Echinger "Brass Wiesn":Ist die große Gaudi aus dem Ruder gelaufen?

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Echinger "Brass Wiesn": Bergeweise Müll musste entsorgt werden, nachdem die Festivalbesucher abzogen sind.

Bergeweise Müll musste entsorgt werden, nachdem die Festivalbesucher abzogen sind.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ein Festivalbesucher stirbt, ein anderer wird schwer verletzt: In den sozialen Netzwerken ist eine Debatte um die Sicherheit auf der "Brass Wiesn" entbrannt.

Von Birgit Goormann-Prugger, Eching

Nach den tragischen Vorfällen bei der Echinger "Brass Wiesn" ist in den sozialen Medien die Debatte darüber entbrannt, ob die Sicherheitsvorkehrungen bei dieser mehrtägigen Großveranstaltung, bei der Besucher und Besucherinnen oft reichlich dem Alkohol zusprechen, noch dazu an einem See, ausgereicht haben. Bekanntlich war am Freitagabend der 25-jährige Tobias D. aus dem Landkreis Erding verschwunden. Er war zu diesem Zeitpunkt schwer alkoholisiert. Seine Leiche wurde nach tagelangen Suchaktionen am Dienstag gegen 18.45 Uhr im Echinger See gefunden. Bereits gegen ein Uhr nachts am Freitag hatte ein Unbekannter außerhalb des Festivalgeländes, auf einem südlich gelegenen Feld, einen 34-jährigen Mann überfahren, der nach wie vor mit schweren Verletzungen in der Klinik liegt. Der Fahrer flüchtete und wird noch gesucht. Die Polizei ermittelt zu einem Verkehrsunfall auf öffentlichem Grund.

Auf detaillierte Fragen der SZ zum Thema Sicherheit antwortete Festivalveranstalter Alexander Wolff nur mit einem dünnen Statement: "Die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher auf der Brass Wiesn hat für uns zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität. Daher erarbeiten wir stets frühzeitig und in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden ein umfangreiches Sicherheitskonzept für das Veranstaltungsgelände", ließ er per Mail über seine Pressestelle mitteilen, und weiter: "Die Maßnahmen werden nach jeder Brass Wiesn bewertet und evaluiert und gegebenenfalls an aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse angepasst."

Heftige Debatte nach Facebook-Post des Veranstalters

Was die Netz-Gemeinde gerade erbost, ist die Facebookseite der "Brass Wiesn". Dort wurde der letzte Post am 9. August um 21.36 Uhr gesetzt. "Wir trauern um Tobias" steht da vor einer flackernden Kerze geschrieben. Doch am gleichen Tag um 12.22 Uhr, die Suche nach Tobias D. dauerte da bereits Tage, wurde auf genau diesem Account noch ein Foto von einem Vater mit zwei Kindern gepostet, die fröhlich auf einem Heuballen toben. "Großer Spaß für jung & alt ist beim Brass Wiesn Festival an der Tagesordnung", ist dazu zu lesen. Darunter entzündete sich eine heftige Debatte der User.

"Ein Festival mit einer Bilanz, die mehr als traurig ist. Müllberge, die nicht zu fassen sind ..., ein Schwerverletzter mit Unfallflucht und als tragische Krönung ein toter 25-Jähriger. Ich hoffe inständig, dass es das war mit diesen unseligen Festivals an unserem See", heißt es da unter anderem. Ein anderer User sagt: "Mir ist allerdings die Veranstaltung ... zu groß und aus dem Ruder gelaufen. Das Ganze ist leider in ein übles Massenbesäufnis-Komasaufen abgedriftet." Weiter heißt es dort: "Ein Festival mit viel Alkohol an einem See zu veranstalten, ist fahrlässig und dumm und nur deshalb konnte so etwas Schreckliches passieren."

Andere wiederum wollen den Festivalveranstalter nicht kritisieren, im Gegenteil: Menschenleben sowie einen Verletzten dafür zu benutzen, den eigenen Ärger über das Festival auszuleben, das sei beschämend, findet beispielsweise ein User. Tod und die Verletzung von Menschen zu instrumentalisieren, um Stimmung gegen Veranstaltungen im Allgemeinen zu machen, das sei ungehörig, schreibt der Mann weiter.

450 Einsätze für ein Großaufgebot an BRK-Helfern

Unterdessen haben die Rettungskräfte eine Bilanz der vergangenen Tage auf dem Festival gezogen. Rot Kreuz-Bereitschaften und Wasserwachten waren mit einem Großaufgebot bei der "Brass Wiesn" im Einsatz. 156 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kamen aus ganz Bayern, um die Bereitschaft und die Wasserwacht Eching bei der Absicherung dieses Sanitätswachdienstes zu unterstützen. Das Fazit: 450 Fälle in vier Tagen - vom kleinen Blasenpflaster bis hin zum Notarzteinsatz sei alles dabei gewesen, heißt es in der Presseerklärung des BRK.

In den allermeisten Fällen habe es sich um Bagatellversorgungen gehandelt, also kleine Pflaster oder einen Verbandswechsel. 17 Patientinnen und Patienten hätten in ein Krankenhaus gebracht werden müssen. Im Vergleich zu 2019, dem Jahr der letzten Brass Wiesn, sei die Zahl der Fälle um 200 angewachsen. Die Gründe: die Hitze und natürlich die steigenden Besucherzahlen.

Ein Lob gab es allerdings auch noch für die Besucher: "Unsere Ehrenamtlichen erleben bei den Einsätzen eine enorm hohe Hilfsbereitschaft bei den Festivalbesuchern und kommen oft zu Einsätzen, wo bereits erstklassig Erste-Hilfe geleistet wurde."

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