bedeckt München 11°

Das Jahr 2020 in Freising:Weniger Autos in der Stadt

Die umstrittene Westtangente ist im Bau, ein erstes Teilstück wurde im Juli dieses Jahres bereits für den Verkehr freigegeben, der Rest samt Tunnel unter Vötting folgt 2021.

(Foto: Marco Einfeldt)

Für die vom Freisinger Stadtrat mehrheitlich angestrebte Verkehrswende hat sich einiges getan, auch wenn die Maßnahmen, die nach und nach umgesetzt werden, einigen nicht ausreichen

Von Kerstin Vogel, Freising

In einer fast fern erscheinenden Zeit zu Beginn dieses Jahres, als kaum jemand von Corona wusste oder gar die mit der Pandemie einhergehenden Verwerfungen ahnte, da sah es so aus, als würde 2020 die drohende Klimakatastrophe das beherrschende Thema auch in der Freisinger Politik werden. Die "Fridays for future"-Bewegung wurde in der Domstadt aktiv und stieß auf viel Zustimmung. Im Januar rang sich der Stadtrat durch, den Klimanotstand wenn schon nicht "auszurufen", dann wenigstens "anzuerkennen" und verabschiedete eine Resolution, aus der nun zahlreiche Ziele und insgesamt 24 Maßnahmen für die Zukunft abgeleitet werden.

Dann allerdings kam Corona und bremste nicht nur die Aktivisten ganz praktisch ein, sondern verdrängte auch das Thema Klimawandel von der Agenda. Gleichwohl hat sich 2020 zumindest für die vom Freisinger Stadtrat mehrheitlich angestrebte Verkehrswende einiges getan - auch wenn die Maßnahmen, die nach und nach umgesetzt werden, einigen immer noch zu Auto-lastig sind. Denn die Ideen zu einer Verdrängung des motorisierten Verkehrs aus der Stadt, fußen alle auf dem Bau von Umgehungsstraßen rund um die Stadt - manch einem klingt da der alte Spruch: "Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten" durchaus in den Ohren.

In Freising indes ist diese Diskussion mittlerweile müßig. Die umstrittene Westtangente ist im Bau, ein erstes Teilstück wurde im Juli dieses Jahres bereits für den Verkehr freigegeben, der Rest samt Tunnel unter Vötting folgt 2021. Schon heuer wurde die B 301-Nordostumfahrung fertig, die Stadt sollte also ihren Blick nun auf die Fußgänger und Radler richten können. Tatsächlich hat sich 2020 auch hier etwas getan. Die Alte Poststraße in Neustift sowie die Kulturstraße und die Straße Zur Schwabenau in Lerchenfeld wurden zu Fahrradstraßen erklärt, am Bahnhof wurde eine moderne Fahrradabstellanlage eröffnet und zur Umfahrung der Dauerbaustellen in der Innenstadt wurde für Radlerinnen und Radler eine Sonderspur entlang der Kammergasse ausgewiesen - ein bisschen vielleicht auch als Test für die umstrittene Idee, auch aus der viel befahrenen Kammergasse eine Fahrradstraße zu machen.

Was die Neugestaltung der Innenstadt angeht, so haben die Arbeiten zur Öffnung der Stadtmoosach 2020 nun der Oberen Hauptstraße eine Dauerbaustelle beschert. Die Sanierung des Asamgebäudes schreitet voran, seit dem Frühjahr leuchtet das neu eingedeckte Dach in Ziegelrot, doch die Freisinger werden sich noch ein paar Jahre gedulden müssen, bis ihre Altstadt vollständig in neuem Glanz erstrahlt.

Zumindest ein auch schon sehr alter Streit ist hier aber 2020 bereits wieder aufgeflackert: Weil es mit dem neuen Verkehrskonzept in der bereits fertiggestellten Unteren Hauptstraße in den Augen mancher Anwohner und Besucher nicht so wirklich klappt und immer noch zu viele Autos in die Stadt fahren und auch wild dort parken, haben Grüne und Linke einmal mehr die Einführung einer Fußgängerzone gefordert. Die SPD hat sich umgehend dagegen positioniert, im Planungsausschuss wurde das Thema vertagt in das neue Jahr, in dem die Corona-Pandemie hoffentlich irgendwann wieder Raum lässt auf der Agenda. Da stehen schließlich immerhin 24 Maßnahmen für die Zukunft.

© SZ vom 30.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema