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Dritte Startbahn:Das Damoklesschwert muss weg

2000 Menschen beteiligen sich an der Großkundgebung gegen die dritte Startbahn in der Freisinger Innenstadt.

Von Peter Becker

Die Redner auf der Bühne vor dem Freisinger Kriegerdenkmal sind sich sicher:" Wir werden siegen." Wenn es nach ihnen geht, versprachen sie während einer Kundgebung vor einer großen Zuhörerschaft, werde die dritte Startbahn niemals gebaut. Der Freisinger Landrat Josef Hauner (CSU) sagte, er werde demnächst dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer darlegen, warum er als CSU-Landrat gegen die Flughafenerweiterung sei. Dafür bekommt er vom Eittinger Bürgermeister Georg Wiester mit auf den Weg, er solle den Ministerpräsidenten an seine Versicherung erinnern, der Bau einer dritten Startbahn sei solange kein Thema, bis der S-Bahn-Ringschluss und der Anschluss der Flughafentangente an die Autobahn A 94 gebaut seien.

Für Empörung sorgte ein Bericht über Aufgemuckt-Sprecher Hartmut Binner in der jüngsten Ausgabe des politischen Magazins "Der Spiegel". Darin hatte sich Michael Kerkloh, Geschäftsführer der Flughafen München GmbH (FMG) abschätzig über Binner und seine Mitstreiter geäußert. Diese Generation der über 70-Jährigen, die gegen eine dritte Startbahn demonstriere, brauche sich schließlich nicht mehr darum zu kümmern, wie es in 50 Jahren um den Wohlstand in Bayern bestellt sei. Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) konterte: "Ich bin 36 Jahre alt. Und ich will auch noch in 50 Jahren in meiner Heimat leben." Auch der Berglerner Alt-Bürgermeister und Vorsitzende der Fluglärmkommission Herbert Knur findet es unsäglich, dass Kerkloh auf Binners Alter anspielt. "Er muss sich nicht in zynischer Weise sein Alter vorwerfen lassen", kritisierte er.

Die Redner zählten allesamt die negativen Konsequenzen auf, die eine dritte Startbahn nach sich ziehen würde. Binner ging in seiner Rede ausführlich auf gesundheitliche Folgen von Lärm und Abgasen ein. Die Stadt Freising sei in ihrer Entwicklung und Planungshoheit beeinträchtigt, klagte Eschenbacher. Sie ersticke im Verkehr und leide unter dem Siedlungsdruck. Wie weitere Redner nach ihm verwies er darauf, dass Prognosen und Wirklichkeit zur Entwicklung des Flugverkehrs weit auseinander klafften. Das sei im Urteil des Verwaltungsgerichtshofs nicht berücksichtigt worden.

Landrat Hauner sagte, dass der Flughafen im Erdinger Moos einst als Ersatz für den Flughafen in Riem geplant worden sei. "Dieser Funktion wird er seit langem gerecht", stellte Hauner fest. Damit muss es nun auch gut sein. "Wir brauchen keinen Umsteige-Flughafen im Erdinger Moos", betonte er. Städte, Landkreise und Gemeinden hätten im übrigen Wichtigeres zu tun, als sich ständig mit der dritten Startbahn zu beschäftigen. "Das Damoklesschwert muss endlich verschwinden", forderte Hauner.

Wiester beschrieb das Schicksal der kleinen Gemeinde Eittingermoos. Eingekeilt zwischen zwei Lärmquellen, der Autobahn und einem näher rückenden Flughafen, sei dort ein Leben künftig nicht mehr möglich. Schon jetzt leide die Gemeinde von fünf Uhr morgens an unter dem Lärm am Flughafen. Wiester verglich die "Widerständler" mit Marathonläufern, die auf den letzten Metern noch einmal all ihre Kräfte mobilisierten. In diesem Fall, um die Zulassung der Revision vor dem Bundesverfassungsgericht und letztendlich die Ablehnung der dritten Bahn zu erstreiten. Landtagsabgeordneter Christian Magerl (Grüne) findet es skandalös, wie mit den Belangen des Naturschutzes umgegangen werde.

© SZ vom 21.07.2014
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