Dritte Startbahn Saisonarbeit im Moos

Gegner-Anwälte und brütende Vögel: Ob der Flughafen wie geplant erweitert werden kann, hängt von vielen Dingen ab

Von Marco Völklein

Allein die Baugenehmigung umfasst knapp 3000 Seiten, hinzu kommen unzählige Gutachten und Gegengutachten, die Klageschriften der 20 Klageparteien sowie die Stellungnahmen der Flughafen-Anwälte. Der promovierte Jurist Erwin Allesch und seine beiden Kollegen vom achten Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) werden sich durch eine ganze Menge Papier arbeiten müssen, um zu einer Entscheidung über die geplante dritte Start- und Landebahn am Flughafen zu gelangen. Bis wann die Richter diese treffen werden, ist offen. Klar ist aber: Wenn die Klagen gegen das Projekt nicht bis zum Frühjahr 2013 abgearbeitet sind, wird es nichts mit der geplanten Inbetriebnahme der vier Kilometer langen Betonpiste zum Start des Winterflugplans 2015.

Flughafenchef Michael Kerkloh halt an diesem Termin allerdings nach wie vor fest. Er rechnet nicht mit "erheblichen Verzögerungen", wie er sagt. Noch sei alles im Plan. Dennoch könnte es zu Verzögerungen kommen, sollte der VGH sich mit seiner Entscheidung etwas mehr Zeit lassen. Denn beim Startschuss für den Bau hat der Flughafen "die Vegetationsperioden zu beachten", wie Kerkloh sagt - bestimmte Baumaßnahmen sind nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich.

Tatsächlich ist der Bau der 1,2 Milliarden Euro teuren Piste eng getaktet. Unterm Strich veranschlagen die Bauingenieure des Airports in ihrem Grobterminplan etwa zweieinhalb Jahre Bauzeit. Bevor sie mit den eigentlichen Arbeiten für die Start- und Landebahn beginnen können, müssen die Baufirmen umfangreiche Vorabmaßnahmen angehen - unter anderem müssen Straßen und Entwässerungsgräben großräumig verlegt werden. Um dies bewerkstelligen zu können, müssen die Arbeiter vorher die Fläche nordöstlich des bestehenden Airports roden. Doch das ist - wie bei allen Großprojekten - nicht das ganze Jahr über erlaubt. Sobald im Frühjahr zum Beispiel Vögel beginnen, auf dem Gelände zu brüten, dürfen die Bauarbeiter das Areal nicht mehr abräumen. Sie müssen in diesem Fall warten bis zum nächsten Herbst.

Das Großprojekt dann zeitlich zu straffen, dürfte knifflig werden. Denn geplant haben die Ingenieure neben dem Bau der eigentlichen Start- und Landebahn im Nordosten auch noch die Errichtung zweier neuer Vorfelder östlich des bestehenden Areals. Diese werden benötigt, um die zusätzlichen Jets abstellen zu können, die der Flughafen mit der dritten Piste ins Moos locken will. Geplant ist, in einem ersten Bauabschnitt die neue Bahn zu betonieren und anschließend in weiteren Schritten die beiden neuen Vorfelder zu errichten. Dies allerdings geht laut den Planunterlagen des Flughafens nur abschnittsweise und nicht gleichzeitig. Denn die Ingenieure benötigen immer wieder große Flächen, um etwa Baumaschinen und Erdaushub zu lagern.

Noch allerdings sieht Kerkloh diesen Bauablauf nicht in Gefahr. Er hofft darauf, dass die VGH-Richter spätestens im ersten Quartal 2013 entscheiden werden. Vermutlich anschließend will er sich die Zustimmung der Gesellschafter (also von Freistaat, Bund und der Stadt München) holen, um dann möglichst rasch beginnen zu können. Die Ausbaugegner sehen diesen Zeitplan mit mehreren Fragezeichen behaftet: Zum einen ist aus ihrer Sicht offen, ob das Gericht den Bau überhaupt gestattet. Außerdem lassen sich Verwaltungsrichter bei komplizierten Projekten gerne auch mal länger Zeit.