Bürgermeisterwahl 2026Vier gegen einen

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Das Echinger Rathaus ist der Wunsch-Arbeitsplatz mehrerer Bewerber für das Amt des Bürgermeisters.
Das Echinger Rathaus ist der Wunsch-Arbeitsplatz mehrerer Bewerber für das Amt des Bürgermeisters. Johannes Simon
  • Sebastian Thaler, der 2016 mit 62 Prozent zum Bürgermeister gewählt wurde, kämpft 2026 wegen einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Untreue gegen vier Herausforderer.
  • Alle einstigen Unterstützer haben sich von Thaler abgewandt und CSU, Freie Wähler, Grüne und SPD schicken eigene Kandidaten ins Rennen.
  • Die vier Gegenkandidaten haben sich in einer gemeinsamen Erklärung von Thaler abgesetzt und versprechen eine transparente und integre Rathausführung.
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Sebastian Thaler startete 2016 mit 62 Prozent als Hoffnungsträger in Eching – nun kämpft der wegen Untreue verurteilte Bürgermeister gegen vier Herausforderer um seine politische Zukunft. Alle einstigen Unterstützer haben sich abgewandt. CSU, Freie Wähler, Grüne und SPD schicken Gegenkandidaten ins Rennen.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Selten wohl war ein Bürgermeister mit größerem Vertrauensvorschuss gestartet. Wiewohl erst 29 Jahre alt, ortsfremd und politischer Quereinsteiger, unterstützten Sebastian Thaler bei seiner Kandidatur 2016 – bei der letzten Bürgermeisterwahl außerhalb des Kommunalwahlturnus – fünf Echinger Wählergruppierungen, und die Echinger wählten ihn mit 62 Prozent zum Chef in ihrem Rathaus; 2020 bestätigten sie ihn mit 77 Prozent trotz zweier Gegenkandidaten.

Doch in die Wahl 2026 geht Thaler mit der Hypothek einer rechtskräftigen Vorstrafe wegen Untreue gegenüber der eigenen Gemeinde. Anhängig ist weiterhin eine Anklage der Landesanwaltschaft wegen Dienstvergehen und eine Klage der eigenen Gemeinde gegen ihren Bürgermeister wegen mutmaßlich unrechtmäßiger Ausgaben. Alle einstigen Unterstützer haben sich von ihm abgewandt und schicken dem vorbestraften Bürgermeister vier Konkurrenten.

Damit treten so viele unterschiedliche Bewerber wie noch nie in Echings Geschichte an. Einig sind sich die vier Bewerber von CSU, FW, Grünen und SPD/ÖDP/Echinger Mitte in der Ablehnung des bisherigen Rathauschefs und seiner Machenschaften. In einer mindestens ungewöhnlichen gemeinsamen Erklärung haben sich die vier Kandidaten von Thaler abgesetzt, indem sie für sich „eine transparente, integre und verlässliche Führung des Rathauses“ versprechen – in Abgrenzung vom Amtsinhaber.

Die fünf Bewerber im Überblick:

Kandidat der CSU: Michael Steigerwald

Die CSU war bei Echings Aufstieg zur „Mustergemeinde“ mit bundesweiter Vorbildwirkung in den 1980ern meist zähneknirschende Randerscheinung, eroberte in den 2000ern dann aber sogar die absolute Mehrheit im Rathaus. Zuletzt erreichten ihre Kandidaten 38 und 15 Prozent der Stimmen. Michael Steigerwald, gelernter Steuerberater und nun Geschäftsführer einer GmbH, will einen Neuanfang für die Partei starten. Seit zwei Jahren bereitet sich der 49-Jährige persönlich mit Kursen und Seminaren auf das mögliche Amt vor. Als erster der fünf Bewerber hat er seinen Hut in den Ring geworfen. Als zentrales Thema nennt er Mobilität und postuliert ansonsten „Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Zusammenhalt“.

Michael Steigerwald (CSU) bereitet sich seit zwei Jahren auf das mögliche Amt vor.
Michael Steigerwald (CSU) bereitet sich seit zwei Jahren auf das mögliche Amt vor. Marco Einfeldt

Kandidat der Freien Wähler:  Christoph Gürtner

Auf seiner Webseite zeigt sich Christoph Gürtner nicht vor den üblichen Echinger Postkartenmotiven, sondern an Plätzen, die den Einheimischen etwas sagen. Der 42-Jährige setzt auf Hemdsärmeligkeit und Nahbarkeit. Sein Beruf als Chemieingenieur steht bei Vorstellungen nicht im Vordergrund; lieber lässt der verheiratete Vater zweier kleiner Kinder regelmäßig einfließen, dass er sich als Fußball-Schiedsrichter engagiert – und die nötige Durchsetzungsfähigkeit fürs Amt sieht er dadurch belegt, dass er seit Jahrzehnten beim Oktoberfest kellnert. Als einziger der Kandidatenriege ist Gürtner amtierender Gemeinderat, dem er seit 17 Jahren angehört. Als Sprachrohr seiner Gruppierung und einziger Autor der monatlichen Parteibeiträge im Ortsnachrichtenblatt ist er seit Jahren maximal präsent.

