Einkaufen in Freising:Die Krise diktiert das Kaufverhalten

Einkaufen in Freising: Jetzt dürfte es wieder voller werden: Die Geschäfte in den Freisinger Schlüterhallen haben wieder geöffnet.

Jetzt dürfte es wieder voller werden: Die Geschäfte in den Freisinger Schlüterhallen haben wieder geöffnet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Weil manche Geschäfte wegen der Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie nicht mehr öffnen dürfen, verlegen sich einige Händler auf den Onlineversand. Andere richten einen Lieferservice ein.

Von Nadja Tausche, Freising

Wegen der Corona-Krise müssen sich viele Geschäftsinhaber in Freising neue Konzepte überlegen. Alle Läden, die nicht für die alltägliche Versorgung nötig sind, müssen seit vergangener Woche geschlossen bleiben - aber auch bei noch geöffneten Läden brechen die Umsätze weg. "Fashion&More" ist deswegen derzeit dabei, einen Online-Shop einzurichten. "Das wollte ich schon länger machen, aber es war immer ein zeitliches Problem", sagt Geschäftsführer Günther Sesselmann. Geplant sei, das gesamte Sortiment auf der Webseite aufzulisten, die Kunden können dann dort bestellen. Derweil darf der Laden auch weiterhin öffnen - mit Beschränkungen: Lebensmittel und nachhaltige Drogerieartikel kann Sesselmann weiterhin verkaufen, Kleidung aber nicht.

Das Spielzeuggeschäft Hölzlkramer dagegen musste komplett schließen. Inhaberin Monika Stanglmeier setzt jetzt ebenfalls auf Bestellungen: In der vergangenen Woche habe sie einen Lieferservice eingerichtet, erzählt sie, über den Kunden im Freisinger Stadtgebiet kostenlos beliefert werden. "Das wird auch angenommen", sagt sie. Kunden rufen an oder schreiben ihr per Mail - sie schicke teilweise auch Fotos oder Videos von dem Spielzeug. Das gesamte Sortiment online aufzulisten, sei derzeit nicht geplant: Das könne sie aus Kapazitätsgründen nicht, sagt Stanglmeier.

Ladenbesitzer spüren Solidarität: "Trotz der Distanz rücken die Leute näher zusammen"

Nach Hause liefern lassen können sich die Freisinger seit der vergangenen Woche auch Käse vom "Kasdandler". Mit dem Lieferservice wolle sie in der aktuellen Situation vor allem ältere Menschen unterstützen, berichtet Inhaberin Marianne Lang. Sie habe aber sowieso ein solches Angebot einrichten wollen, ursprünglich wegen des Umbaus der Freisinger Innenstadt. Den Unterschied zu normalen Zeiten spürt Lang deutlich: "Es ist ein ganz anderes Kaufverhalten." In der vergangenen Woche hätten viele Kunden große Mengen an Ware gekauft, der Samstag sei dafür absolut "tot" gewesen.

Auffällig sei, und das berichten gleich mehrere Ladenbesitzer: Die Menschen seien sehr solidarisch. "Der Zusammenhalt ist jetzt da", sagt Lang vom "Kasdandler". Sesselmann von "Fashion&More" hat den Eindruck: "Trotz der Distanz rücken die Leute näher zusammen." Dennoch ist schon jetzt klar, dass die Corona-Krise für den Freisinger Einzelhandel drastische Folgen haben wird. "Wir können das in keinster Weise auffangen", sagt Richard Grimm vom gleichnamigen Haushaltswarenladen. Den Online-Shop gebe es bei ihm schon länger, er werde auch aktuell bedient, betont Grimm: "Aber das ist nur ein minimaler Anteil von dem, was wir sonst verkaufen." Auch Stanglmeier ist sich sicher, dass ihr Lieferdienst die Einbußen "auf keinen Fall" auffangen werde. Sie habe kaum Einkünfte, sagt sie - "trotzdem muss ich Miete und meine Mitarbeiter bezahlen."

Ein Kurier der Freisinger Fahrradwerkstatt bringt Waren von den Geschäften zu den Kunden nach Hause

Die Anstrengungen der Geschäfte will man in Freising deshalb so gut es geht unterstützen. Die App Spondeals veröffentlicht normalerweise Rabattaktionen von Freisinger Geschäften, aktuell können die Läden dort ihre Öffnungszeiten und Informationen zu ihrem Lieferservice veröffentlichen. Das Angebot werde in Freising bisher gut angenommen, berichtet Samuel Kabitzky, einer der beiden Gründer der App. Außerdem arbeite man jetzt mit einer Freisinger Fahrradwerkstatt zusammen: Ein Kurier bringt Waren von den Geschäften zu den Kunden nach Hause, erzählt Kabitzky. Das Angebot gebe es erst seit vergangenem Donnerstag, er könne deshalb noch nicht sagen, ob es viele nutzen. Gleichzeitig arbeitet Spondeals an einer neuen Idee: Auf einer Webseite sollen Kunden Gutscheine für Freisinger Geschäfte kaufen, die Läden legen einen Teil des Betrags selbst noch drauf. "Der Einzelhandel war sowieso schon ein bisschen am Abstieg - das wird durch Corona extrem befeuert", so sieht Kabitzky die Lage.

Auch der Verein Aktive City versucht, die Geschäfte der Stadt zu unterstützen. Auf der Webseite veröffentlicht man Hinweise, wie sie zu Fördergeldern kommen, und auch hier steht, wer etwa einen Lieferservice anbietet. Insgesamt hat Geschäftsführerin Julia Bönig den Eindruck: "Die Stimmung ist nicht so schlecht, wie ich befürchtet habe." Wie schnell sich viele Geschäfte umstellen, sei beeindruckend - "vielleicht können wir einiges in die Zeit nach Corona übernehmen." Wichtig sei allerdings, dass die Freisinger Kunden jetzt mitziehen, betont sie: "Wir müssen schauen, dass wir da einkaufen, wo wir wohnen."

© SZ vom 24.03.2020/lada
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