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Dritte Startbahn:CSU fordert von Seehofer ein Sonderprogramm

Die Attachinger rüsten sich zum Abwehrkampf gegen das Horrorszenario einer dritten Startbahn. Der CSU-Abgeordnete Florian Herrmann wendet sich indes direkt an mit Ministerpräsident Seehofer - und stellt Forderungen.

Kerstin Vogel

Die Bürger von Attaching wollen das "von der Regierung von Oberbayern genehmigte Horrorszenario" einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen nicht hinnehmen. Sie halten deshalb an diesem Donnerstag, 11. August, eine Informationsveranstaltung ab, zu der als Redner OB Dieter Thalhammer, der Landrat und Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, Michael Schwaiger, sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl erwartet werden.

Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Florian Herrmann hat sich unterdessen mit einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer gewendet und Forderungen formuliert - unter anderem nach einem "Sonderprogramm Flughafenumland". Herrmann erinnert in seinem auch vom zweiten Freisinger Bürgermeister Rudi Schwaiger und dem CSU-Ortsvorsitzenden Erich Irlstorfer unterzeichneten Schreiben zunächst daran, dass die Freisinger Christsozialen den Bau der dritten Startbahn ablehnen.

Es nütze jedoch nichts, wenn gar nicht mehr miteinander geredet werde, so Herrmann, der deshalb einen Gesprächstermin mit "den Unterzeichnern dieses Briefes" sowie dem CSU-Bundestagsabgeordneten Franz Obermeier, OB Thalhammer, Landrat Michael Schwaiger und dessen Vertreterin Anita Meinelt anregt. Neben der Bedarfsfrage wolle man dabei einen konkreten Zeitplan für die "längst überfälligen" Infrastrukturmaßnahmen erörtern, plant der Abgeordnete - und listet auf: Finanzierung von Freisinger und Moosburger Westtangente, Realisierung der Nordostumfahrung von Freising sowie der Umgehungsstraßen für Allershausen und Fahrenzhausen, außerdem den Bau der Neufahrner Kurve und des Erdinger Ringschlusses.

Zur Umsetzung verlangt Herrmann von Seehofer ein "Sonderprogramm Flughafenumland", das neben dem Zeitplan auch die Mittel zur Finanzierung enthält. Außerdem soll ein "Umlandeuro" nach dem Modell des Wiener Flughafens eingeführt werden. Die Einnahmen daraus sollten "den Umlandgemeinden unmittelbar und dauerhaft zur Verfügung stehen". Für den Fall, dass an der dritten Startbahn festgehalten werde und die Gerichte den Bau nicht ablehnen, fordert Herrmann, die Nutzung der Bahn zu beschränken. Unter anderem sollten hier nur Landungen durchgeführt werden, von 22 bis 6 Uhr müsse absolutes Nachtflugverbot herrschen.

Für Attaching verlangen Herrmann und seine Parteifreunde großzügige Umsiedelungen. Die Betroffenen müssten "ohne Vermögenseinbußen neue Anwesen und Häuser erhalten können". Die Attachinger selber hoffen unterdessen, dass die Kirche ihre Grundstücke im Bereich der geplanten Startbahn wie versprochen nicht verkaufen oder tauschen wird und dass auch die Attachinger ihre Flächen nicht freiwillig der FMG überlassen: "Dieses Faustpfand werden wir als unser Schutzschild gegen die Zerstörung der Dorfgemeinschaft verwenden und mit all unseren Kräften verteidigen", heißt es in der Einladung zu der Infoveranstaltung, die heute um 19.30 Uhr in der Attachinger Sporthalle beginnt. Als Gesprächspartner stehen auch die Anwälte der Schutzgemeinschaft und der Bürgerinitiative Attaching zur Verfügung.

© SZ vom 11.08.2011

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