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Golfplatz zwischen Eching und Fahrenzhausen:Im Dornröschenschlaf

Die Gemeinden Eching und Fahrenzhausen haben einst gegen eine Mülldeponie gekämpft. Seit dieser Zeit des Widerstands vor 30 Jahren gibt es den Zweckverband "Golfplatz Eichberg". Getagt hat das Gremium so gut wie nie.

Die neuen Gemeinderäte von Eching und Fahrenzhausen sind im Amt und haben ihre Vertreter in Zweckverbänden und Gremien benannt. Mit dabei sind Verbandsräte für den Zweckverband "Golfplatz Eichberg". Ein Golfplatz am Eichberg, mitten in den sanft geschwungenen Hügeln zwischen Günzenhausen und Hörenzhausen? Jeder, der hier vorbei kommt weiß, dort sind nur Felder, ein kleiner See und ein paar Waldstücke, wozu also einen Zweckverband?

Felder und ein wenig Wald liegen zwischen Günzen- und Hörenzhausen. Dass hier seit 30 Jahren ein Golfplatz genehmigt ist, weiß kaum noch jemand.

(Foto: Marco Einfeldt)

Und dennoch gibt es seit fast 30 Jahren einen rechtsgültigen Bebauungsplan für einen viele Hektar großen Landschaftsgolfplatz, der sich fast auf dem kompletten Gebiet zwischen Bundesstraße 13, der zu Fahrenzhausen gehörenden Ortschaft Hörenzhausen, der Staatsstraße 2339 und dem nordwestlichen Rand des zu Eching gehörenden Günzenhausen erstreckt. Ein Parkplatz für 120 Autos an der Staatsstraße gleich nach Hörenzhausen gehört zu der Anlage, zusammen mit bis zu vier Gebäuden. Gebaut worden ist der Golfplatz aber nie, obwohl durchaus immer wieder potenzielle Investoren bei den Rathäusern angeklopft haben.

Dass so gar nichts aus den Plänen wurde, liegt vor allem daran, dass diese vor über 30 Jahren eher strategischer Natur waren. Damals suchte München einen Platz für eine neue Mülldeponie, man ward auch fündig, unter anderem auf Fahrenzhauser Gemeindegebiet bei Hörenzhausen. Der gesamte Münchner Norden war aber zu der Zeit in Aufruhr, weil er ja mit der Mülldeponie in Freimann, den Autobahnen und einem ebenfalls geplanten Standortübungsplatz schon belastet genug war. Die Rathäuser erhoben sich zum Abwehrkampf gegen Münchner Negativeinrichtungen, schlossen sich zur Nordallianz zusammen und setzten Positivplanungen entgegen, nach dem Motto: Wo schon etwas geplant ist, kann nichts anderes geplant werden.

Es gab viele Gründe, warum aus dem Golfplatz nie etwas wurde

Eine dieser Papier gewordenen Abwehrreaktionen war der Golfplatz Eichberg, dessen Bebauungsplan auf der Echinger Homepage und im Geoportal Bayern steht. Kleine Seen gibt es da, Biotope, "Driving Range" und "Übungsgrün". Auch ein Raumordnungsverfahren war vorab durchgeführt und positiv von der Regierung beschieden worden. Es habe schon immer wieder Interessenten gegeben, sagt der Fahrenzhauser Bürgermeister Heinrich Stadlbauer auf Nachfrage. "Aber dann haben die Bauern den Grund nicht hergegeben, und die Sache ist wieder eingeschlafen. Es gab viele Gründe, warum das immer kompliziert war und nie was geworden ist."

Dass der Zweckverband weiter besteht, scheint für die beiden Rathäuser dennoch selbstverständlich, wieder wurden Verbandsräte bestimmt, auch jetzt, obwohl, wie Stadlbauer sagt, "in der abgelaufenen Amtsperiode, glaube ich, keine einzige Sitzung stattgefunden hat". Das glaubt auch der geschäftsleitende Beamte von Eching, Georg Metz, der seit 18 Jahren im Amt ist und sagt, "so lange kenne ich das Gespenst. Aber da hat sich nie etwas getan".

Nicht unwahrscheinlich, dass das den meisten Anwohnern mehr als recht ist. Denn während der 30 Jahre, in denen der Golfplatz Eichberg in seinem Dornröschenschlaf liegt, hat sich einiges getan: Der Autoverkehr hat massiv zugenommen, Umweltschutzbestimmungen haben sich verschärft und der Mensch ist sensibler geworden für groß angelegte Planungen, negativer wie positiver.

© SZ vom 12.05.2020/nta
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