Not in der Region wächst:Krisengewinner und Reiche sollen zahlen

Coronavirus - Flughafen München

Langsam nimmt die Zahl der Passagiere am Flughafen im Moos wieder zu. Gewerkschafter fürchten jedoch, dass bedingt durch den Personalabbau bald weniger Kräfte zur Abfertigung zur Verfügung stehen werden.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ein Bündnis, dem Gewerkschaften und mehrere Parteien angehören, ruft zur Teilnahme an einer Kundgebung in München auf, um die Kosten der Krise gerechter zu verteilen.

Von Peter Becker, Freising

Gewerkschaften rufen zusammen mit anderen Organisationen und mehreren Parteien zu einer Kundgebung auf. Sie alle beteiligen sich an der Kampagne "Superreiche zur Kasse für die Kosten der Krise. Los geht es am Samstag, 17. Juli, um 11 Uhr auf der Theresienwiese in München. Claudia Weber, stellvertretende Geschäftsführerin der Gewerkschaft Verdi für München und die Region, sagte bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Attaching: "Superreiche" und Krisengewinner wie die Deutsche Post AG oder Amazon müssten einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Folgen von Corona leisten.

Wer ein Haus in Freising sein eigen nennt, müsse jetzt keine Sorge haben, dass er zu den "Superreichen" Deutschlands gezählt werde und einen extra hohen Steuersatz leisten solle. Derartige Ängste beschwichtigte Monika Ludwig, Vorsitzende der Verdi-Flughafenregion. Gemeint seien die Milliardäre in Deutschland. Im Gegensatz zu diesen würden die Nöte vieler Menschen in der Flughafenregion immer existenzbedrohender. Viele befänden sich in Kurzarbeit. Entlassungen und Personalabbau "in sozial verträglichem Rahmen" drohten. Doch für Monika Ludwig stellt sich die Frage, wer die Abfertigung übernehmen solle, wenn der Flugverkehr wieder zunimmt. Erfahrene Arbeitskräfte würden dann durch junge, nicht ausgebildete ersetzt. "Die sind viel billiger", sagte Monika Ludwig.

Ein Betriebsrat befürchtet, dass die Zahl der Privatinsolvenzen zunimmt

Für Claudia Weber sind in der Pandemie viele Mängel sichtbar geworden, die das Ergebnis neoliberaler Wirtschaftspolitik und Privatisierungen seien. Milliarden seien geflossen, um Unternehmen zu "retten". Verdi hätte erwartet, dass die Regierung dies an soziale und zukunftsfähige Bedingungen knüpft. Stattdessen müssten die Gewerkschaften die Forderungen der Arbeitgeber nach der Streichung von Arbeitsplätzen und Absenkung tariflicher Standards abwehren.

Michael Batog, Betriebsratsvorsitzender von Swissport Losch, kritisierte, dass die günstigen Flugpreise auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen würden. Knapp 250 Kolleginnen und Kollegen habe die Pandemie den Job gekostet. Er fürchtet, dass in seinem Betrieb die Zahl der Privatinsolvenzen zunehmen werde. Möglicherweise wolle der Arbeitgeber an die Tarifverträge ran, um zu sparen. "Wir können die Kosten der Pandemie nicht bezahlen, das müssen die Gewinner der Pandemie übernehmen", forderte Neli Birks, Betriebsrätin bei Eurotrade. Wirkliche Hilfe für die Betroffenen sei nicht in Sicht.

Ein Azubi-Vertreter mutmaßt, dass Krisen-Folgen auf junge Beschäftige abgewälzt werden

Ralf Krüger, Betriebsrat der Flughafen München GmbH, kritisierte, dass etwa Lufthansa neun Milliarden Euro als Hilfe bekommen habe und trotzdem Beschäftigten kündige, "weil man dies den Aktionären schulde". Janis Leonhardt von der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Lufthansa-Cargo, mutmaßte, dass die Folgen der Krise auf junge Beschäftigte abgewälzt würden. Sie würden später nicht oder nur zu schlechteren Konditionen übernommen. Reinhard Wagner, Vorsitzender von Verdi Freising, kritisierte die Post AG - ein Krisengewinner - dafür, dass sie in allen Niederlassungen einen Einstellungsstopp für Auszubildende verhängt habe.

Carolin Hofer, Personalratsvorsitzende am Landratsamt, fände es "gerecht und solidarisch", wenn sich "Superreiche" an der Finanzierung der Daseinsvorsorge beteiligen müssten. Irmgard Fischer, Betriebsseelsorgerin am Flughafen, stellte fest, dass es "kein Recht auf schrankenlosen Reichtum gibt". Die enorme Konzentration von Reichtum in den Händen weniger müsse durch eine höhere Besteuerung gebremst werden.

© SZ vom 14.07.2021/ilos
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