ist schon traurig“, sagt etwa der Echinger Sebastian Uffinger. Er ist Anfang zwanzig und mit der Brass Wiesn vor der Haustüre aufgewachsen.
Ähnlich empfinden es auch andere Einheimische. Eine Gruppe junger Echinger, die ebenso seit den Anfängen dabei sind, spricht vom Ende einer Tradition. „Für uns als Echinger ist das schon hart“, sagt einer von ihnen. Die Freunde nicken zustimmend. Dass das Festival künftig an einem anderen Ort stattfinden wird, können sie sich nur schwer vorstellen. Immer wieder ist auf dem Gelände zu hören, dass die Brass Wiesn „einfach nach Eching gehört“.

Für viele sei das Festival das kulturelle Highlight des Jahres gewesen, in einer Gemeinde ohne eigenes großes Volksfest habe die Brass Wiesn eine wichtige Rolle übernommen. In vielen Gesprächen schwingt die Sorge mit, dass Eching künftig ein Stück Lebendigkeit verlieren könnte. „Jetzt wird Eching wieder einschlafen“, sagt eine langjährige Besucherin. Seit zwölf Jahren habe sie keine Brass Wiesn verpasst. Der Urlaub sei stets erst nach dem Festival geplant worden. Auch Michaela und Thomas Reichert verbinden mit dem Festival weit mehr als Musik. „Ich mag eigentlich keine großen Menschenmassen“, sagt Michaela Reichert. „Aber hier ist das anders. Jung und Alt feiern gemeinsam, und die Stimmung war immer friedlich.“

Gerade diese generationsübergreifende Atmosphäre habe die Brass Wiesn ausgezeichnet. Hinzu kamen die kurzen Wege, vergünstigte Eintrittskarten für Einheimische und die Gewissheit, jedes Jahr zahlreiche Bekannte aus dem Ort zu treffen. Nicht nur Besucher nehmen Abschied. Auch lokale Unternehmen verlieren einen festen Bestandteil ihres Sommers. Optikerin Katharina Neufeld war mit ihrer „Brillenbude“ bereits zum vierten Mal auf dem Festival vertreten. Für sie war die Brass Wiesn weit mehr als ein Verkaufsstand. „Es war immer eine gute Zeit“, sagt sie. „Wir haben viele lustige Menschen kennengelernt.“

Das Festival sei jedes Jahr ein Wiedersehen mit Freunden gewesen. Gleichzeitig habe es Leute „von überall her“ nach Eching gebracht und dem Ort eine Strahlkraft verliehen, die weit über den Landkreis hinausreichte. Dass das Festival den Standort verlässt, überrascht viele. Veranstalter Andreas Wolff verweist jedoch auf wirtschaftliche Zwänge. Die gestiegenen Produktionskosten hätten eine Fortführung in Eching kaum noch möglich gemacht. Höhere Ticketpreise seien keine realistische Lösung gewesen. „Wir lassen uns da auf etwas ein, bei dem wir selbst noch gar nicht wissen, was die Reise mit sich bringt“, sagt Wolff mit Blick auf den Neustart in Maxlrain. Umso mehr freue ihn der Vertrauensvorschuss vieler Besucherinnen und Besucher, die bereits angekündigt hätten, dem Festival folgen zu wollen. Gleichzeitig betont er die stets gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Bürgermeistern: „Es war immer kollegial.“

Ob die treuen Brass-Wiesn-Fans tatsächlich mitziehen, bleibt offen. Michaela und Thomas Reichert würden für das Festival durchaus rund 50 Kilometer fahren. Andere ziehen Grenzen. Campen komme für sie nicht infrage, höchstens eine Pension. Wieder andere hoffen, dass in Eching künftig neue Veranstaltungen entstehen, die sie wie bisher bequem mit dem Fahrrad erreichen können.
Während am letzten Festivalwochenende noch einmal gefeiert, getanzt und gesungen wird, steht für viele bereits fest: Mit dem Abschied der Brass Wiesn verliert Eching nicht nur ein erfolgreiches Musikfestival, sondern einen Ort der Begegnung. Über zwölf Jahre hinweg brachte es Generationen zusammen, machte den Landkreis Freising weit über seine Grenzen hinaus bekannt und schuf Erinnerungen, die bleiben werden, auch wenn die Musik künftig an einem anderen Ort spielt.

