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Dritte Piste am Flughafen:Startbahn soll 15 000 Jobs schaffen

Die Attachinger Bürger wollen ihren Heimat behalten. Würde die Startbahn gebaut, müsste der halbe Ort abgesiedelt werden.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Die bayerische Wirtschaft hat eine Studie vorgelegt, in der es heißt, dass eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen mehr als 15 300 Jobs schaffe.
  • Die Forscher räumen aber ein, dass sie für dieses Ergebnis von einem Worst-Case-Szenario ausgegangen sind.
  • Kritiker sprechen von "wilden Rechenspielen".

Mit einer neuen Studie zur Wirtschaftskraft des Münchner Flughafens will die bayerische Wirtschaft versuchen, die Staatsregierung zu einem "Ja" zur geplanten dritten Start- und Landebahn im Erdinger Moos zu bewegen. Laut der Untersuchung der beiden Wirtschaftsforschungsinstitute IW Consult und Economica würde der Bau der dritten Piste mehr als 15 300 neue Arbeitsplätze im Freistaat schaffen.

Umgekehrt drohe ohne den Ausbau der Verlust von 17 400 Arbeitsplätzen im Freistaat, sagte Alfred Gaffal, der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), am Freitag. Die dritte Startbahn sei "im Interesse der Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft" notwendig, so Gaffal weiter.

Wie die Begründung lautet

In ihrer Studie zeigen die Forscher auf, dass der Airport als Luftverkehrsdrehkreuz eine Wertschöpfung von 4,4 Milliarden Euro pro Jahr sowie fast 70 000 Arbeitsplätze in Bayern sichert. Sollte die dritte Startbahn nicht gebaut werden, könnte der Münchner Flughafen auf lange Sicht seine Drehkreuzfunktion verlieren, befürchtet Gaffal.

Dann, so die Forscher in ihrer Studie weiter, würden dem Flughafen nicht nur 5,2 Millionen umsteigende Passagiere pro Jahr fehlen, vielmehr würden auch weniger Einsteiger ins Erdinger Moos kommen, weil unter anderem viele Direktverbindungen wegfielen.

Unterm Strich würden so dem Flughafen 11,1 Millionen Passagiere fehlen - dies hätte den Wegfall von 977 Millionen Euro Bruttowertschöpfung zur Folge sowie den Verlust von bayernweit 17 400 Jobs. Deutschlandweit beziffern die Forscher den Jobverlust auf 22 600. Ohne dritte Start- und Landebahn werde "die Wettbewerbsfähigkeit Bayerns im Ganzen leiden", sagte Gaffal.

Allerdings räumten die Forscher auch ein, dass sie ein Worst-Case-Szenario unterstellt haben, also den schlimmstmöglichen Fall. Tatsächlich errichtet die Lufthansa derzeit zusammen mit dem Flughafen ein neues Abfertigungsterminal im Erdinger Moos - was eher nicht darauf hindeutet, dass sie sich von ihrem Drehkreuz in München komplett verabschiedet.

Was Kritiker dazu der Studie sagen

Der Landtagsabgeordnete Benno Zierer (Freie Wähler) sprach daher von einer "völligen Luftnummer", der Grünen-Abgeordnete Christian Magerl von "wilden Rechenspielen mancher Zahlenakrobaten". Zierer unterstellte den Wirtschaftsvertretern, sie bauten "ein Horrorszenario auf, um den Bau der dritten Startbahn zu forcieren".

Studienautor Christian Helmenstein vom Economica-Institut verwies indes auf den Düsseldorfer Flughafen, der - nachdem die Lufthansa dort ihr Drehkreuz abgezogen und nach München verlagert habe - nach und nach an Bedeutung eingebüßt habe. Die Worst-Case-Zahlen sollten "zeigen, in welcher Größenordnung wir uns da bewegen", so Helmenstein.

Hintergrund des Streits ist die Ankündigung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), spätestens bis Ende November über die Startbahn entscheiden zu wollen. Zuletzt hatten sich drei Minister aus seinem Kabinett - Markus Söder (Finanzen), Joachim Herrmann (Verkehr), Ilse Aigner (Wirtschaft) - für die dritte Piste ausgesprochen. Die Ausbaugegner hoffen indes, dass Seehofer zumindest ein Moratorium über das Projekt verhängt.

Denn nach wie vor fühlt sich die Spitze der Stadt München an das ablehnende Bürgervotum von 2012 gebunden - und blockiert damit das Ausbauvorhaben. Dieses Votum könnte nach allgemeiner Auffassung im Rathaus nur durch einen neuen Bürgerentscheid ausgehebelt werden. Doch weit und breit ist niemand in Sicht, der eine neuerliche Abstimmung anstoßen könnte - bislang jedenfalls: "Wenn der Ministerpräsident erklärt: Er will die dritte Startbahn", so VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt zur SZ, "dann bin ich der erste, der Unterschriften sammeln geht".