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Dokumentarfilm:Luftkrieg über dem Landkreis

Der Fürholzener Heimatforscher Ernst Keller beschäftigt sich mit Ereignissen aus dem Zweiten Weltkrieg

Von Birgit Grundner, Neufahrn/Freising

Manchmal ist ein Blick auf den Heuboden der Anfang einer großen Geschichte: Ein betagter Neufahrner Landwirt hat dort noch ein Giebelteil einer der Baracken gelagert, die im Zweiten Weltkrieg an der Dietersheimer Straße standen. Das Lager war eine Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau, die 500 Häftlinge sollten in der Garchinger Heide eine Landebahn für Düsenjäger der Nationalsozialisten bauen. Ein Handwerker aus dem Ort wiederum erledigte als junger Mann Elektroarbeiten in den Baracken. Eine Lampe hat er bis heute aufbewahrt.

Eine Gruppe um den Fürholzener Heimatforscher Ernst Keller hat viele solche Geschichten gesammelt und mit 70 Zeitzeugen gesprochen - zum Beispiel mit dem Echinger, der als Kind 1944 eine schreckliche Beobachtung gemacht hat: Bei Ottenburg war eine US-amerikanische Maschine abgeschossen worden, fünf von acht überlebenden Besatzungsmitgliedern wurden auf Befehl des NSDAP-Kreisleiters erschossen. Drei Jahre lang hat Keller in Zusammenarbeit mit dem Verein der Bayerischen Flugzeughistoriker recherchiert. Das Ergebnis der aufwendigen Arbeit ist die zweiteilige Filmdokumentation "Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam". Sie entstand in Kooperation mit dem Stadtarchiv Freising, dem Kreis-Krieger- und Soldatenverband Freising und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Produziert wurde sie im Studio Winklmeier in Fürholzen. Premiere ist am Sonntag, 31. Januar, um 15 Uhr im Freisinger Asamsaal.

Der erste Teil beschäftigt sich 55 Minuten lang mit Geschichten um den Luftkrieg im südlichen Landkreis. Der 65 Minuten lange zweite Teil behandelt ausschließlich den Bombenangriff auf Freising vom 18. April 1945 mit 224 Toten. Viele der Fotos, Dokumente und Filmaufzeichnungen werden erstmals gezeigt, sie zeichnen Details und Hintergründe dieses Angriffs nach. Unter den Opfern waren zwei Angehörige von prominenten Personen, wie Keller berichtet: Die Großeltern des aus den Medien bekannten Münchner Pfarrers Rainer Maria Schießler starben bei dem Angriff. Der Produzent und Regisseur Armin Maiwald ("Sendung mit der Maus") verlor seinen Vater. Die beiden Familien-Schicksale werden in dem Film dargestellt.

Schon 2008 war unter Kellers Federführung ein viel beachteter Film entstanden: "Damals . . . Unsere Heimat in der Zeit der Weltkriege". Danach hatten die weiteren Forschungen des Fürholzeners unter anderem zur Entdeckung von Flugzeugteilen aus dem Zweiten Weltkrieg geführt. Die amerikanische Maschine war nach einem Luftkampf nahe Fürholzen abgestürzt, und das Schicksal des Piloten konnte 69 Jahre nach dessen Tod aufgeklärt werden. Alles wurde genau dokumentiert. "Danach dachte ich mir, wir haben so gutes Filmmaterial - wir sollten das nicht nur auf einen Fall beschränken", erinnert sich Keller. Es war der Auslöser für das jetzige neue Filmprojekt. Keller hat dafür per Internet sogar direkt in den USA recherchiert. Dort gibt es Vereine, welche die Geschehnisse der Weltkriege bis hin zu einzelnen Luftangriffen detailliert erforschen, berichtet Keller.

Für die Premiere des Films "Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam" am 31. Januar im Asamsaal sind alle Platzkarten vergeben. Der Film wird jedoch im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten im Landkreis mehrmals gezeigt werden. Zwei größere, zeitnahe Aufführungen finden statt am Donnerstag, 18. Februar, um 17 Uhr im Cineplex in Neufahrn sowie am Sonntag, 28. Februar, um 17 Uhr in der Christi-Himmelfahrts-Kirche in Freising (Eintritt frei).

© SZ vom 21.01.2016
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