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Schutzmaßnahmen in Freising:Polizei verschärft Kontrollen

An den Tischen vor diesem Café werden wohl bis auf Weiteres keine Gäste bedient werden. Auf Grund der neuen Anordnung darf man das Haus in den nächsten zwei Wochen nur noch in begründeten Fällen verlassen. Ein Café-Besuch mit Freunden gehört nicht dazu.

(Foto: Marco Einfeldt)

Neue Ausgangsbeschränkungen bedeuten für die Beamten viel Arbeit. Sie hoffen nun auf die Vernunft der Leute - und auf schlechtes Wetter. Besorgte Bürger melden "Corona-Partys".

Schon am Freitagvormittag war abzusehen gewesen, dass die bayerische Staatsregierung die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor einer Infektion mit dem Coronavirus verstärken würde. Laut der Website des Freisinger Landratsamtes sind mittlerweile 160 Menschen allein im Landkreis Freising mit dem Virus infiziert. Gegen 11.30 Uhr kam dann die Meldung von der Stadt Freising, dass der Freisinger Wochenmarkt, der immer am Samstag und Mittwoch in der Innenstadt abgehalten wird, bis auf weiteres nun doch abgesagt werde. Zuletzt war der Andrang dort sehr groß, trotz der Aufforderung, möglichst zuhause zu bleiben. Angesichts der sich weiter verschärfenden Situation wurde am Freitag ebenfalls bekannt, dass auch am Freisinger Amtsgericht der Publikumsverkehr weiter eingeschränkt wird und von Montag an die Rechtsantragstelle nur noch in der Zeit von 9 bis 11 Uhr geöffnet ist.

Dass nun in Bayern seit der Nacht zum Samstag landesweite Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus gelten, bedeutet für die Freisinger Polizei zunächst einmal "viel Arbeit", wie der stellvertretende Inspektionsleiter Michael Ertl am Freitag sagte - und die hatte die Freisinger Polizei nach seinen Worten auch in den vergangenen Tagen bereits.

Es gab immer wieder Hinweise auf Corona-Partys und Sport in größeren Gruppen

"Aus der Bevölkerung sind immer wieder Hinweise von besorgten Bürgern zu Corona-Partys gekommen. Gemeldet wurden uns auch Fälle, bei denen Jugendliche zusammen in größeren Gruppen Sport getrieben haben. Dem sind wir dann eben nachgegangen. Manchmal hat sich das nicht bestätigt, aber manchmal eben schon", sagte Ertl.

In solchen Fällen rede die Polizei mit den Betreffenden, weise sie auf die geltende Anordnung hin - "und wir appellieren an den gesunden Menschenverstand". Bei den meisten fruchte das, andere müssten mit mehr Nachdruck darauf hingewiesen werden. Ob die Freisinger Polizei jetzt nach der neue Anordnung der Staatsregierung noch mehr zu tun bekommt, kann Ertl bisher nicht absehen. "Natürlich sind die Menschen jetzt sensibler und melden womöglich noch mehr Fälle, aber vielleicht halten sich ja die meisten dran."

Froh ist Ertl darüber, dass das Wetter an diesem Wochenende alles andere als frühlingshaft werden soll. "Das spielt uns gewissermaßen in die Karten", sagte er.

Auch der Moosburger Polizeichef Christian Bidinger berichtet von Anrufen besorgter Bürger, die der Meinung waren, dass die Menschen in bestimmten Fällen nicht genug Abstand zueinander gehalten hatten. "Aber das war überschaubar, kann sein, dass das jetzt noch mehr werden." Klar ist, dass die Polizei im Landkreis Freising die Einhaltung der neuen Anordnung jetzt auch verstärkt überwachen wird. "Die Polizei ist angehalten, die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren. Im Falle einer Kontrolle sind die triftigen Gründe durch den Betroffenen glaubhaft zu machen", heißt es in der Verfügung. "Wir fahren natürlich Streife und überwachen das", sagte Moosburgs Polizeichef Bidinger.

Zuwiderhandlungen können mit Geldbußen von bis zu 25 000 Euro geahndet werden

Wie kann das dann konkret aussehen? Ein Beispiel nennt Michael Ertl von der Polizei in Freising. "Wenn jetzt in Freising am Fürstendamm einer allein auf der Parkbank sitzt und sein Bier trinkt, dann darf er das. Wenn da fünf Personen zusammensitzen, dann müssen wir einschreiten." Für den, der sich da widersetzt, kann die Sache teuer werden. Die Zuwiderhandlung gilt zwar nur als Ordnungswidrigkeit, kann aber mit einer Geldbuße von bis zu 25 000 Euro geahndet werden.

Die Polizei versuche sich bei ihren Einsätzen auch so gut wie möglich selbst vor einer möglichen Infektion zu schützen, so Michael Ertl, zum Beispiel mit einem Mundschutz. Personell sei die Freisinger Polizei für diese Situation derzeit gut aufgestellt. Eine Urlaubssperre in dem Sinne gebe es nicht, entsprechende Anträge würden aber "restriktiv behandelt", sagte der stellvertretende Freisinger Inspektionsleiter. Und Christian Bidinger aus Moosburg fügte hinzu. "Im Moment geht es, aber bei mehreren Krankheitsfällen müssten wir wohl einige Strukturen bei uns verändern." Bidinger gibt in diesem Zusammenhang noch einen Tipp, wie man die Polizei in diesen Tagen ein wenig entlasten kann. "Kleine Dinge wie Fahrraddiebstähle, die man zur Anzeige bringen will, kann man auch online erledigen und zwar auf der Seite der Polizei Oberbayern Nord (zu finden unter dem Menüpunkt Infos und Funktionen)". Dann müsse man selbst nicht aus dem Haus, schütze sich und komme auch anderen Kontaktpersonen nicht zu nahe, sagte er.

Aus dem Freisinger Landratsamt kommen nach Aussagen von Pressesprecherin Eva Zimmerhof zunächst keine weiteren Anordnungen. "Wir haben die Verfügung der Staatsregierung zu den neuen Ausgangsbeschränkungen jetzt zunächst einmal auf unserer Landratsamts-Website verlinkt, und dann muss man mal sehen, wie es anläuft", sagte sie. Unterdessen läuft der Betrieb an der mobilen Teststrecke für Corona-Verdachtsfälle am Zollinger Bauhof. Am Donnerstag sind dort laut Eva Zimmerhof 47 Personen getestet worden und am Freitag 61.

© SZ vom 21.03.2020/lada
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