Corona-Maßnahmen im Reitsport:Pferde brauchen Bewegung

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Corona-Maßnahmen im Reitsport: Nun dürfen auch ungetestete geimpfte Besitzerinnen ihre Pferde betreuen und im Gelände ausreiten - aus Gründen des Tierwohls.

Nun dürfen auch ungetestete geimpfte Besitzerinnen ihre Pferde betreuen und im Gelände ausreiten - aus Gründen des Tierwohls.

(Foto: Marco Einfeldt)

Reitstallbesitzerinnen können nicht nachvollziehen, dass selbst in luftigen Hallen die 2-G-plus-Regel gilt

Von Alexandra Vettori und Katharina Aurich, Freising

Nicht nur in den Pferdeställen im Landkreis Freising haben die aktuellen Corona-Regeln für Aufregung gesorgt. Denn Reithallen und Reitplätze sind rechtlich Sportstätten, wo seit 30. November 2-G-plus gilt. Anfangs hatte es sogar geheißen, die Regel gelte generell für Pferdeställe, doch nach Protesten aus dem bayerischen Reitsportverband wurde nachgebessert. Nun dürfen auch ungetestete geimpfte Besitzerinnen ihre Pferde betreuen und im Gelände ausreiten - aus Gründen des Tierwohls.

"Gestern habe ich eine Reitschülerin wegschicken müssen, weil ihr Testergebnis vom Morgen nicht rechtzeitig gekommen ist, dabei ist die Frau geimpft", erzählt Christa Hobmeier, die in Untermarchenbach bei Haag einen Pensionsstall mit 40 Pferden betreibt und einigen der Einsteller auch Unterricht gibt. Dabei sei an dem Vormittag niemand sonst in der Reithalle gewesen, erzählt sie. Hobmeier kann die strenge Regelung nicht verstehen, "unsere Halle ist 25 mal 50 Meter groß und an beiden langen Seiten offen".

Vom Reitplatz draußen unter freiem Himmel mag sie gar nicht reden, auch dort gilt 2 G plus. "Beim letzten Mal durften noch fünf Reiter in die Halle, das war auch schon ein Schmarrn, alle reiten ja auf ihrem Pferd, jeder auf seinem, und da ist immer viel mehr als eineinhalb Meter Abstand - an der frischen Luft". Wie könne man Reitunterricht zum Beispiel mit Handballtraining gleichsetzen, bei dem sich die Spieler sehr nahe kommen? Natürlich hat Hobmeier finanzielle Einbußen ohne den Unterricht, dennoch wird sie keinen staatlichen Ausgleich beantragen. "Weil der Steuerberater mehr kostet, als ich damit verdiene", so die einfache Erklärung. Dafür hat sie ans Ministerium geschrieben, an örtliche Landtagsabgeordnete, um mehr Realitätsbezug bei den Corona-Maßnahmen einzufordern.

Auch Angela Struck, die für den Unterricht beim Reit- und Fahrverein Freising zuständig ist, kann die ministerielle Linie nicht so recht nachvollziehen. Aktuell habe man in ihrem Stall noch Glück, weil fast nur Kinder und Jugendliche Reitunterricht haben, für die bis Ende Dezember noch eine Ausnahmeregelung gilt, weil sie dreimal die Woche in den Schulen auf Corona getestet werden. Rund 160 Kinder und Jugendliche kommen regelmäßig, der Großteil ist zwischen 14 und 16 Jahre alt. "Wir kontrollieren die Schulausweise", sagt Angela Struck. Wer volljährig ist oder nicht mehr in der Schule, muss ein Ergebnis vom Testzentrum mitbringen oder vor den Augen der Reitlehrerin einen Schnelltest machen. "Das geht, wenn es ein bis zwei sind, aber wir haben hier nicht die Zeit, mehrere Leute zu kontrollieren, denn die Stunden reihen sich ja aneinander. Und wir können uns dafür auch nicht extra jemanden einstellen", sagt Struck. Was die Sache nicht leichter gemacht hat: "Wir sind von heute auf morgen von null auf 2 G plus umgestellt worden. Was sie überrascht habe, erzählt Struck, dass der überwiegende Teil der Jugendlichen schon geimpft ist, "vor allem sind die noch ungeimpft, die genau zwölf sind".

Beide Reitstallbetreiberinnen betonen, sie seien nicht gegen Einschränkungen und Gesundheitsschutz, dass dabei aber so wenig auf tatsächliche Gegebenheiten eingegangen werde, verstehen sie nicht. Das zeige auch die ursprünglich geplante Regelung, 2 G plus für den ganzen Pferdestall. "Das ist schlicht nicht machbar", sagt Christa Hobmeier, "ein Pferd braucht Pflege und Bewegung, das ist kein Tennisschläger".

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