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Demographischer Wandel schreitet fort:Ein Pflegestützpunkt für den Landkreis Freising

Noch schnell beantragen: Entlastungsleistung für Pflege nutzen

840 Beratungsgespräche hat die unabhängige Pflegeberaterin Diana Flammann am Landratsamt zwischen April 2019 und September 2020 geführt.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Pflegeberaterin Diana Flammann hat in der Zeit von April 2019 bis September 2020 insgesamt 840 Beratungsgespräche geführt. Das zeigt, wie stark die Nachfrage in diesem Bereich ist

Von Peter Becker, Freising

840 Beratungsgespräche hat die unabhängige Pflegeberaterin Diana Flammann am Landratsamt zwischen April 2019 und September 2020 geführt. Ihren Dienst hat sie im Frühjahr des vergangenen Jahres angetreten. Diese Zahl, welche die Verwaltung des Landratsamts als Vorlage der Sitzung des Kreisausschusses des Kreistagsveröffentlichte, zeigt, wie stark die Nachfrage nach pflegerischer Beratung ist. Vor diesem Hintergrund hat das Gremium dem Antrag der CSU-Fraktion zugestimmt, im Landkreis einen Pflegestützpunkt zu errichten.

Die derzeitige Stelle einer unabhängigen Pflegeberatung bildet quasi den Grundstein für den Pflegestützpunkt. Das von Diana Flammann geschaffene Netzwerk, wie dem Fachstammtisch mit ambulanten, stationären und Tagespflegeeinrichtungen des Landkreises sowie dem Stammtisch für pflegende Angehörige soll erhalten bleiben. Das aktuelle Angebot finanziert der Landkreis als freiwillige Leistung. Der Vorteil des Pflegestützpunkts: Dieser wird zu zwei Dritteln von den Pflege- und Krankenkassen übernommen. Personell würden dem Landkreis aufgrund seiner Einwohnerzahl drei Personalstellen zustehen.

Landrat Helmut Petz (FW) findet die Idee, einen Pflegestützpunkt im Landkreis einzurichten "bestechend". "Der Bedarf ist da und wird zunehmen", prognostizierte er. Außerdem dürfe der Landkreis für das gleiche Geld wie aktuell drei Personen anstellen. Obendrein gewährt der Freistaat noch Zuwendungen für die Einrichtung eines Pflegestützpunkts.

"Eine gute Sache", lobte Michael Stanglmaier (Grüne). Er schlug vor, zunächst mit zwei Personalkräften zu starten und nach einer Evaluierung möglicherweise auf drei aufzustocken. "Das ist ein guter Weg", fand er. Stanglmaier griff einen Vorschlag auf, der bereits im Ausschuss für demografische und soziale Fragen geäußert wurde. "Wir sollten auch in die Fläche gehen", meinte der Grünen-Kreisrat. Der Pflegestützpunkt sollte nicht nur in Freising stationiert sein. Denn gerade für ältere Menschen bedeute es einen zusätzlichen Aufwand, dorthin zu kommen. Florian Lasch, Leiter der Abteilung Kommunales und Soziales im Landratsamt, stimmte dem zu. Zu den Leuten rauszufahren, das sei ein wichtiger Baustein des niederschwelligen Angebots. Wie das geschehen soll, das bedarf der Klärung. Die Gemeinden könnten Räume zur Verfügung stellen oder es könne Hausbesuche geben.

Lasch geht davon aus, dass es keine zwei Jahre dauere, bis der Pflegestützpunkt eingerichtet sei. Es gebe zwar keine Erfahrungswerte, aber im kommenden Jahr sollte das über die Bühne gehen. Rainer Schneider (FW) hält eine Anlaufstelle im Landkreis für sinnvoller. "Da sind die Verknüpfungsstellen", begründete er seine Ansicht. Er verweist darauf, dass es zu der Etablierung der Pflegestützpunkte ein langer Weg gewesen sei. Die Idee dazu besteht bereits seit dem Jahr 2009. Was laut Schneider deren Einrichtung so lange verzögert habe, sei die Abstimmung mit den Krankenkassen gewesen. Schneider riet ebenfalls dazu, zunächst mit zwei Personen zu starten, um zu schauen, wie sich so ein Pflegestützpunkt in der Praxis entwickle. Er sei sich aber sicher, dass der Landkreis ziemlich rasch auf drei Personen aufstocken müsse. "Der Bedarf wächst stündlich", sagte Schneider mit Blick auf die alternde Bevölkerung.

© SZ vom 01.12.2020
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