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Deutlich weniger Gäste:Aufwärtstrend jäh gestoppt

Corona-Pandemie führt im Kreis Freising zu einem überdurchschnittlichen Einbruch der Übernachtungszahlen

Von Petra Schnirch, Freising

Im Corona-Sommer 2020 haben viele auf Fernreisen verzichtet und Urlaub im eigenen Land gemacht, allerdings eher nicht in Freising und Umgebung. Die Übernachtungszahlen sind im Landkreis massiv zurückgegangen - deutlicher als im oberbayerischen Durchschnitt. In den Jahren zuvor hatten die Touristiker in der Region noch ein großes Plus verzeichnet. Doch die Pandemie habe den Aufwärtstrend "jäh gestoppt" und stelle die Gastgeber und Gastronomiebetriebe "auf eine harte Probe", sagt Martina Mayer, Tourismusreferentin am Landratsamt Freising.

Zwischen 2013 und 2019 hatte die Zahl der Übernachtungen im Landkreis um 31,5 Prozent gesteigert werden können, die der Gästeankünfte um 25,5 Prozent. Doch 2020 brachen letztere um 62,2 Prozent ein, die Übernachtungen um 51,4 Prozent auf 517 900. Oberbayernweit waren es 44,7 Prozent. Das Landratsamt beruft sich auf Zahlen des Landesamts für Statistik. Besonders groß war der Rückgang in Gemeinden in Flughafennähe wie Neufahrn, Eching, Hallbergmoos und Freising.

Die durchschnittliche Auslastungsquote bei Betrieben ab zehn Betten in der Region Freising sank auf 22,6 Prozent, wie es in der Mitteilung des Landratsamts weiter heißt. Lediglich bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer gab es eine Steigerung von 1,6 Tagen im Vorjahr auf 2,1 Tage. Das heißt, die Gäste, die nach Freising kamen, blieben dann etwas länger. "Ziel wird es auch zukünftig sein, die durchschnittliche Verweildauer durch gezielte Werbe- und Marketingmaßnahmen zu erhöhen und den Gästen einen längeren Aufenthalt im Landkreis schmackhaft zu machen", schildert Mayer.

Vor der Corona-Krise hatte sich der Tourismus sehr positiv entwickelt. 2019 konnte im Landkreis erneut die Marke von einer Million Übernachtungen geknackt werden. Mit etwa 1,07 Millionen waren es fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Auslastungsquote bei gewerblichen Betrieben mit zehn oder mehr Betten lag 2019 laut Landesamt für Statistik bei 46,7 Prozent und damit sogar ganz leicht über dem bayerischen Durchschnitt von 46,3 Prozent.

Die Gäste lassen viel Geld in der Region. Robert Stangl, Pressesprecher im Landratsamt, verweist auf eine Studie der DWIF Consulting GmbH zum Wirtschaftsfaktor Tourismus im Münchner Umland. Demnach gibt ein Übernachtungsgast im Hotel durchschnittlich 173,40 Euro, in einer Privatunterkunft 80,40 Euro und als Tagesausflügler 23,80 Euro aus. Insgesamt führte dies laut Landratsamt zu einem Brutto-Umsatz von 1,75 Milliarden Euro: Davon profitierten zu 52 Prozent das Gastgewerbe mit Hotellerie und Gastronomie, zu 29 Prozent der Einzelhandel und zu 19 Prozent weitere Dienstleistungen.

Da bei Tagesausflüglern derzeit Wandern, Radfahren und Naturerlebnisse an erster Stelle stehen, will der Landkreis diesen Trend aufgreifen und seinen Schwerpunkt 2021 auf die Weiterentwicklung der Outdoorangebote setzen, wie Martina Mayer ankündigt. Anfang April soll eine neue Radkarte mit Tourenvorschlägen erscheinen. Weitere Routen werden digital auf dem Portal "outdooractive" zu finden sein. Im Zuge der Aktion "Rausspaziert!" werden derzeit die Spazierwege und leichte Wanderungen aufbereitet und digitalisiert. Und auch die Themenbroschüre "Gartenschätze & Naturerlebnisse" wird es im Frühjahr in aktualisierter Version geben.

© SZ vom 04.03.2021
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