CSU im Landkreis Freising:Fehlersuche

CSU im Landkreis Freising: CSU-Kandidat Erich Irlstorfer kann sich wenigstens über das erneute Direktmandat freuen.

CSU-Kandidat Erich Irlstorfer kann sich wenigstens über das erneute Direktmandat freuen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Zum zweiten Mal in Folge erleidet die CSU herbe Verluste

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Man kann es nicht anders sagen, die Talfahrt der CSU im Landkreis Freising geht weiter. Zwar hat Erich Irlstorfer wieder das Direktmandat holen können. Zum zweiten Mal in Folge hat die Partei aber schwere Verluste hinnehmen. Wenn man allein das Abschneiden von Irlstorfer und seiner Partei in Gammelsdorf betrachtet, wird das schon klar. Irlstorfer lebt in Gammelsdorf. 2013 holte er dort 74,4 Prozent der Erststimmen, 2017 dann 56,2 Prozent und bei der Wahl am Sonntag waren es nur noch 38,2 Prozent der Erststimmen, die auf Irlstorfer fielen.

Von Zustimmungswerten von über 50 Prozent wie einst kann die CSU nur noch träumen. Bei den Erststimmen kam Irlstorfer bei dieser Wahl allenfalls einmal über 40 Prozent und das auch nur in den Gemeinden Zolling und Kirchdorf. Bei den Zweitstimmen kam die CSU im Landkreis überhaupt nicht mehr über 40 Prozent.

Und in der Großen Kreisstadt Freising? Irlstorfer liegt da bei den Erststimmen bei 26,6 Prozent (2017: 29,55) und bei den Zweitstimmen kommt die CSU auf 23,9 Prozent (2017: 29,08). In Freising gebe es eine Klientel, die bei den Themen, die im Wahlkampf bundesweit im Fokus standen, "sehr akzentuiert darauf setzt", erklärt sich Irlstorfer das. Und es gebe hier eben auch eine Szene im linken Lager. "Das wussten wir, trotzdem möchte ich klarstellen, dass wir auch die Stadt Freising gewonnen haben, der Abstand zu den Grünen ist hier zwar kleiner, aber die Union kann auch größere Städte gewinnen", so Irlstorfer.

Dennoch: zufrieden sein könne man mit dem Abschneiden der CSU im Landkreis nicht, bei aller Freude darüber, dass Erich Irlstorfer wieder das Direktmandat geholt habe, sagte der Freisinger CSU- Ortsvorsitzende Jürgen Mieskes. "Wir haben da einfach einen ganz anderen Anspruch." Die Talfahrt gehe weiter, das sei richtig. Aber man dürfe auch nicht vergessen, dass seit 2013 die AfD konservative Stimmen abziehe. Mit den Freien Wählern sei diesmal bundesweit noch ein weiterer Konkurrent hinzugekommen, analysierte Mieskes. Außerdem habe bei den Themen Klima- und Umweltschutz der Grünen-Kandidat besser punkten können. "Die CSU ist zwar auch bei diesen Themen gut aufgestellt, aber es wird uns nicht abgekauft, dass auch wir für Klima und Umweltschutz stehen, wir können das nicht glaubhaft rüberbringen". Was also tun? "Wir müssen unser Profil schärfen, wieder zu den Kernthemen zurückkehren, die die CSU in den vergangen Jahrzehnten ausgemacht haben. Wir müssen die Themen Umwelt und Klimaschutz neu denken und das dem Wählern auch transportieren", erklärt Jürgen Mieskes.

CSU-Kreisvorsitzender Florian Herrmann gratulierte natürlich Erich Irlstorfer zum Wiedereinzug in den Bundestag, verhehlte aber nicht seine Enttäuschung über die Niederlage insgesamt. "Wir wollten ja das Kanzleramt verteidigen und das steht ja jetzt in den Sternen, ob das überhaupt klappt, wir haben keinen unmittelbaren Regierungsauftrag, das ist nicht das, was wir erreichen wollten", sagte der Staatskanzleichef am Tag nach der Wahl. Das Wahlergebnis müsse man ernst nehmen und es müsse eine genaue Analyse erfolgen, auch in Gesprächen mit der Basis. Muss die CSU womöglich jünger werden und weiblicher? "Das ist ein Anspruch, den wir immer erfüllen wollen und da sind wir auch noch nicht am Ende angelangt, das ist völlig klar", erklärte Herrmann. Um als Volkspartei bestehen zu können, müsse man die Bevölkerung bei den Themen in der Breite ansprechen und auch in den unterschiedlichen Altersgruppen. "Das ist heute herausfordernder als noch vor 20, 30 Jahren", so Herrmann.

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