Setzt im Wahlkampf auf Hemdsärmeligkeit und Nahbarkeit: Gemeinderat Christoph Gürtner (Freie Wähler).
Setzt im Wahlkampf auf Hemdsärmeligkeit und Nahbarkeit: Gemeinderat Christoph Gürtner (Freie Wähler). Marco Einfeldt

Kandidat der Grünen: Eric Jacob

Obwohl nur eine von sieben Gruppierungen im Gemeinderat, aktuell die viertstärkste, stellen die Grünen den Zweiten und Dritten Bürgermeister. Vize Axel Reiß aber hört mit der Wahl auf, Dritter Bürgermeister Leon Eckert ist hauptberuflich Bundestagsabgeordneter in der zweiten Amtsperiode. Um das Bürgermeisteramt bewirbt sich als erster Grüner überhaupt Eric Jacob – 2016 und 2020 hatten auch die Grünen Thaler nominiert.  Jacob ist erst 22 Jahre jung und lebt seit drei Jahren in Eching. Hier hat er allerdings schon in diversen Vereinen angepackt. Nach einem Informatik-Studium arbeitet er am „Think Tank“ der TU München für die „GovTech“-Initiative, welche die Vernetzung von Kommunen und Ministerien zum Vorantreiben der Digitalisierung in der Verwaltung zum Ziel hat. Außerdem engagiert er sich in der Studenteninitiative „Public Makers“, die junge Fachkräfte für die öffentliche Verwaltung gewinnen will.

Jung und engagiert: Eric Jacob will für die Grünen in Eching Bürgermeister werden.
Jung und engagiert: Eric Jacob will für die Grünen in Eching Bürgermeister werden. Marco Einfeldt

Kandidat von SPD, Echinger Mitte und ÖDP: Victor Weizenegger

Die SPD, die 2016 Sebastian Thaler als erste präsentiert hatte, ehe sich weitere Gruppierungen an die Nominierung anschlossen, hatte unter den Verfehlungen des Bürgermeisters am stärksten zu leiden. Im Umgang mit Thaler zwischen Solidarität und Gegnerschaft hat es den Ortsverein massiv beschädigt. Den Neuanfang verkörpern will nun Weizenegger, der im Nachbarort Neufahrn lebt, zunächst als Ortsvorsitzender ein neues Kapitel aufschlug und das nun als Bürgermeisterkandidat fortsetzt. ÖDP und Echinger Mitte, die gemeinsam mit einer weiteren parteilosen Vereinigung eine  Gemeinderatsliste stellen, haben sich nach einem Check der Bewerber im Rennen ebenfalls für Weizenegger entschieden. Der 30-Jährige ist freiberuflicher Umwelt- und Schadstoffgutachter. Bezahlbarer Wohnraum und klimafreundliche Energieversorgung sind seine Schwerpunktthemen.

Der Bürgermeisterkandidat der SPD, Victor Weizenegger, wird auch von ÖDP und Echinger Mitte unterstützt.
Der Bürgermeisterkandidat der SPD, Victor Weizenegger, wird auch von ÖDP und Echinger Mitte unterstützt. Marco Einfeldt

Bürgermeister und Kandidat von „Mega“: Sebastian Thaler

Angesichts seiner Anklagen schien dem politischen Betrieb in Eching zeitweise sogar eine Amtsenthebung des Bürgermeisters möglich, was aber von der Landesanwaltschaft nicht beantragt wurde. Dann nahm Thaler in seiner Amtszeit berufsbegleitend ein Studium an einer privaten Wirtschafts-Uni auf, so dass der Absprung des 39-Jährigen spätestens mit der Kommunalwahl eingeleitet schien; Thaler selbst gab zu Protokoll, dass er seinen Abschied vorhatte. Zuletzt entschied er sich aber um und nachdem sich alle einstigen Unterstützer abgewandt hatten, gründete er mit der parteilosen Bewegung „Miteinander Eching gestalten (Mega)“ ein eigenes Vehikel für die erneute Bewerbung. Thaler sagt dazu, er möchte angestoßene Projekte seiner Amtszeit fortführen. Eching müsse weiter „professionell geführt werden“, was er der Konkurrenz wohl nicht zutraut.

Bürgermeister Sebastian Thaler tritt mit der Gruppierung „Miteinander Eching gestalten“ (Mega) noch einmal an.
Bürgermeister Sebastian Thaler tritt mit der Gruppierung „Miteinander Eching gestalten“ (Mega) noch einmal an. Marco Einfeldt
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