Dritte Startbahn:Seehofer in Attaching

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Horst Seehofer im Gespräch mit Anwohnern.

(Foto: privat)

2000 Startbahngegner empfangen den Ministerpräsidenten und singen die Bayernhymne. Unter großem Jubel erklärte der Ministerpräsident: "Wenn ich die Zahl der Flugbewegungen für den Augenblick nehme, so gibt es aktuell die Notwendigkeit für eine dritte Startbahn nicht."

Von Kerstin Vogel, Freising

Mit Spannung war der Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer in Attaching erwartet worden. Um 13.38 Uhr, also mit kleiner Verspätung, ist der für 13 Uhr angekündigte hohe Besuch vor dem Sportheim in dem Freisinger Ortsteil eingetroffen - erwartet von mindestens 2000 Besuchern. Der Grund für die Verspätung: Seehofer hatte sich in Schwaig zunächst selber ein Bild von der dort herrschenden Lärmbelastung gemacht, wo die Flugzeuge derzeit in 60, 70 Metern Höhe landen - also etwa so, wie man es mit einer dritten Startbahn in Attaching zu erwarten hätte. Anschließend stattete er noch den Anwesen von Ludwig Grüll und Franz Spitzenberger in Attaching einen kurzen Besuch ab. Zu hören bekam Seehofer dann auch vor der Sportgaststätte etwas - und zwar zunächst die vielstimmig gesungene Bayernhymne, Freisings Bürgermeisterin Eva Bönig hatte Noten und Text vorsorglich vorab verteilt - für beide Strophen. Seehofer überließ zunächst Landrat Josef Hauner das Wort, der auch im Namen von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher für den Besuch dankte. Hauner unterstrich, dass Stadt und Landkreis Freising keine Flughafengegner seien.

Das friedliche Miteinander sei jedoch durch den Beschluss zum Bau einer dritten Startbahn gestört worden. Der Freisinger Landrat bat den Ministerpräsidenten eindringlich darum, die Argumente der Attachinger in seine Entscheidung einzubeziehen.

Seehofer versicherte zu Beginn seiner Rede, dass die Bürgerinitiativen "starke Argumente" hätten und versprach einmal mehr, objektiv und ergebnisoffen zu entscheiden. Dabei zähle das Argument und nicht die Stärke der Lobbyisten. Es wäre keine ehrliche Politik, heute zu sagen, dass die Startbahn nicht gebaut werde, so Seehofer weiter. "Dafür brauche ich den Landtag und meine Regierung."

Unter großem Jubel erklärte der Ministerpräsident weiter: "Wenn ich die Zahl der Flugbewegungen für den Augenblick nehme, so gibt es aktuell die Notwendigkeit für eine dritte Startbahn nicht."

Die Attachinger und viele Freisinger nutzten anschließend ausgiebig die Gelegenheit, dem hohen Besuch die verschiedenen Aspekte ihres Protestes nahezubringen. Ob Sorge vor den Luftschadstoffen, Kritik am Flächenverbrauch oder der Zerstörung der letzten Freisinger Naherholungsgebiete - dass es in der Region bei weitem nicht nur um den Lärm geht, dürfte Seehofer nach diesem Besuch auf jeden Fall klar gewesen sein.

© SZ vom 30.10.2015
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