Diskussion um Schulzentrum Nord Zukunft gegen Vergangenheit

Zwei Baracken sollen an der Schlesierstraße abgerissen werden. Dafür gewinnen die umliegenden Schulen Platz für eine Mensa und einen Sportplatz.

(Foto: Marco Einfeldt)

Emotionale Debatte im Moosburger Stadtrat über die Erweiterung des Schulzentrums Nord an der Schlesierstraße. Dafür müssen denkmalgeschützte Wachbaracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers weichen.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Der Bebauungsplan für das städtische Grundstück an der Schlesierstraße ist in Moosburg seit Jahren ein heikles Thema. Der dort geplanten Erweiterung des Schulzentrums Nord samt Sportstätten, Parkplätzen und vor allem einer Mensa stehen drei denkmalgeschützte Wachbaracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag VII A entgegen. Zukunft gegen Vergangenheit, auf diese Formel ließ sich das am Montagabend in der Sitzung des Stadtrats verdichten, in der das Thema erneut auf der Tagesordnung stand. Am Ende rang man sich dazu durch, dass es ein bisschen von beidem sein soll.

Nach einer leidenschaftlich geführten Diskussion, in der Argumente intensiv ausgetauscht, teils emotionale Vorwürfe an die Gegenseite ausgeteilt und wieder zurückgenommen worden sind, in der aber auch konstruktiv nach Lösungen gerungen worden ist, fand der Kompromissvorschlag der Verwaltung eine 15:9-Stimmen-Mehrheit. Am Planentwurf vom April 2015 soll demnach festgehalten werden. Die Baracken Nummer 3 und Nummer 5 sollen zu Gunsten von Mensa und Sportplatz abgerissen und die Baracke 1 erhalten bleiben. Darin soll, vorwiegend für die Schulen, ein interaktives Stalag-Museum errichtet werden. Die stark verfallene Sabathiel-Baracke am anderen Ende der Neustadt, die letzte noch stehende Gefangenenunterkunft in Moosburg, soll im Museum an der Schlesierstraße virtuell erhalten bleiben. "Hierfür soll ein berührungsloser 3-D-Scan erstellt werden, auf dessen Grundlage ein 3-D-Modell der Baracke entsteht, das mit geeigneter CAD-Software virtuell begangen werden kann", heißt es im Beschluss.

Bürgermeisterin Meinelt hat ein "ungutes Gefühl"

Mit diesen Vorgaben wird Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU) nun in die Verhandlungen mit den Denkmalschützern gehen. Allerdings tut sie das mit einem unguten Gefühl, wie sie durchblicken ließ. Zwar habe sie das Konzept bereits dem Leiter der Denkmalschutzbehörde vorgestellt, "und der hat gesagt: Das hört sich gut an", so Meinelt. Allerdings sei ihr auch zu verstehen gegeben worden, dass sie mit einem klaren Signal des Stadtrats für die Unterstützung des Schulzentrumausbaus kommen möge. "Und das ist kein klares Signal", kommentierte sie das Abstimmungsergebnis.

Antrag von Erwin Köhler

Zukunft noch immer ungeklärt

Der Stadtrat denkt weiter über die Stalag-Wachbaracken nach

Gegen den Beschluss stimmten Erwin Köhler, Ludwig Haberl (beide UMB), Jörg Kästl (ÖDP), Stefan John (Linke), Johann Reif (FW) sowie die Grünen Michael Stanglmaier, Johannes Becher, Evelin Altenbeck und Alfred Wagner. Wobei Letztere sich nicht gegen die Schulen aussprachen, wie Grünen-Sprecher Stanglmaier betonte: "Wir glauben nur nicht, dass das die beste Lösung ist." Die geplanten 131 ebenerdigen Parkplätze seien nicht zeitgemäß. Deshalb hatte er zuvor beantragt, ein Parkdeck zu errichten: "Dann könnte man Platz sparen, den gesamten schulischen Bedarf decken, die Baracke 3 stehen lassen und mit zwei Baracken wenigstens teilweise den Lagercharakter erhalten." Sein Antrag wurde jedoch mit 8:16 Stimmen abgelehnt. Mit demselben Ergebnis fiel auch der Antrag von Erwin Köhler durch. Er wollte den Abriss der Baracken 3 und 5 nur hinnehmen, "wenn als Gegenleistung die Sabathiel-Baracke erhalten und in seiner ursprünglichen Ausführung wieder hergerichtet wird". Johannes Becher wollte jedoch nicht zustimmen, "wenn man gar nicht weiß, was das Ganze kostet". Martin Pschorr (SPD) beantragte deshalb, zu ermitteln, ob die Sabathiel-Baracke saniert werden kann und zu welchem Preis. Dieser Antrag erhielt eine klare Mehrheit, nur Meinelt stimmte dagegen.

Pschorr betonte im Übrigen, dass die mit Gymnasium, Grund- und Mittelschule abgestimmten Pläne für die in seinen Augen notwendige Schulerweiterung schon älter seien und der Bedarf eher noch steigen werde. Eindrucksvoll konnte das Thomas Kerscher (CSU), selbst Lehrer an der Mittelschule, schildern. Er sprach von einem Schichtbetrieb in der Mensa "mit Zehnminutentakt und 80 Schülern pro Schicht". Die Mensa sei auf sieben bis acht Ganztagsklassen ausgerichtet, derzeit habe man jedoch deren 13 - Tendenz steigend. Sein Antrag, nach dem Abriss der Baracke 5 an deren Standort vorübergehend Mensa-Container für 70 Schüler aufzustellen, wurde mit 23:1 Stimmen angenommen. Lediglich Köhler lehnte ihn ab.