Echinger KommunalpolitikBürgermeister Sebastian Thaler räumt Kasse leer

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Echings Ex-Bürgermeister Sebastian Thaler hat seinem Nachfolger zum Abschied aus dem Rathaus ein leeres Verfügungskonto hinterlassen.
Echings Ex-Bürgermeister Sebastian Thaler hat seinem Nachfolger zum Abschied aus dem Rathaus ein leeres Verfügungskonto hinterlassen. Marco Einfeldt
  • Der abgewählte Echinger Bürgermeister Sebastian Thaler räumte am letzten Amtstag das Verfügungskonto leer und spendete fast alle 8000 Euro an Vereine.
  • Thaler verzichtete überraschend auf sein Gemeinderatsmandat, obwohl er explizit dafür kandidiert hatte und 2537 Stimmen erhielt.
  • Der Ex-Bürgermeister wurde wegen Untreue zu 240 Tagessätzen verurteilt und gegen ihn läuft ein weiteres dienstrechtliches Verfahren.
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Nach seiner Abwahl sorgt der scheidende Rathauschef mit umstrittenen Entscheidungen und offenen Konflikten für weitere Kritik. Das Geld auf dem Verfügungskonto seines Nachfolgers spendete er nahezu komplett an Vereine.

Von Klaus Bachhuber, Eching

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Dass der Echinger Bürgermeister Sebastian Thaler nach zehn Amtsjahren abgewählt wurde, war für viele seiner Gegner ein regelrechtes Fest. Und kurz vor seinem Abschied sorgte der Rathauschef ein weiteres Mal für neuen Zündstoff: Am letzten Amtstag räumte er das Verfügungskonto für das gesamte Jahr leer und spendete das Geld an ihm offenbar wohlgesonnene Vereine.

Mit 25,71 Euro an persönlicher Verfügungsmasse fürs restliche Jahr 2026 ist der neue Bürgermeister Michael Steigerwald am 1. Mai ins Amt gestartet. Die vom Gemeinderat zugewiesenen 8000 Euro dürfen vom Bürgermeister freihändig vergeben werden; gedacht sind sie für akute Bedarfe, Notfälle oder kurzfristige Gesten. Thaler hat den Etat nun vor seinem Ausscheiden nahezu vollständig ausgeschöpft.

Welche Vereine in den Genuss der Bürgermeister-Spenden gekommen sind, will das Rathaus nicht nennen, um keinen Unmut zu schüren; Thalers eigene Wählervereinigung Mega (Miteinander Eching gestalten) sei immerhin nicht darunter gewesen. „Extrem unkollegial“, nannte Steigerwald die Aktion seines Vorgängers, „und menschlich äußerst fragwürdig“. Damit ist nun der Gemeinderat gefragt: Er muss neue Verfügungsmittel bereitstellen – entweder über einen Nachtragshaushalt oder als überplanmäßige Ausgaben für den Rest des Jahres 2026.

Trotz diverser Vorfälle während seiner Amtszeit hätten 20,5 Prozent der stimmberechtigten Echingerinnen und Echinger Thaler gerne weiterhin im Amt gehalten; bei der Gemeinderatswahl erhielt er 2537 Stimmen. Auch diese Unterstützer enttäuschte er, indem er das Gemeinderatsmandat, für das er explizit kandidiert hatte, nicht antrat. Seine ablehnende Entscheidung gab er erst am Nachmittag vor der Sitzung des Wahlausschusses bekannt.  Selbst sein Listennachfolger Wolfgang Müller erfuhr laut eigener Aussage erst zwei Tage vor Beginn der Mandatszeit von seinem Aufrücken in den Gemeinderat.

Die Gruppierung Mega, die – auch dank der persönlichen Stimmen für Thaler – aus dem Stand drei Mandate im Gemeinderat errang, hatte bislang vor allem ein Ziel: die Unterstützung des Bürgermeisters. Im neuen Ratsgefüge wird sich zeigen, welchen Kurs die drei Räte nun einschlagen. Damit endet ein bemerkenswertes Kapitel in der jüngeren Echinger Geschichte – mit zwei Vorfällen, die die Kritik an Thaler weiter untermauern.

Alt-Bürgermeister Josef Riemensberger meldet sich zu Wort

In seinem letzten Bürgermeister-Brief im „Echinger Forum“ bezeichnete Thaler seine Abwahl erneut als weitgehend unverständlich. „Es ist traurig, dass die Mehrheit der Echinger mein erfolgreiches Engagement nicht wertschätzt“, schrieb er in der Rubrik für Mitteilungen aus dem Rathaus. Bei seinem Amtsantritt 2016 habe er „einen Scherbenhaufen“ übernommen, schrieb er zum Abschied, „eine hoch verschuldete und in einigen Bereichen personell und organisatorisch schwache Gemeinde“. Diese Darstellung rief sogar seinen Amtsvorgänger Josef Riemensberger auf den Plan, der sich in den zehn Amtsjahren seines Nachfolgers zuvor nie öffentlich zu Vorgängen im Rathaus geäußert hatte.

Nun meldete sich der Alt-Bürgermeister in einem offenen Brief zu Wort: Eine derartige Abqualifizierung sei „ein Schlag ins Gesicht auch all jener Bürgermeister, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter, die Eching über Jahrzehnte hinweg mit Augenmaß aufgebaut haben“. Thaler hatte bereits in seiner Wahlkampfrede zur Nominierung bei „Mega“ gesagt, er wolle wieder antreten, „damit Eching weiter professionell geführt wird“. Den seinerzeit vier Gegenkandidaten – oder überhaupt irgendwelchen Anwärtern – traute er das offenbar nicht zu.

Sebastian Thaler war 2016 als ortsfremder Quereinsteiger von der SPD nominiert und auch von Grünen, Bürgern für Eching, Echinger Mitte und ÖDP unterstützt worden. Sowohl bei der Wahl 2016 als auch nach der Zusammenlegung des Bürgermeisterwahlturnus mit den allgemeinen Kommunalwahlen 2020 erzielte er jeweils herausragende Wahlergebnisse.

Eine Abschiedsfeier für Thaler gibt es nicht

2021 setzte eine spektakuläre Durchsuchung durch die Staatsanwaltschaft im Echinger Rathaus eine Kette von Vorwürfen, Ermittlungen und Anklagen in Gang, die das politische Klima seither vergifteten. Die zweite Hälfte der Amtszeit von Thaler stand damit ganz im Zeichen dieser Konflikte; für Sacharbeit blieb kaum Raum. Seine einstigen Unterstützer wandten sich von ihm ab – und stellten teils eigene Gegenkandidaten auf.

Thaler wurde wegen Untreue gegenüber der eigenen Gemeinde rechtskräftig zu 240 Tagessätzen verurteilt, weil er einen Rechtsstreit nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung auf Kosten der Gemeinde begleichen ließ – zumindest teilweise rechtswidrig. Die Gemeinde klagt vor dem Verwaltungsgericht auf Rückerstattung weiterer Kosten; das Verfahren ist noch anhängig.
Zudem hat die Landesanwaltschaft ein dienstrechtliches Verfahren wegen Untreue und der Vergabe von Gemeindeaufträgen im fünfstelligen Bereich an seinen Schwager eingeleitet.

Eine Amtsübergabe durch seinen Vorgänger habe nicht stattgefunden, berichtete der neue Bürgermeister Steigerwald. Eine offizielle Verabschiedung Thalers durch die Gemeinde wird es nicht geben.

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