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Eching:Abwechslung im tristen Alltag

An den Tischen im Saal des ASZ ging es beim ersten "Internationalen Café" lebhaft zu. Echinger und Flüchtlinge lernten sie schnell besser kennen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die im Helferkreis engagierte Nachbarschaftshilfe hat ein "Internationales Café" für die Flüchtlinge im ASZ initiiert. Bei Spielen lernen sich Menschen verschiedenster Nationen kennen

Baboo hat großen Spaß beim Kartenspielen. Er lebt die Emotionen des Spielverlaufs voll aus und er fällt eh auf mit dem Kontrast seiner tiefschwarzen Haut und dem weißen Namensschild, das er sich nicht ans Revers geklebt hat, sondern auf die hohe Stirn. Für Watten oder Schaffkopf hat die Integration bisher eher wohl nicht gereicht, mit "Uno"-Karten wird hier am 12er-Tisch im Saal des ASZ ein international verständliches einfaches Spiel gekartelt, in einer Teilnehmerrunde, in der wohl jede denkbare Hautfarbe erkennbar ist und wo mehr Nationalitäten vertreten sind als das Kartenspiel Farben hat.

"Es sind dort ganz viele tolle junge Leute, die rausgehen und sich integrieren wollen", erzählt Brigitte Hanke-Hagenbusch über die Notunterkunft für Asylbewerber in der Sporthalle der Imma-Mack-Realschule. 250 ausschließlich junge Männer unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Nationen und Kulturen wohnen dort seit Wochen. Zusammengepfercht ohne Privatsphäre, Intimdistanz zum nächsten Bett 40 Zentimeter. Sie wollen raus - nur wohin bei Regen und Kälte? "Sie finden wenig Ansprache am Ort", bedauert Hanke-Hagenbusch.

Der Helferkreis Asyl bemüht sich immer wieder um Abwechslung. Am Samstag hat die im Helferkreis engagierte Nachbarschaftshilfe ein "Internationales Café" im ASZ initiiert. Die Damen des Vereins haben Kaffee gemacht, Kuchen gebacken und Spielesammlungen mitgebracht. Und jetzt brummt das Haus, spielen konzentrierte Männer aus Pakistan, Syrien oder Eching Schach oder Mühle, erklärt Helferkreis-Sprecherin Gertrud Wucherpfennig nigerianischen Frauen aus der Unterkunft über dem "Spatzennest" Mikado und wird vor allem viel geredet.

Es ist eine Abwechslung im tristen Alltag der Flüchtlinge, die nicht arbeiten dürfen und vieles andere noch nicht können. Es ist auch eine niederschwellige Gelegenheit für Interessenten, in die Betreuung einzusteigen. "In die Halle mag nicht jeder gehen", weiß Sonja Riemensperger, die das Zusammenspiel Helferkreis und Nachbarschaftshilfe managt. Der Helferkreis sucht dringend Helfer. "Ideal wäre so eine Aktion an sieben Tagen in der Woche", sagt Wucherpfennig.

Brigitte Hanke-Hagenbusch bringt sich gerne ein, "wenn ich Zeit und Lust habe, denn es soll auch Spaß machen". Im Jugendzentrum macht sie bei einer Konversationsgruppe mit, wo im Gespräch und mit viel Spielen Deutsch eingeübt wird. Ihre Tochter Timea hat mit Jana und Svenja eine Gruppe initiiert, in der die drei den Asylbewerbern das Gitarrespielen beibringen; Gitarren für die Gruppe können jederzeit gespendet werden. "Es werden viele kleine Sachen gemacht", erzählt Hanke-Hagenbusch, "und das macht Spaß".

In der überfüllten Notunterkunft fällt den Männern die Decke auf den Kopf. Immer wieder muss die Polizei anrücken, meist sind es Bagatellkrisen, wie sie in jeder Kneipe mehrfach am Abend vorkommen, selten schafft es ein Vorfall mal in die Nachrichten wie die Rauferei mit Flaschenwurf dieser Tage. "Es ist toll, wie es in Eching trotz der Enge trotz allem noch funktioniert", findet Hanke-Hagenbusch.

Irgendwann sollen die Flüchtlinge umziehen, in richtige Zimmer in eine ehemalige Fabrikhalle im Gewerbegebiet Ost. Offenbar hakt es noch an den nötigen behördlichen Stempeln. Die Realschule muss in der Halle ihre Prüfungen schreiben, das hat Landrat Josef Hauner erst diese Woche wieder versprochen, bis dahin müssen die 250 Männer umgezogen sein.

Die nächste große Party steigt wieder am 19. März, da ist das nächste "Internationale Café" der Nachbarschaftshilfe. Interessierte Helfer können einfach vorbeikommen oder sich melden bei Sonja Riemensperger, Tel. 0 89/3 19 26 97, ak-ik@echinger-helfen.de.