Süddeutsche Zeitung

Corona in Neufahrn:Hier Masken und Tests, dort unbesorgte Bürger

In Neufahrn wird die Bedrohung durch die Corona-Pandemie nicht überall gleich ernst genommen

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Es ist wie eine Erinnerung an sehr ferne Zeiten. Wenn man bei der Gemeinderatssitzung zuhören wollte, ging man eben ins Rathaus: ohne Maske, ohne Formular - einfach so. Seit gut einem Jahr finden die Sitzungen aber wegen Corona in der Käthe-Winkelmann-Halle statt. Wer auf der Tribüne dabei sein will, wirft im Foyer einen Zettel mit den Kontaktdaten in den Schlitz eines bereit gestellten Kartons.

Masken sind obligatorisch - und künftig sollen die Zuhörer genauso wie die Gemeinderäte nach Möglichkeit vorher einen Test machen. Darum bat Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) in der jüngsten Sitzung. Dass Tagesordnungen wegen der Pandemie verändert werden müssen, wird inzwischen ebenfalls nur noch als Randnotiz wahrgenommen. Diesmal war es der Punkt "Sanierung des alten Mesnerhauses", der abgesetzt werden musste. Der Architekt, der das Ergebnis der bisherigen "bestandserhaltenden Maßnahmen" schildern und das weitere Prozedere erklären sollte, ist gerade als Kontaktperson in Quarantäne, wie der Rathauschef mitteilte.

Mit Sorge beobachten einige Gemeinderäte auf der anderen Seite das Geschehen im Ortszentrum: Auf dem Marktplatz und entlang der Bahnhofstraße komme es zu "extremen Gruppenansammlungen ohne Masken", hat etwa Silke Rößler (CSU) festgestellt, und ihr Fraktionskollege Burghard Rübenthal konnte das nur bestätigen: Aber "nicht ein Mal" habe er "Polizeipräsenz" gesehen, kritisierte er. Dem CSU-Gemeinderat geht es dabei "nicht um Strafen", wie er betonte. Aber die Beamten könnten doch "Hinweise geben und das Gespräch suchen".

Bürgermeister Heilmeier selbst hat zwar sehr wohl schon Beamte auf dem Marktplatz bemerkt, will das Thema aber bei der nächsten routinemäßigen Besprechung mit der Polizei anschneiden. Zugleich appellierte er an die Vernunft der Neufahrnerinnen und Neufahrner.

Für Irritationen sorgte auch in der Gemeinde Neufahrn die Tatsache, dass die nach Gemeinden aufgeschlüsselten Corona-Fallzahlen über einen längeren Zeitraum vom Landratsamt nicht mehr veröffentlicht wurden. Dabei sei das in allen Landkreisen weiterhin üblich, betonte Beate Frommhold-Buhl (SPD).

Von Software-Problemen war in der Kreisbehörde die Rede. Mittlerweile sind sie offenbar behoben. Für Neufahrn wies die Statistik am Donnerstag 32 "positiv auf Corona getestete Bürger, die sich derzeit in Quarantäne befinden", aus. Landkreisweit waren es an diesem Tag 498.

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Quelle:
SZ vom 26.04.2021
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