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Corona-Hilfe im Landkreis Freising:71 Millionen für Betriebe in der Krise

Hotels und Gasthäuser

Für die Hotellerie ist die Lage schwierig, weil nach wie vor keine Tagungen oder Messen stattfinden.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Knapp die Hälfte der Corona-Hilfen des Bundes fließen im Landkreis Freising in die Gastronomie. Zwölf Prozent gehen an die Sparte Kunst und Unterhaltung. Das hilft, existenzielle Notlagen sind aber trotzdem entstanden.

Von Petra Schnirch, Freising

Selbständige, Betriebe und Einrichtungen im Landkreis Freising haben seit Juli 2020 Corona-Hilfen in Höhe von 71 Millionen Euro erhalten. Insgesamt seien etwa 2700 Anträge bewilligt worden, teilt die IHK für München und Oberbayern mit. Sie ist im Freistaat im Auftrag der Staatsregierung für die Abwicklung der Wirtschaftshilfen zuständig.

Bayernweit ging bisher laut IHK etwa 47 Prozent des bewilligten Gelds an Betriebe aus dem Gastgewerbe, also Hotels, Restaurants, Diskotheken, Bars und Catering-Unternehmen. Mit einem Anteil von zwölf Prozent folge der Zweig "Kunst, Unterhaltung, Erholung", zu dem Museen, Theater, Konzertveranstalter, Freizeitparks und Fitnessstudios gehören. Weitere zwölf Prozent hätten Betriebe im Einzel- und Großhandel bekommen. Im Schnitt liege die Auszahlung pro Antragsteller im Landkreis bei etwa 25 900 Euro.

Mit den Folgen der Pandemie werden viele Betriebe noch lange zu kämpfen haben

Anna Elisabeth Hofmeier, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), sagt, sie könne nur für ihren Betrieb sprechen, weil die Kollegen mit den "empfindlichen Daten" sehr vorsichtig umgingen. Ihr Landgasthof mit Hotel in Hetzenhausen habe Corona-Hilfe erhalten, "das hat uns schon weitergeholfen in der Krise", um Kosten, die weitergelaufen seien, zu decken. Anna Elisabeth Hofmeier hofft nun, dass sie nicht noch einmal in so eine Situation kommen wird - vor allem dass es keinen dritten Lockdown geben wird. Mit den Gästezahlen im Wirtshaus ist sie derzeit zufrieden. Die Hotellerie aber sei schwierig, weil nach wie vor keine Tagungen oder Messen stattfinden. Einige schrecke zudem die Testpflicht ab.

Zu kämpfen haben werden die Betriebe mit den Folgen der Pandemie noch lange, sagt Hofmeier. Auch sie hätten einen Corona-Kredit aufgenehmen müssen, weil nach dem ersten Lockdown die Hilfen "nicht so üppig geflossen" seien. An den Rückzahlungen würden viele noch Jahre "zu knabbern haben". Wie ein "Damoklesschwert" schwebe außerdem über den Betrieben, dass die Corona-Hilfen erst einmal nur vorläufig bewilligt worden seien und keiner wisse, ob er etwas zurückzahlen müsse. Ein weiteres Problem gerade in der Gastronomie sei der Personalmangel. "70 Prozent der Aushilfen haben sich anders orientiert."

Die Hilfen decken nur einen Tel der pandemiebedingten Verluste ab

Was sie sich wünscht für die Zukunft: Dass der Mehrwertsteuersatz für die Branche ermäßigt bleibt und dass nicht zu viele ihrer Kollegen aufgeben, damit die Vielfalt in der Gastronomie nicht verloren geht. Man müsse lernen, den Umgang mit dem Virus zu handeln. "Sonst können wir bald komplett zusperren", sagt die Dehoga-Kreisvorsitzende. "Normalerweise bin ich ein optimistischer Mensch", fügt sie noch hinzu. "Es wird schon weitergehen."

Die Summe der Corona-Hilfen unterstreiche, wie weitreichend die Folgen der Pandemie für große Teile der Wirtschaft seien, sagt Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising sowie Vizepräsident der IHK für München und Oberbayern. "Die Hilfen decken dennoch nur einen Teil der pandemiebedingten Kosten und Verluste ab, viele Unternehmer und Selbständige, gerade in der Gastronomie, Kultur- und Eventbranche, sind durch die Schließungen in eine existenzielle Notlage gekommen." Und viele seien nach wie vor von Schließungen und Einschränkungen betroffen und daher weiter auf Hilfen angewiesen.

Der Bund müsse dafür sorgen, dass das Geld schnell ankommt

Die IHK begrüßt laut Heinz daher die Verlängerungen der Überbrückungshilfe III plus und der Neustarthilfe plus bis Ende September. Der Bund sei jetzt gefordert, "so schnell wie möglich die dafür notwendigen Antrags- und Bearbeitungsplattformen bereitzustellen, damit das Geld schnell ankommt".

Bayernweit hat die IHK nach eigenen Angaben 6,2 Milliarden Euro ausgezahlt. Dazu kämen 2,2 Milliarden aus den von den Bezirksregierungen zu Beginn der Krise bewilligten Soforthilfen an Unternehmen und Selbständige.

Anträge auf Überbrückungshilfe III und Neustarthilfe sowie deren Verlängerungen können noch mindestens bis zum 31. Oktober gestellt werden. Informationen zu den Corona-Hilfsprogrammen gibt es im Internet unter www.ihk-muenchen.de/corona.

© SZ vom 20.07.2021/ilos
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Ausgleich für Umsatz-Einbrüche

Besonders hoch sind die Auszahlungen bisher bei der Überbrückungshilfe III. 373 Antragsteller aus dem Landkreis Freising erhielten insgesamt 25,5 Millionen Euro. Unterstützt werden damit Unternehmen, Soloselbständige und selbständige Freiberufler bei der Deckung betrieblicher Fixkosten, wenn sie coronabedingt Umsatzrückgänge haben.

An Dezemberhilfe wurde 17,2 Millionen Euro bei 632 erfolgreichen Anträgen ausgezahlt, an Novemberhilfe gab es 15,5 Millionen für 693 Unternehmen, Selbständige und Vereine. Die Hilfe war ein einmaliger Zuschuss von bis zu 75 Prozent des jeweiligen Umsatzes in den entsprechenden Vorjahresmonaten.

Überbrückungshilfe I ging an 282 Antragsteller, insgesamt 3,4 Millionen Euro; Überbrückungshilfe II gab es in 412 Fällen mit insgesamt sieben Millionen Euro. Berechtigte waren kleine und mittlere Unternehmen, Soloselbständige, Freiberufler, gemeinnützige Unternehmen und Organisationen zur Deckung von Fixkosten im Jahr 2020.

Die Neustarthilfe ist bisher in 344 Fällen in Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Euro gewährt worden. Damit werden Soloselbständige, kleine Kapitalgesellschaften und Genossenschaften aller Wirtschaftszweige unterstützt, die im ersten Halbjahr des Jahres 2021 hohe Umsatzeinbrüche, aber nur geringe betriebliche Fixkosten hatten - sie kommen deshalb für die Überbrückungshilfe nicht in Frage.psc

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